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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Brant, Sebastian



Er beargwöhnte das Buch als solches, bezweifelte den Nutzen seiner Verbreitung durch den Druck, verspottete die Art des Umgangs mit Büchern und erlebte, wie sein Hauptwerk, Das Sarrenschiff , durch den Druck zum Erfolgsbuch in seiner Zeit wurde, zum ersten »Bestseller« deutscher Sprache. Sein Zeitgenosse, der Abt Johannes Trithemius, würdigte es als »divina satyra«, göttliche Satire, und somit als Seitenstück zur Divina Commedia von Dante Alighieri. Mitte des 19. Jahrhunderts gestand der Literaturhistoriker Friedrich Zarncke: »Ich kenne kein zweites Werk, das so phänomenartig aufgetreten, so durchgreifend und so weitverbreitet seinen Einfluß geäußert hätte, wenigstens bis dahin nicht, und namentlich nicht ein deutsches.«



Soll heißen: bewirkte etwas, nämlich in Bezug auf Buchproduktion und Bücher, wurde gekauft, übersetzt , vielfach aufgelegt, bearbeitet, verhunzt, raubgedruckt und erzeugte eine zahlreiche Nachkommenschaft, zog einen Kometenschweif weiterer Narrenbücher hinter sich her . Aber war dies die vom Dichter beabsichtigte Wirkung? Er hatte sich das Buch gedacht »zu Nutz und heilsamer Lehre, Vermahnung und Erfolgung der Weisheit, Vernunft und guter Sitten, sowie auch zur Verachtung und Strafe der Narrheit. Blindheit, Irrsal und Torheit aller Stände und Geschlechter der Menschen«, wohl wissend — der Prolog, gleich die ersten Verse bezeugen es: »Alle Lande sind jetzt voll heiliger Schrift / Und was der Seele Heil betrifft: / Voll Bibeln, heiliger Väter Lehr / Und andrer ähnlicher Bücher mehr, / So viel, daß es mich wundert schon, / Weil niemand bessert sich davon. / Ja, Schrift und Lehre sind veracht t, / Es lebt die Welt in finstrer Nacht.«
Paradoxie der Autorexistenz eines satirischen Geistes. Er sieht, daß keine Besserung durch Bücher kommt und, um diesen Zustand zu verbessern, was macht er? Ein neues Buch. Worin, beiläufig, das i. Kapitel betitelt ist: Von unnützen Büchern. Keine Selbstironie, sondern das Thema des scheingelehrten Narren, dem »die Bücher der ganzen Welt« zur Verfügung stehen, indes ohne Nutzen, da er sie aufhäuft, ohne sie zu begreifen. Ein Grundmotiv im Sarrenschiff: Bücher, guter Rat, nützliche Lehre wären vorhanden, doch es fehlt, wie am Begriffsvermögen, so an der Umsetzung im Leben. Bekennt nicht der Buchverfasser selber sich vieler Torheiten schuldig? Also muß er »im Narrenorden prangen«, »der Narr Sebastianus Brant«, obschon ein hochgelehrtes Haus und ausgezeichneter Honoratior.
      In seinem Erfolgsbuch gelang es dem Autor, sowohl eigene Erfahrungen zu verarbeiten, wie sie reichsstädtisches Leben mit sich brachte, als auch die Fülle angelesener Motive aus der mittelalterlichen ebenso wie humanistischen Literatur. Er bot eine komplexe Schau aller Widrigkeiten und Laster, die aus der Sicht des gebildeten Stadtbürgers dessen Existenz gefährdeten oder ihn belästigten: von den nur lächerlichen Modetorheiten über die bedenkliche Herrschaft des Geldes bis hin zum ernsten Niedergang des Reichs und des Glaubens . Jeden einzelnen Schaden stellte B. personifiziert als Narren für sich vor, sie alle zusammen in der Mammutmetapher der im Narrenschiff vereinigten sämtlichen Narren . Was Abhilfe gewährleisten könnte? Einzig noch die Weisheit, zu erlangen auf dem Wege, den vornehmlich die Humanisten propagierten: durch - theologisch eingefärbte - Wissenschaft . B. entwarf als Gegenbild zum Narrenschiff einen verklärten Zustand vollendeter Weisheit ohne materielles Eigentum, mit Gütergemeinschaft bei allgemeiner Bedürfnislosigkeit, die rückwärts gewandte Utopie eines Goldenen Zeitalters nach antikem Muster. Die simple Konfrontation beider, des Narrentums und seines Gegenbilds, entsprach dem ästhetischen Empfinden des Zeitalters ebenso wie der enzyklopädische Charakter der Narrenrevue und selbst der didaktische Grundzug dieses wie anderer Erfolgsbücher der Epoche.
      B.s literarische Laufbahn wurde erzwungen durch die Notwendigkeit, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Aus der Tätigkeit als Herausgeber und Korrektor bei mehreren Basler Verlagen entwickelt sich die eigene Schriftstellerei. Sie umfaßt außer rechtswissenschaftlichen Beiträgen erörternde Literatur, religiöse und weltliche, darunter lateinische und deutsche Gedichte, selbst ausgesprochene Gelegenheitstexte , vor allem aber poetische Manifeste zur Reichspolitik: Adressat häufig: der Kaiser.
      In zwei Städten, Mittelpunkten des Geisteslebens im damaligen Deutschland, vollziehen sich nicht wemger als drei Karrieren B.s, des Hochschullehrers, des Autors, des reichsstädtischen Politikers. In Straßburg ist der Vater, Diebolt B., der angesehene Wirt zum »Goldenen Löwen« und langjährig Ratsherr. Der Sohn, bereits früh im Kontakt mit dem oberrheinischen Humamsmus , bezieht 1475 die Universität Basel und widniet sich humanistischen Studien, bald auch der Rechtswissenschaft. Seit 1484 doziert er am selben Ort als Jurist, amtiert später als Dekan der juristischen Fakultät, erhält jedoch erst 1496 eine besoldete Stelle. Als Basel 1499 der Eidgenossenschaft beitritt, als deren Gegner sich B.. Verfechter der Reichseinheit und Parteigänger des Kaisers Maximilian I., betrachtet, läßt er sich in das Amt des Rechtsbeistands seiner Heimatstadt nach Straßburg berufen und ist dort als Stadtschreiber bzw. »Erzkanzler« bezeugt. Hohe Ehrungen bleiben nicht aus, so hat er z.B. den Titel eines kaiserlichen und kurmainzischen Rats erhalten. Die Umstände seiner letzten Lebensjahre allerdings liegen im Dunkeln.
      Westermann, R.: Sebastian Brant. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. Band I. Berlin 1933. Spalte 276-289.

      Wolfgang Beutin


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