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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Bürger, Gottfried August



Es ist traurig anzusehen, wie ein außerordentlicher Mensch sich gar oft mit sich selbst, seinen Umständen, seiner Zeit herumwürgt, ohne auf einen grünen Zweig zu kommen. Trauriges Beispiel Bürger.«Diese bedauernden Worte Johann Wolfgang von Goethes in seinen Maximen und Reflexionen galten einem Mann, der wie kein zweiter in Deutschland den Typus des volkstümlichen Schriftstellers verkörperte. Aus einer ärmlichen Pfarrersfamilie stammend, hatte es B. lebenslang schwer, eine seinen Talenten und Neigungen entsprechende Position zu finden. Nach dem Theologie- und Jura-Studium in Halle und Göttingen gelang es ihmzwar, 1772 eine Amtmannstelle in Altengleichen bei Göttingen zu bekommen.



      Zwistigkeiten mit seinen Arbeitgebern belasteten ihn jedoch, und die Tätigkeit Heß ihm wenig Zeit für seine dichterische Arbeit, mit der er bereits während des Studiums begonnen hatte . Ohne offiziell dem »Göttinger Hain« anzugehören, unterhielt er zu den meisten Mitgliedern freundschaftliche Kontakte. In seiner dichterischen Praxis ging er jedoch eigene Wege. Sein 1773 entstandenes Gedicht Der Bauer. An seinen Durchlauchtigten Tyrannen stellt ein frühes Beispiel einer volkstümlichen und zugleich sozialkritischen Lyrik dar. Dieses Gedicht machte B. in ganz Deutschland bekannt. Jahrzehnte später nahmen Georg Büchner und Ludwig Weidig einige Zeilen aus diesem Gedicht in ihren Hessischen Landboten auf. Volkstümlich sind auch seine Balladen , die starken Eindruck auf die Zeitgenossen machten und die Ballade in den Rang einer anerkannten und populären Kunstform erhoben. Als B. 1778 seine erste Gedichtsammlung erschienen heß, fanden sich über 2000 Subskribenten, darunter 19 regierende Fürsten, u.a. die Königin von England. Als Herausgeber des Göttinger Musenalmanachs wurde er zu einer in ganz Deutschland anerkannten Instanz. Seine berufliche und finanzielle Situation war nichtsdestoweniger desolat. Dazu kamen schwierige persönliche Verhältnisse. Sein außereheliches Verhältms zu seiner Schwägerin war ein öffentlicher Skandal .
      Erst nach dem Tod seiner ersten Frau konnte er deren Schwester heiraten, die jedoch bereits 1786 starb. Eine dritte Ehe, 1790 geschlossen, endete 1792 mit einer Scheidung. Bereits 1783 hatte B., zermürbt von den jahrelangen Auseinandersetzungen mit seinen Vorgesetzten, die Amtmannstellc aufgegeben und war als Privatdozent nach Göttingen gegangen, wo er Vorlesungen über Ästhetik, deutsche Sprache und Literatur hielt. Neben Ãœbersetzungen aus dem Englischen und Griechischen verfaßte er weiter Balladen, bearbeitete die Wunderbaren Reisen zu Wasser und Lande, Feldzüge und lustige Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen und bemühte sich, seine Konzeption von »Volkstümlichkeit« theoretisch auszuarbeiten . Er war der Meinung, daß die Dichtkunst »zwar von Gelehrten, aber nicht für Gelehrte als solche, sondern für das Volk ausgeübt werden müsse« . Mit einer solchen Auffassung geriet er in offenen Gegensatz zu den Bemühungen von Goethe und Schiller, die sich unter dem Eindruck der Französischen Revolution von dem alten Sturm- und Drang-Konzept der Volkstümlichkeit abwandten. Schillers scharfes Verdikt Ãœber Bürgers Gedichte , mit dem er den eigenen Ãœbergang zum Konzept der Ästhetischen Erziehung vorbereitete, konnte jedoch nicht verhindern, daß B. gerade aufgrund seines Konzepts von Volkstümlichkeit immer wieder geschätzt wurde. So schrieb Heinrich Heine in seiner Romantischen Schule : »Der Name >Bürger< ist im Deutschen gleichbedeutend mit dem Wort citoyen«, und wies damit indirekt auf die Verwandtschaft zwischen B. und den Autoren der Vormärz-Zeit hin.
      Kaim-Kloock. Lore: Gottfried August Bürger. Zum Problem der Volkstümlichkeit 111 der Lyrik.
      Berlin 1973. Strodtmann, Adolt : Briefe von und an G. A. Bürger. Berlin 1874.

