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Filmprojekt und Verfilmung
Brecht war auch ein äußerst produktiver Filmautor. Die beiden Ergänzungsbände zur Suhrkamp-Werkausgabe Texte für Filme I-II enthalten fünf Drehbücher, sechsundzwanzig Exposes und zahlreiche Entwürfe und Skizzen. Dabei handelt es sich aber nur um eine Auswahl.
Schon 1922 schrieb Brecht gemeinsam mit Arnolt Bronnen für ein Preisausschreiben eine Stummfilmskizze mit dem Titel 'Robinsonade auf Assuncion". In einer völlig entstellten Form und unter dem Schnulzentitel Insel der Tränen wurde die Fabel sogar verfilmt, wie Bronnen berichtet.
Im Vergleich mit dem Theater sah Brecht schon früh den Film als das bedeutendere und chancenreichere Medium. Er konstatierte 'die geschlossene Abwanderung der besseren Elemente zum Kino und der besten zum Boxkampf" .m
Ausgeführt wurden nur ganz wenige der vielen Filmentwürfe Brechts. Gegen manche Verfilmungen hatte er Einwendungen. Er führte bekanntlich einen langen, letzten Endes vergeblichen Prozeß gegen eine Filmgesellschaft, um die Aufführung des Dreigro-schenoper-Films mit Carola Neher und Rudolf Forster zu verbieten . Drehbuch und Inszenierung waren nicht nach seinem Geschmack. Auch gegen die Realisierung seines Hollywood-Films Hangmen also die, der das Prager Attentat gegen Heydrich zum Thema hatte , erhob er Einspruch, weil man sein Drehbuch geändert hatte. Der einzige Film, der konsequent nach seinen Vorstellungen gedreht wurde, war Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt , der im Berliner Arbeitslosenmilieu in der Wirtschaftskrise der frühen dreißiger Jahre spielt. Er klingt in den bekannten Solidaritäts-Song aus: 'Vorwärts, und nicht vergessen die Solidarität!"
In Zusammenarbeit mit Emil Burri, dem Freund und Mitarbeiter aus früherer Zeit, und mit dem Filmregisseur Wolfgang Staudte entstand von 1951 bis 1955 in vier immer wieder geänderten Fassungen ein Drehbuch zur Mutter Courage. Die im Sommer 1955 aufgenommenen Dreharbeiten wurden wieder eingestellt, da Brecht sich mit der DEFA über die Realisierung des Films nichteinig wurde.
Der Entwurf ist interessant und enthält die inhaltliche Erweiterung und weitgehende Umarbeitung des Theaterstücks, teils im Hinblick auf filmische, teils aber auch auf politische Wirkungen. Diesen Wirkungsabsichten hat Brecht offenbar dabei seine epischen Stilprinzipien zum Opfer gebracht.
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