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Die Verfilmung von I960



Der Courage-Film, der dann schließlich gedreht wurde, vier Jahre nach Brechts Tod, ist nach eigenem Bekunden seiner Autoren Manfred Wekwerth und Peter Palitzsch eine Dokumentarverfil-mung der Theaterinszenierung des 'Berliner Ensembles". Eine Übersetzung in die spezifischen Ausdrucksformen des anderen Mediums wurde dabei nur sehr vorsichtig versucht.
      Diese Form der Produktion war noch von Brecht selbst mit der DEFA vereinbart worden. Nach dem Scheitern des groß angeleg-ten Courage-Films war das sozusagen ein Minimalkonsens, gleichzeitig der Endpunkt einer ständigen Reduktion der DEFA-Pläne. Anfangs, 1951, hatte man an eine internationale Starbesetzung gedacht, mit Anna Magnani und unter den Regisseuren Luchino Visconti und Giuseppe de Santis. Der bewährte UFA- und DEFA-Autor Robert A. Stemmle hatte ein Drehbuch geschrieben, das Brecht ablehnte. Bei Beginn der Dreharbeiten nach seinem eigenen Drehbuch 1955 war von den Stars nur Simone Signoret übrig geblieben; im übrigen hatte Brecht seine Besetzung aus dem 'Berliner Ensemble" durchgesetzt. Mit dem Regisseur Wolfgang Staudte zerstritt er sich dann über regiemäßige Details. Auch konnte er sich mit den grellen Wirkungen des modernen Farbfilms nicht abfinden. Ihm schwebten Bilder im Stil alter Daguerreotypien vor. Eine verfilmte Theateraufführung indessen barg für die Filmfunktionäre kein Risiko. Die Inszenierungen von 1949 und 1951 waren von Brecht und Engel so genau durchmodelliert, daß es keine Überraschungen geben konnte.
      Die Ausführung des Projekts lag nicht mehr in Brechts Händen. Seine 'Erben" Wekwerth und Palitzsch schrieben 1960 das Drehbuch und führten Regie. Die Uraufführung erfolgte am 10.2. 1961.
      Der Film gilt als ästhetischer Zwitter. Obwohl im Atelier gedreht wurde, spielte man auf eine imaginäre Rampe hin, nicht auf die Kamera. Die Drehscheibe, über die der Planwagen rollt, ist deutlich erkennbar, wie im Theater. Die Schnitte markieren hart die szenischen Zäsuren.
      Mitunter aber springt die Darstellung weg von der Totaleinstellung auf die 'Rampe" zu Großaufnahmen und Szenen im freien Raum. Die Kamera richtet sich mehrmals ausschnitthaft auf die energische Geste, mit der die Courage ihre Geldtasche zuklappt. Wolfgang Gersch weist besonders auf den Kontrast der Schlußszene zum durchgängigen Dokumentationsstil des Films hin: Der Courage-Wagen verliert sich 'höchst eindrucksvoll in die Weite einer Schneelandschaft". Das aber ist ein Vermächtnis Brechts aus dem Drehbuch von 1955, in dem Brecht am Ende den Planwagen durch eine graue Ebene 'ins Leere" ziehen läßt, ein Symbol der Sinnlosigkeit dieser Fahrt.

     
Wekwerth/Palitzsch rechtfertigen ihren bühnenhaften Inszenierungsstil im wesentlichen mit Brechts Anweisungen im Courage-Modell. Der Brecht-Stil mußte gewahrt bleiben. Das Motiv des ewig rollenden Wagens, an dem man den Gang der Geschäfte am einmal reinlichen, einmal zerschlissenen Zustand der Plane ablesen kann, wurde symbolisch noch überhöht. 'Wo im Theater der Vorhang zugeht, läßt der Film unaufhörlich und unermüdlich und unbelehrbar den Wagen rollen, dessen Anhängsel die Menschen werden, die ihn ziehen." Die Einblendung von Jacques Callots Kupferstichen aus der Serie Schrecken des Krieges in das unaufhörliche Wagenrollen ist eine originale Verfremdungsidee von Wekwerth/Palitzsch.
      Sonst aber sind die Abweichungen von der Bühneninszenierung gering, obwohl die Autoren versichern, sie hätten keine 'archivarische Konserve" drehen wollen. Vielleicht hätten sie aber etwas beherzter von dem Rat ihres Meisters Gebrauch machen sollen: 'Zwischen dem Theaterstück und dem Film soll schon ein Unterschied sein."

  

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