      Inge Stephan


Gottfried august bürger (i747-i794): der bauer - tyrannenlästerung

Der Bauer An seinen durchlauchtigen Tyrannen Wer bist du, Fürst, daß ohne Scheu Zerrollen mich dein Wagenrad, Zerschlagen darf dein Roß? Wer bist du, Fürst, daß in mein Fleisch Dein Freund, der Jagdhund, ungebläut Darf Klau und Rachen hau n? Wer bist du, daß durch Saat und Forst, Das Hurra deine .....
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Gottfried august bürger - lenore

Lenore fuhr ums Morgenrot empor aus schweren Träumen: 'Bist untreu, Wilhelm, oder tot? wie lange wirst du säumen?" Er war mit König Friedrichs Macht gezogen in die Prager Schlacht und hatte nicht geschrieben, ob er gesund geblieben. Der König und die Kaiserin, des langen Haders müde, bewegten ihr .....
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Index » Sonstige

Bürger, gottfried august

Als Lyriker und Begründer der deutschen Kunstballade gehört Gottfried August Bürger zu den wichtigen Figuren der Sturm-und-Drang-Epo-che, auch wenn -> Schillers vernichtende Kritik an der mangelnden Idealisierung seiner Gedichte, der Distanzlosigkeit zu den Gegenständen und der Anpassung an die »Fas .....
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Bürger, gottfriedt augus

An das Herz Stern, Martin. In: Festschrift Burger, 1968, S. 171 - 187. Auch ein Lied an den lieben Mond Neis, Edgar. In: Mond in der Lyrik, 1971, S. 5 -6. Der Bauer an seinen durchlauchtigen Tyrannen Stein, Ernst. In: Wege, 1967, S. 148 - 149. Binder, Alwin und Scholle, Dietrich. In: .....
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Gottfried august bÃœrger - daniel wunderlichs buch.

II: Herzensausguß über Volkspoesie [...] Unsere Nation hat den leidigen Ruhm, nicht gerade die weise, sondern die gelahrte zu heißen. Der Ruhm möchte ganz schätzbar sein, wenn s nur nicht gar zu viel Quisquilien [1] — Gelahrtheit wäre. Dieser Quisquilien-Gelahrtheit haben wir s gutenteils zu ver .....
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Index » Textsammlung zur deutschen Literaturgeschichte

Gottfried keller (i8i9-i890)

hart erkämpftes und bewußt geformtes Kunstwerk des epischen Geistes. Kellers Zeitgenosse Schopenhauer hat das Wesen der epischen Kunst darin erblickt, 'daß man mit dem möglichst geringsten Aufwand von äußerem Leben das innere in die stärkste Bewegung bringe; denn das innere ist eigentlich der Gegens .....
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Index » VON DER ROMANTIK ZUM REALISMUS

Gottfried benn (i886-i956)

Er kommt aus einem preußisch-protestantischen Pfarrhause, studiert Medizin, wird Militärarzt, dann Privatarzt bis 1914, pflegt in dieser Zeit Freundschaft mit der Lyrikerin Else Lasker-Schüler; im Ersten Weltkriege ist er in Belgien, danach wieder Facharzt in Berlin. 1933 glaubt er einen Augenblick, .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Im Umbruch

