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Was ist ein Text?



Wer mit Texten umgeht, muss über die Fähigkeit verfügen, Texte von Nicht-Texten zu unterscheiden. Dies ist schwieriger, als es auf den ersten Blick scheint. Wir gehen zunächst von der Beobachtung aus, dassder Begriff «Text» in der Umgangssprache, obwohl er unterschiedlich gebraucht wird, kaum Missverständnisse auslöst. Ihn genau zu bestimmen, wirft dennoch Schwierigkeiten auf. So trifft man auf die Redensart , wenn ein unterbrochenes Spiel fortgesetzt werden soll. Wer von «Gesetzestext», «Bibeltext», «Zeitungstext» redet, denkt an schriftlich verfasste Mitteilungen auf Papier als Trägermaterial. Von welcher materiellen Qualität aber ist ein Text, wenn gesagt wird, eine Schauspielerin ? Ein paar Druckseiten, abgelesen und auswendig gelernt, von der Trägerschicht des Papiers gelöst und im Gedächtnis - in welch materieller Form auch immer - gespeichert, sind verschwunden. Sie können wieder zum Vorschein kommen. Wie kommt es zu der Redensart .



      Auch in der Textlinguistik ist der Begriff eher heiß umstritten denn klar definiert. Die ältere Textlinguistik betrachtet Texte als nach außen klar abgegrenzte und nach innen zusammenhängende sprachliche Einheiten, die eine bestimmte Form besitzen. Das entscheidende Kriterium für die-se Einheit heißt «Kohärenz». Da diese Kohärenz nicht rein grammatikalisch erfasst werden kann, ging man dazu über, den Text entweder als kommunikativ zu begreifen oder sich lapidar mit der Einsicht zu begnügen, Text sei, was im jeweiligen Zusammenhang Text genannt wird.
      Allerdings ist die Definition des Textes als kommunikative Einheit so lange vage, wie Kommunikation nach dem Modell vom Sender und Empfänger gedacht wird und man den Text nur als Zeichen-Behälter für Informationen versteht. In der jüngsten Textlinguistik werden Texte auch als «Konstitutionsformen von Wissen» bezeichnet : Texte repräsentieren nicht einfach Kenntnis, die schon zuvor und textunabhängig vorhanden ist, sondern tragen zur Herstellung von Wissen bei.
      Die Voraussetzung für eine Definition wird durch die elektronischen Speichermedien und ihre noch komplizierter. Aus welchem Material besteht ein Bildschirmtext, was hebt ihn ab von der gedruckten Buchseite? Worin unterscheiden sich ihre Lektüren? Ein Buch wird nach der Lektüre zugeschlagen, ins Regal gestellt oder in die Bibliothek gebracht - was ist der Zustand eines Textes, der, gespeichert oder nicht gespeichert, den Bildschirm verlässt? Wie lange bewahren die Festplatte des Computers oder der Server elektromagnetische Zustände?
Die Frage, was für ein Ding der Text ist, führt in Problemfelder, die nicht nur von Linguistik und Literaturwissenschaft, sondern auch von Informatik, Gedächtnisforschung und Medientheorie bearbeitet werden. Dennoch sei eine Begriffsbestimmung versucht:
Ein Text ist eine in gewisser Weise abgegrenzte und in gewissem Maße geschlossen rezipierbare, in einer natürlichen oder künstlichen Sprache gefasste mündliche, schriftliche oder in einem elektronischen Medium gespeicherte Äußerung, die gegebene Bedeutung mitteilt und/oder neue Bedeutung erzeugt.
      Wenden wir diese Definition an, können wir je nach Bedarf sowohl das Einzelgedicht Gegen Verführung als auch den es enthaltenden Gedichtzyklus Die Hauspostille und schließlich auch das Gesamtwerk von Brecht als einen Text bestimmen.
     

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