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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Becker, Jurek



Geb. 30. g. in Lodz
Bis zum achten Lebensjahr mußte B. seine Kindheit im Ghetto von Lodz und in deutschen Konzentrationslagern verbringen. Nach der Befreiung fand er seinen Vater wieder, der in Auschwitz überlebt hatte und nun mit seinem Sohn in Deutschland blieb, unter anderem, weil er den deutschen Antisemitismus für erledigt hielt; beim polnischen war er sich nicht so sicher. B. betont, er sei wie andere Kinder in der DDR aufgewachsen, erinnere sich kaum an Ghetto und Lager und habe auch als Atheist keinen Grund, sich als Jude zu fühlen. Seine Eltern seien Juden gewesen. Diese Loslösung beruht vor allem auf B.s Abneigung gegen Festlegungen und die darauf gegründeten Erwartungen. Sie hat zum Beispiel zur Folge, daß er die Befindlichkeiten und Empfindungen von Juden vor allem als menschliche sieht; daß er diese dann an Juden besonders gut darstellen kann, ist eine andere Sache. Für seinen nächsten Roman, der 1986 erscheinen soll, erwägt er als Titel Wie ich ein Deutscher wurde. Es geht darin um die Spannungen, denen ein Vater-Sohn-Verhältnis ausgesetzt ist, weil der Vater, ein überlebender Jude, der in Ostberlin wohnt, Konsequenzen aus Erfahrungen zieht, die dem Sohn ziemlich fremd sind; vermutlich geht es vor allem um die Frage, wie zerstörerische Unmenschlichkeit — auch in ihren Opfern — fortdauert.



      So würde sich dieses Buch dem bisherigen Werk anfügen, dessen Kennzeichen es ist, daß aufgrund von zunehmend einfachen, meist auf B.s Biographie bezogenen Handlungen drängende moralische Fragen erörtert werden. Dabei verstärkt sich die Tendenz zum parabelhaften Erzählen . Das Komplexe der Problematik wird jeweils dadurch sichtbar, daß B.s Erzähler sehr vielfältig und erfindungsreich dazu dienen, die Handlungen durchsichtig zu machen. Besonders eindrucksvoll geschieht das in B.s erstem Roman Jakob der Lügner und in den Erzählungen in dem Band Xach der ersten Zukunft . So erklärt es sich, daß der autobiographische Ansatz im Stofflichen sich immer stärker verflüchtigt, je genauer man liest.
      Die Polarität zwischen Vorurteilen - eigenen oder fremden - und der Flexibilität, die der Einzelne braucht, um als er selbst zu überleben, beschäftigt B. nicht nur im Hinblick auf die Macht des Vergangenen über die Gegenwart, wie in Der Boxer oder Wie ich ein Deutscher wurde, sondern auch im Hinblick auf Zwänge, die aus der Gegenwart wirken, wie in Irreführung der Behörden und Schlaflose Tage . Auch hier bezieht B. den Stoff aus eigenen Erfahrungen, im ersten der beiden Bücher vermutlich direkter als im zweiten. Es sind Erfahrungen, die er als junger Schriftsteller in der DDR machte. Er hatte nach dem Abitur zunächst Philosophie studiert und lebte dann von i bis 1977 als freier Schriftsteller in Ostberlin. Als einer derjenigen, die gegen Wolf Biermanns Ausbürgerung protestiert hatten, ging er schließlich nach Westberlin, wo er jetzt wohnt. Die Vielschichtigkeit auch dieser Bücher ergibt sich daraus, daß sie außer den ideologisch verfestigten auch solche Vorurteile in Frage stellen, die bisweilen den Widerstand gegen die Zwänge motivieren. Dazu dient vor allem der subtile, meist zwiespältige Humor, der alle Romane und Erzählungen B.s auszeichnet.
      Es ist nicht leicht, die in diesem kritischen Prozeß mit jedem Werk neu ansetzende Selbstbefragung B.s mitzuvollziehen. Das hegt an den Verhältnissen, gegen die er die Absicht seines Erzählens zu behaupten sucht: als Katalysator in einem Prozeß der Erkenntnis zu wirken, die zum Handeln gegen das Zerstörerische in unserer Zeit Mut macht. Daß ihm dies immer schwerer fällt, zeigt besonders der bisher letzte und zugleich schwierigste Roman B.s, Aller Welt Freund .
      Wetzel, Heinz: »unvergleichlich gelungenen — aber >einfach zu schön


Becker, jurek

Jurek Becker hat in vielen Romanen die Erfahrungen seiner polnisch-jüdischen Kindheit und des Lebens in der DDR verarbeitet. Bereits sein ersteT Roman Jakob der Lügner über den Alltag im Warschauer Ghetto begründete seinen Erfolg weit über die Grenzen der DDR hinaus. BeckeT wuchs ab 1939 im Warscha .....
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Jurek becker: »jakob der lügner« (i969) - ein ghetto-roman

Mutspender Lüge Im Ghetto ist Jakob Heyms Radio zu sagenhafter Bekanntheit gekommen. Gerade hat er im Keller des Hauses seiner kleinen Pflegetochter, der Waise Lina, die unbedingt einmal das versteckte Radio hören wollte, in stetem Wechsel der Stimmlage das Interview eines Reporters mit dem briti .....
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Gedächtnislyriker im auge des orkans: jürgen becker (-i932)

I. Die Gedichte des am 10. Juli 1932 in Köln geborenen Jürgen Becker wirken wie die Partitur einer einzigen unendlichen Sprachmelodie. Vom 1971 publizierten Gedicht Fragment aus Rom bis zum Gedicht Unbekannte Pilze aus dem Jahre 2005 registrieren sie melancholisch und scheinbar ohne Gefühlsregung o .....
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Becker, jürgen

Das Fenster am Ende des Korridors Hinck, Walter. In: Frankfurter Anthologie 4, 1979, S. 229 - 232. Gedicht, sehr früh Hinck, Walter. In: Frankfurter Anthologie 1, 1976, S. 247 - 249. Behrendt, Martin. In: Lyrik, 1981, S. 87 - 93. Gedicht über Schnee im April Härtung, Harald. In: Frankfu .....
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Natur-gedicht - jürgen becker

In der Nähe des Hauses, der Kahlschlag, Kieshügel, Krater erinnern mich daran — nichts Neues; kaputte Natur, 5 aber ich vergesse das gern, solange ein Strauch steht. Bereits die Sperrung der beiden Nomen Natur und Gedicht statt der geläufigen Schreibweise Naturgedicht zeigt an, daß es sich nich .....
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Jürgen becker (geb. i932): natur-gedicht -erich fried (i92i-i988): gespräch über bäume

Vom Ende der Landschaftsmalerei Der Titel von Jürgen Beckers Gedichtsammlung aus dem Jahre 1974, Das Ende der Landschaftsmalerei, pointiert fast programmatisch ein Grundthema seiner Lyrik: das allmähliche Verschwinden der Voraussetzungen und des Gegenstandes von Naturlyrik. Selbst was man »Stadtl .....
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Becker, rolf und alexandra

auch unter dem Pseud.: Malcom F. Browne Biografie: *Rolf Becker 25.11.1923 in London, ^Alexandra Becker 10.7.1925, tl990. R. Becker wuchs in Erfurt auf und begann nach dem Krieg zu schreiben. Später arbeitete er als Aufnahmeleiter für verschiedene Filmproduktionen. Ab 1953 war er als freier Autor t .....
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Becker,  Jurek    





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