Bürgertum und künstlerische existenz

Thomas Mann knüpfte bewußt an traditionelle Erzählformen an. Klassischer oder bürgerlicher Bildungs- bzw. Erziehungsroman, Schelmenroman und Novelle - dies sind Gattungsbegriffe, die in der Beurteilung seiner Werke immer wieder auftauchen. Auch die Wahl historischer Erzählstoffe oder die breit ange .....
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Index » Gegenströmungen zum Naturalismus (ca. 1890-1918)

Volksballade: die bernauerin - tod der schönen mitbürgerin

Keine Frauengestalt in der deutschen Geschichte hat die Dichter so in ihren Bann gezogen wie die schöne Augsburger Baderstochter, die 1435 dem »Staatsinteresse« geopfert und auf Befehl des regierenden Herzogs von Bayern-München in der Donau ertränkt wurde. Unter den Dramen ist Hebbels Agnes Bernauer .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Lieder zur Glaubensstärkung

August graf von platen (i796-i835): venedig liegt nur noch im land der träume ... nur noch im land der träume?

Zur poetischen Ausbeute, mit der Platen von seiner ersten Italienreise im Jahre 1824 zurückkehrte, gehören die Sonette aus Venedig. Sie signalisieren schon Pla-tens Übersiedlung nach Italien im Jahre 1826. Der aus einer verarmten adligen Familie stammende Autor, der dem Bayerischen Königshaus vier .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Die Republik - ein Traum

Gottfried keller (i8i9-i890): sommernacht - ein alter brauch - erhaltenswert

Sommernacht Es wallt das Korn weit in die Runde Und wie ein Meer dehnt es sich aus; Doch liegt auf seinem stillen Grunde Nicht Seegewürm noch andrer Graus: Da träumen Blumen nur von Kränzen Und trinken der Gestirne Schein. O goldnes Meer, dein friedlich Glänzen Saugt meine Seele gierig ein! In m .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Die Wirklichkeit der Landschaften

August stramm (i874-i9i5): sturmangriff- kriegsgrab - welt im extrakt

August Stramm, seit 1913 Mitarbeiter in Herwarth Waldens avantgardistischer Zeitschrift Der Sturm, fiel im Ersten Weltkrieg als Reserveoffizier in den russischen Rokitnosümpfen . In beiden Gedichten suchen Erfahrungen des letzten Lebensabschnitts ihren Ausdruck, und zwar in einer äußerst reduzierten .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Der Sturm ist da

August graf von platen-hallermünde (i796-i835)

Wer je die Schönheit angeschaut mit Augen, Ist dem Tode schon anheimgegeben, Wird für keinen Dienst auf Erden taugen, Und doch wird er vor dem Tode beben, Wer je die Schönheit angeschaut mit Augen! Gleich dem ihm befreundeten Rückert war Platen ein Sprach- und Formkünstler hohen Grades. Schon di .....
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Index » DIE DEUTSCHE ROMANTIK

Platen, august von

An eine Geißblattranke Staiger, Emil. In: Spätzeit, 1973, S. 109 -116. Amalfi Hummel, Adrian. In: Gestörte Idylle, 1995, S. 41 -62. Das Grab in Busento Link, Jürgen. In: Balladen / Interpretation, 1988, S. 164- 177. Dies Land der Mühe Rüdiger, Horst. In: Frankfurter A .....
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Blaue stunde - gottfried benn

I Ich trete in die dunkelblaue Stunde — da ist der Flur, die Kette schließt sich zu und nun im Raum ein Rot auf einem Munde und eine Schale später Rosen — du! 5 Wir wissen beide, jene Worte, die jeder oft zu andern sprach und trug, sind zwischen uns wie nichts und fehl am Orte: dies ist d .....
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Index » Gedichte aus unserer Zeit - Interpretationen

