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Der Dramatiker im Exil
Es gab Aufführungen von Brecht-Stücken auch nach 1933. Das Ballett Die sieben Todsünden der Kleinbürger mit der Musik von Kurt Weill kam 1933 in Paris heraus; ebenfalls dort, aus Anlaß des spanischen Bürgerkrieges, Die Gewehre der Frau Carrar und 1938 einige Szenen aus Furcht und Elend des Dritten Reiches. Ernst Josef Anfrichts französischsprachige Fassung der Dreigroschenoper, die 1937 in einem Pariser Boulevardtheater aufgeführt wurde, konnte den Berliner Erfolg nicht wiederholen. Im übrigen gab es dänische und schwedische Arbeiter- und Studentenbühnen, die Brecht-Stücke als antifaschistisches Agitationstheater spielten. Mit einem New Yorker Ensemble, das 1935 Die Mutter herausbrachte, zerstritt sich Brecht über die epische Aufführungspraxis, auf die sich die in ihrer Routine verharrenden amerikanischen Schauspieler nicht einlassen wollten.
Brecht wäre zum Insider-Autor für Emigrantenzirkel geworden, wenn nicht die eine große deutschsprachige Bühne ihm treu geblieben wäre: das Züricher Schauspielhaus. Es hatte damals deutsche Schauspieler-Emigranten in sein Ensemble aufgenommen wie Wolfgang Langhoff, Leonhard Steckel und Therese Giehse. Von 1941 bis 1943 gab es hier drei Brecht-Uraufführungen: Mutter Courage, Der gute Mensch von Sezuan und Das Leben des Galilei. Da es aber zwischen Deutschland und der Schweiz im Krieg kaum einen Informationsfluß gab, erinnerte man sich bei Brechts Rückkehr nach Europa 1948 nur an den Erfolgsautor der Dreigroschenoper und an seine skandalträchtige Theaterpraxis der zwanziger Jahre. Die großen Dramen der Exilzeit, von Mutter Courage bis zum Kaukasischen Kreidekreis, waren ja noch nicht einmal gedruckt erschienen. Man wußte nicht, daß sich Brechts Bühnensprache unterdessen zu einer modernen Klassizität und seine epische Dramaturgie zur Reife entwickelt hatten. Brecht wurde nach dem Krieg zu einer literarischen Neuentdeckung.
Dabei hatten viele seiner neuen Stücke einen aktuellen politischen Bezug, der unterdessen schon wieder obsolet war. Das gilt auch für die Mutter Courage. Als 'Rufer in den Wind" empfand sich Brecht, als er das Stück schrieb. 'Uneingestanden spricht man weiter zu denen zuhause, die gar nicht mehr hören können."
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