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Vers und Strophen als Konstituenten von Ã"quivalenz



«Vers» kommt von lateinisch vertere, vom Wenden des Pflugs beim Pflügen. Parallel wie die Furchen im Acker liegen die Verse im Gedicht. Anders als die oben zitierten Gedichte von Plath und Gernhardt, die den
Vers mit der syntaktischen Struktur zur Deckung bringen, indem sie den Satz am Versschluss beenden, umspielt Ingeborg Bachmanns Gedicht Alle Tage das Versende durch Enjambement. Die voraussehbare Struktur des Verses wird durch Inkongruenz von Syntax und metrischer Struktur durchbrochen; in diesem Bruch wird das Außerordentliche, das Ungesetzliche, das «Unerhörte» des unerklärten Krieges hörbar:



Der Krieg wird nicht mehr erklärt, sondern fortgesetzt. Das Unerhörte ist alltäglich geworden. Der Held bleibt den Kämpfen fern. Der Schwache ist in die Feuerzonen gerückt. Die Uniform des Tages ist die Geduld, die Auszeichnung der armselige Stern der Hoffnung über dem Herzen.
      Ingeborg Bachmanns Gedicht Reigen bildet die Strophe -anders als das oben zitierte Rilke-Gedicht - nicht so sehr kraft des Parallelismus reimender Verse wie durch die vom Titelwort «Reigen» angekündigte Kreisform. Das Regelmaß des Reims ist vom Schlusswort «manchmal» des ersten Verses erschüttert. Mit seiner zwischen Einmaligkeit und stetiger Wiederkehr fluktuierenden Bedeutung versagt es sich dem Regelmaß des Verses und - der Liebe. Der Ersatzreim «Reigen - eignen» kann den Kreistanz nur notdürftig flicken; das Endwort «hinein» reimt gerade nicht mit dem Anfangswort «Reigen» und stellt so dem semantisch evozierten visuellen Verlöschen wahrnehmbares akustisches Verklingen zur Seite:
Reigen - die Liebe hält manchmal im Löschen der Augen ein, und wir sehen in ihre eignen erloschenen Augen hinein.
      In ihrer Anrufung des großen Bären hat Ingeborg Bachmann den Strophenkanon durch wechselnde Verszahl dann ebenso durchlöchert wie in den eingangs zitierten Gedichten Paul Celan.
     

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