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Provokateure und Jodler



Kaum waren die ersten zwei Bände der Zeitschrift >Athe-näum< erschienen , da wurden schon ärgerliche Stimmen laut, die man immer zu hören bekommt, wenn die Kunst neue Wege beschreitet. Den Mitarbeitern der Zeitschrift, jungen, ironisch-melancholischen Schriftstellern, die - der Vollendung der Klassik überdrüssig -nach der Unendlichkeit strebten, hat man kurzerhand vorgeworfen, ihre Arbeiten seien ganz und gar unverständlich. Einer von ihnen, der achtundzwanzig Jahre alte Friedrich Schlegel, schrieb daher für den Dritten Band des >Athenäum< einen Aufsatz >Ãober die UnverständlichkeitWar-ten aufGodot< reizt den Sinn. Die Entstellung des Menschen in der modernen Literatur dient seiner Dar-stellung. Der junge Friedrich Schlegel hat es gewußt, denn er erkannte das uralte Grundprinzip: Kunst ist Provokation.

      Der angeführte Satz aus dem Jahre 1800 macht zugleich diewesentlichste Ursache des Untergangs der Kunst in der heutigen Welt zwischen der Elbe und dem Gelben Meer deutlich. Nach Ansicht der dortigen Machthaber ist der Schriftsteller keineswegs dazu da, »alle höchsten Wahrheiten jeder Art«, so trivial sie auch sein mögen, »immer neu, und womöglich immer paradoxer auszudrücken«. Er darf seine Umwelt weder durch den Inhalt noch die Form seines Werks provozieren. Was soll er also ? Zu dieser Frage hat sich ein Autor geäußert, der sowohl den Kommunismus als auch die Literatur gut kannte: »Der Dichter ist auch ein Mensch, zunächst und vor allem, sollte man meinen, aber manche Leute wollen diese >menschliche Tatsache < nicht wahrhaben. Sie wünschen zwar, daß der Dichter ein menschenähnliches Wesen sei, aber gewisse menschliche Eigenschaften entweder nicht besitze oder sie nicht zum Ausdruck bringe. So soll er nach dem Bild dieser Leute weder traurig noch gar verzweifelt sein, er soll lieben, aber mit Maß, verheiratet sein und brave Kinder zeugen. Vor allem er selbst soll brav sein und bieder womöglich, höflich und zuvorkommend, Bedürfnisse befriedigen, Befehle erfüllen, das Denken anderen überlassen und das Denken dieser anderen eben poetisch illustrieren. Ein Illustrator also vor allem habe der Dichter zu sein, wünschen diese Leute, und ein Jodler. Aber der Dichter ist nun mal ein Mensch, >leider Das poetische Prinzip < von Johannes R. Becher. Das Buch erschien im Ostberliner Aufbau-Verlag -freilich nicht im Jahre 1961, sondern 1957.
     

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