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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Aichinger, Ilse



Ein »zartes, vielgeliebtes Wunderkind« war - so erinnert sich der Kritiker Joachim Kaiser noch 1980 - A. für die Mitglieder der legendären Gruppe 47, als sie an deren Tagungen teilzunehmen begann und 1952 für die Spiegelgeschichte ihren Preis erhielt.



      Einer aus der Gruppe, der Lyriker und Hörspielautor Günter Eich, wurde A.s Mann. Von ihm, sagt sie nach seinem Tod, habe sie ein Engagement gelernt, das über das politische hinausging, »ein Engagement gegen das ganze Dasein überhaupt«. »Ich lasse mir die Welt nicht bieten«, hat sie es ein andermal formuliert und ihren Widerstand gegen politische Systeme, Macht und Machtträger immer schon verstanden »nur als Teil eines größeren Widerstandes, dem die Natur nicht natürlich erscheint, für den es den Satz >weil es so ist< nicht gibt«. Der so umfassend definierte Widerstand schließt ein Schreiben aus, das von einer vorgegebenen Welt und Wirklichkeit ausgeht und einem Programm oder einer Ideologie verpflichtet ist. Und zu keiner Zeit kommt für A. eines in Frage, das nicht den Widerstand in Sprache umsetzt und in ihr aufzeigt: »Sie ist, wenn sie da ist, das Engagement selbst«.
      »Ich gebrauchejetzt die besseren Wörter nicht mehr«, beginnt die Titelerzählung des Bandes Schlechte Wörter , die eine grimmig-melancholische Demonstration der poetischen Autonomie, ein Plädoyer für eine den Definitionen, Devisen, Konventionen entrissene Sprache ist. A. hat mehrere poetologische Texte geschrieben. , hat den Titel abgegeben für die Taschenbuchausgäbe der gesammelten Erzählungen, 1978; dann findet sich auch Der Querbalken, von Wolfgang Hildesheimer als ein Schlüsseltext der modernen deutschen Literatur interpretiert.) Sie berichten alle erzählerisch, keineswegs theoretisierend, vom schwierigen Umgang mit der Sprache und mit der Welt, die sich in ihr spiegelt.
      Ihr erstes Buch, den Roman Die größere Hoffnung , begann A. zu schreiben, um darüber zu berichten, »wie es war«. Sie hatte die Jahre des Kriegs und der Naziherrschaft in Wien verlebt und mußte als Halbjüdin ständig mit der Deportation rechnen. Diese dokumentarische Realität wird verwandelt in eine poetische. Einmal dadurch, daß A. weder den Schauplatz noch die Verfolger und die Opfer benennt. Vor allem aber durch eine kühne, expressive Bildersprache, die nicht nur mit der damals zur Wahrheitsfindung für unverzichtbar gehaltene »Kahlschlag «-Sprache nichts gemein hat, sondern auch innerhalb von A.s übrigem Werk einzigartig ist. Die Verwandlung überhöht oder schließt den realen Schrecken keineswegs aus, aber sie konfrontiert ihn radikal mit einer durch ihn nicht einzuholenden poetischen Gegenwelt. In dieser Gegenwelt lebt eine Gruppe verfolgter Kinder und Halbwüchsiger spielerisch und — buchstäblich! — spielend den Widerstand und die Verweigerung: Im Kapitel »Das große Spiel« führen sie ein Theaterstück auf; sie spielen es so intensiv, daß ein »Häscher« von der »Geheimen Polizei«, der die Kinder abholen soll, seinen Auftrag vergißt und sich in das Spiel einbeziehen läßt. Die fünfzehnjährige Ellen, die sich der Gruppe angeschlossen hat, obwohl sie »zwei falsche Großeltern zu wenig« habe, kommt dabei zu der Erkenntnis, daß die »große Hoffnung« — auf ein Ausreisevisum nämlich — zu wenig ist. »Nur wer sich selbst das Visum gibt..., frei«. Die »größere Hoffnung« aber richtet sie -während sie von einer explodierenden Granate zerrissen wird — auf eine neue Welt des Friedens und der Menschlichkeit.
      A.s einziger Roman, obwohl früh in seiner Bedeutung erkannt , sei trotzdem bis heute »ein Buch, das geduldig auf uns wartet«, meint Peter Härtling; der Erfolg von A.s frühen Erzählungen habe einer breiten Publikumsresonanz im Wege gestanden. Von Rezeption und Umfang her bilden die Erzählungen tatsächlich das Zentrum ihres Werks. Und manche davon sind Lesebuchklassiker geworden; von den früheren neben der Spiegelgeschichte vor allem Der Gefesselte, Die geöffnete Order, Das Fenstertheater, von den späteren Mein grüner Esel, Wo ich wohne oder Mein Vater aus Stroh. Hingegen sind A.s Hörspiele und die Dialoge und Szenen kaum zur Kenntnis genommen worden; in diesen Textgattungen ist A.s Poetik des Schweigens , der Leerräume und der ständigen Verlegung der Grenzen der Realität von Zeit und Raum besonders weit getrieben.
      Unterschiede zwischen dem früheren oder dem späteren Werk bestehen bei A. nach Die größere Hoffnung kaum. Das hat der mit dem Trakl- und dem Petrarca-Preis ausgezeichnete Lyrikband Verschenkter Rat nochmals bewußt gemacht. Zu Recht verrät keine chronologische Anordnung die bis zu fünfundzwanzig Jahre auseinanderliegende Entstehungszeit der Gedichte. Auch in ihnen wirft A. einen anderen Blick auf die Realität und läßt ihn sich nicht verstellen durch Ãœberlieferung und Ãœbereinkunft. Sachruf ist aus diesem freien Blick heraus entstanden und vermag in der Raum- und Zeitlosigkeit, in welche die vier kargen Imperative fallen, eine von allen Seiten abgestützte und abgesicherte Ordnung auf den Kopf zu stellen und ihre Hierarchien aufzulösen: »Gib mir den Mantel, Martin./aber geh erst vom Sattel/und laß dein Schwert, wo es ist,/gib mir den ganzen«.
      Kleiber, Carine: Ilse Aichinger. Leben und Werk. Bern 1984. Lorenz. Dagmar: Ilse Aichinger. Königstein Ts. 1981.

