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Aus der Geschichte der Hermeneutik



Der Grundmythos der Hermeneutik beruft sich auf Hermes, jenen Götterboten, der die Botschaften der Unsterblichen aus der Sprache der Götter in die der Sterblichen, der Menschen, übersetzte. Hermeneia ist im Griechischen zunächst die Fähigkeit, sich auszudrücken, dann auch die Ausdrucksweise und schließlich die Auslegekunst.
      Der Auslegung bedurften bei den Griechen zunächst die Orakelsprüche, in denen die Götter den Menschen Warnungen und Ermahnungen erteilten oder einfach Voraussagen mitteilten. Solche Weissagungen, wie sie Pythia, in Trance über einem Erdspalt sitzend, zu Delphi ausstieß, waren in aller Regel nicht ohne weiteres verständlich. Im göttlichen Orakel waren Rede und Botschaft noch ungetrennt, in der Deutung des Sehers erst wurde der Spruch zum Gegenstand des Verstehens .
      Als Deutungslehre ist die Hermeneutik in der abendländischen Antike ein Kind der griechischen Philosophie. Im Buch Ãober die Hermeneutik hat Aristoteles zwar eher eine logische Grammatik denn eine Deutungslehre geboten, aber er stellte eingangs auch eine Zeichentheorie, eine Semiotik, auf. Gesprochenes und geschriebenes Wort symbolisieren demnach «seelische Wiederfährnisse», das heißt Gedanken und Eindrücke . Piaton dagegen schließt im Kratylos von der Struktur der Sprache auf die Bauformen des Denkens. Damit trat ein Gegensatz zutage, der die europäische Kultur von der Antike bis in die jüngste Sprachphilosophie nicht losgelassen hat. Entweder bestimmt das Denken das Sprechen, so Aristoteles, oder es prägt das Sprechen das Denken. So Piaton.
     

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