Stramm, august

Abend Bozzetti, Elmar. In: Untersuchungen Stramms, 1961, S. 143 - 145. Hubert, Gerda. In: Abend und Nacht in Gedichten, 1963, S. 57 - 63. Allmacht Radrizzani, Rene. In: Stramm, 1979, S. 99 - 115. Erinnerung Adler, Jeremy. In: Gedichte und Interpretationen 5, 1983, S. 199 - 210. Kriegsg .....
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Tiedge, christoph august

Elegie auf dem Schlachtfelde bei Kunersdorf Biesterfeld, Wolfgang. In: Aufklärung und Utopie, 1993, S. 72 - 83. .....
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Herder, johann gottfried

Nur schwer läßt sich H.s geistesgcschichtliche Stellung beschreiben, weil sein Denken ohne offensichtlich einheitlicher. Grundriß blieb. Schon zu Lebzeiten wurde daher »der edle Geist. . . verkannt; doch nicht ganz ohne seine Schuld; denn er hatte den Fehler, daß er kein Stern erster oder sonstiger .....
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Leibniz, gottfried wilhelm

Wahrscheinlich war er der umfassendste Kopf, der an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert philosophisch dachte, in einer Zeit, die an philosophischen Köpfen nicht arm war. In Leipzig als Sproß einer Professorenianulie geboren, war er eines der Wunderkinder, mit denen seine Zeit zu renommieren versuc .....
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Das grab im busento - august von platen

Nächtlich am Busento lispeln bei Cosenza dumpfe Lieder; Aus den Wassern schallt es Antwort, und in Wirbeln klingt es wieder! Und den Fluß hinauf, hinunter ziehn die Schatten tapfrer Goten, Die den Alarich beweinen, ihres Volkes besten Toten. 5 Allzufrüh und fern der Heimat mußten hier sie ihn beg .....
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Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Gottfried silbermann - wulf kirsten

hof- und landorgelbauer im generalbaßzeitalter, meißnischer daedalo. geboren zu Kleinbobritzsch, erdnah und himmelweit, zu fußen Frauensteins als wäldner. kein bild, kein grab blieb nach. 5 ein menschenalter stur und still am flußlauf der Bobritzsch, der Mulde .....
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Index » Gedichte aus unserer Zeit - Interpretationen

Reisen - gottfried benn

Meinen Sie Zürich zum Beispiel sei eine tiefere Stadt, wo man Wunder und Weihen immer als Inhalt hat? Meinen Sie, aus Habana, 5 weiß und hibiskusrot, bräche ein ewiges Manna für Ihre Wüstennot? Bahnhofstraßen und Ruen, Boulevards, Lidos, Laan - 10 selbst auf den Fifth Avenuen .....
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Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Einsamer nie - gottfried benn

Einsamer nie als im August: Erfüllungsstunde - im Gelände die roten und die goldenen Brände, doch wo ist deiner Gärten Lust? Die Seen hell, die Himmel weich, 5 die Äcker rein und glänzen leise, doch wo sind Sieg und Siegsbeweise aus dem von dir vertretenen Reich? Wo alles sich .....
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Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Verlorenes ich - gottfried benn

Verlorenes Ich, zersprengt von Stratosphären, Opfer des Ion: — Gamma-Strahlen-Lamm —, Teilchen und Feld: — Unendlichkeitschimären auf deinem grauen Stein von Notre-Dame. 5 Die Tage gehn dir ohne Nacht und Morgen, die Jahre halten ohne Schnee und Frucht bedrohend das Unendliche verborgen —, die We .....
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Chopin - gottfried benn

Nicht sehr ergiebig im Gespräch, Ansichten waren nicht seine Stärke, Ansichten reden drum herum, wenn Delacroix Theorien entwickelte, 5 wurde er unruhig, er seinerseits konnte die Notturnos nicht begründen. Schwacher Liebhaber; Schatten in Nohant, wo George Sands Kinder 10 keine erzieherischen Rat .....
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Bürger,  Gottfried  August    





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