      Heinz F. Schafroth


Aichinger, ilse

Geb. 1.11.1921 in Wien Ein »zartes, vielgeliebtes Wunderkind« war - so erinnert sich der Kritiker Joachim Kaiser noch 1980 - A. für die Mitglieder der legendären Gruppe 47, als sie an deren Tagungen teilzunehmen begann und 1952 für die Spiegelgeschichte ihren Preis erhielt. Einer aus der Gruppe, d .....
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Ilse aichinger

Unter ähnlichen Voraussetzungen steht die Dichtung von Ilse Aichinger. Auch hier wird das 'Leiden am Ich" stilisiert. Es strömt sich nicht unmittelbar aus wie im Expressionist mus — das 'O Mensch" Franz Werfeis ist verpönt —, und doch liegt auch ihrer Dichtung ein Lebenszwiespalt zu= gründe, der .....
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Ilse aichinger das fenster-theater

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Aichinger lise

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äichinger, ilse

Abgezählt Neuroth, Vera. In: Sprache als Widerstand, 1992, S. 241 - 242. Anweisung Kopplin, Wolfgang. In: Beispiele, 1969, S. 16 - 19. Außer Landes Reichensperger, Richard. In: Materialien, 1990, S. 120 - 127. Baumzeichnen Neuroth, Vera. In: Sprache als Widerstand, 1992, S. 296 - 298 .....
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Burkert-sauer, ilse

Biografie: *8.1.1 in Ilshofen. I. Burkert-Sauer ist ausgebildetet Jugend- und Heimerzieherin, studierte bis 1991 Sozialpädagogik in Esslingen und arbeitete anschließend mehrere Jahre in der Gemeinwesenarbeit in Korn- westheim. Mit ihrer Familie lebt sie seit 1992 in Brackenheim, einer malerische .....
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Aichinger,  Ilse    





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