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Die skandinavischen Länder



'Ich habe mein Stück ganz bewußt für Skandinavien geschrieben"165, erinnert sich Brecht 1953. 'Beim Schreiben stellte ich mir vor, daß die Warnung des Stückeschreibers von den Bühnen einiger großer Städte gehört werden könnte." Die Warnung richtete sich speziell an dänische und schwedische Neutralitätspolitiker, die darauf spekulierten, sich durch Lieferung von Nahrungsmitteln und Eisenerzen mit Hitler zu arrangieren. Die Courage, die dem Irrtum erliegt, sie könne 'durch Anpassung und Vermeiden von Unvorsichtigkeiten ganz gut mit dem Krieg leben"167, sollte zeigen, daß dieser Weg ins Verderben führt. Brechts politischer Aufklärungsoptimismus war noch ungebrochen. Am 19. 12. 1940 notierte er hoffnungsvoll: 'das schwedische theater hier interessiert sich für eine mutter courage - aufführung ". Daraus wurde nichts, trotz der Vermittlung der befreundeten Schauspielerin Naima Wifstrand, die Brecht mit der 'Lotta Svärd"-Ballade bekannt gemacht hatte. So wurde der unmittelbare Adressat des Stückes nicht erreicht. 'Die Schriftsteller können nicht so schnell schreiben, wie die Regierungen Kriege vom Zaun brechen f.. .] Mutter Courage kam zu spät."16il
Nicht zu spät kamen zwei kleine politische Agitationsstücke, die Einakter Dansen und Was kostet das Eisen}. Es sind possenhafte Parabeln, deren Figuren - Herr Dansen , Herr Svendson , Frau Gall, Herr Britt und Frau Tschek -leicht als nationale Personifikationen zu entschlüsseln sind, ebenso wie der unheimliche Kunde, der mit seinen Forderungen immer erpresserischer wird und zum Schluß mit der Maschinenpistole droht. Die Ergänzung des Ensembles durch einen Herrn Nordsen, Händler mit Heringen und Segeltuch, blieb Fragment.
      Die Aufführung durch ein schwedisches Laienensemble in Stockholm im August 1939 war nicht nur politisch, sondern auch theaterhistorisch interessant. In einem plakativ karikierenden Inszenierungsstil vollzog sich ein 'handfestes Kasperletheater mit Gruseleffekten". Der Eisenhändler trug eine Perücke mit Haa-ren, die sich sträuben konnten, andere Schauspieler trugen unförmige Pappmache-Köpfe und lange Clownsschuhe, mit denen sie nur watscheln konnten, und übergroße Zigarren. Brecht fand hier im schwedischen Exil zu seiner frühen Maskenkunst im Valentin-Stil zurück.
      Nach Notizen der Brecht-Mitarbeiterin Margarete Steffin soll die Mutter Courage fast unmittelbar im Anschluß an die Aufführung von Was kostet das Eisen entstanden sein, und zwar in der unglaublich kurzen Zeit von weniger als sechs Wochen. Schräg über den Schreibraum ihres Notizkalenders hat Margarete Steffin jeweils eingetragen: 27.-29. September 1939: 'brecht hat mutter courage angefangen". 29. Oktober-3. November 1939: 'mutter courage fertig". Dagegen steht Brechts Rückerinnerung von 1953, er habe Mutter Courage vor dem Zweiten Weltkrieg 'unter dem fünischen Strohdach", also noch im dänischen Skovbostrand, nicht auf der schwedischen Insel Lidingö, geschrieben. Auch sind Vorstudien und Entwürfe schon für 1938 belegt. Die Notizen von Marg arete Steffin beziehen sich demnach offenbar nur auf die endgültige Niederschrift.
      Im Bühnenmanuskript für die Züricher Uraufführung erschien die Figur der Courage, wie oben gezeigt, in einem milderen Licht als in der 1949er Fassung. Daß das Züricher Publikum das Stück nicht als politisches Aufklärungstheater verstanden hatte, führte Brecht einerseits auf den Inszenierungsstil von Leopold Lindtberg, andererseits auf eigene Fehler bei der Modellierung der Situationen zurück.
     

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