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Literaturpreise in der Bundesrepublik



Ein »wunderbar florierender Literaturbetrieb« - meinte der Feuilletonchef der >WeltDie Welt< im frostigen Dezember aus dieser Erkenntnis ? Was tut das Blatt angesichts der Inflation der literarischen Ehrungen? Es stiftet noch einen Preis: fünfzehntausend Mark für ein Buch, das zwar nicht als Jugendbuch geschrieben wurde, aber von den Sechzehn- bis Zwanzigjährigen gelesen werden sollte. Wann hat >Die Welt< eigentlich recht? Wenn sie über die »Fülle von Preisen« klagt oder wenn sie diese angebliche Fülle noch vergrößert?

Das >Kleine literarische Lexikon < behauptet, es gebe in den deutschsprachigen Ländern etwa einhundertzwanzig Literaturpreise. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels kennt in der Bundesrepublik achtundfünfzig Preise, in Fischers Welt-Almanach , und sie haben trotzdem einen beträchtlichen Einfluß auf das ganze literarische Leben. Dies könnte in einem gewissen Umfang auch in Deutschland der Fall sein, wenn es den Preisen, die meist erst seit kurzer Zeit bestehen, gelänge, sich Ansehen zu verschaffen. Dazu freilich ist zunächst einmal nötig, daß die Jurys vernünftiger als bisher zusammengesetzt werden. Man sollte endlich auf die würdigen Literaturprofessoren verzichten, deren letztes literarisches Erlebnis >Die Majorin< von Wiechert war; auf die »namhaften« Schriftsteller, die einst Hitler gerühmt haben und es jetzt den Jungen nicht verzeihen können, daß sie nie in der NSDAP waren; auf die Geistlichen, die eine Beschreibung des Beischlafs für empörend halten; auf die Funktionäre, die nicht nur jenseits der Elbe die Literatur beeinflussen wollen. Viele Entscheidungen derartiger Jurys haben dazu geführt, daß - wie Ramseger im eingangs zitierten Artikel treffend betonte - ein französischer Literaturpreis für die Propagandaeines Buches in Deutschland oft mehr als eine einheimische Ehrung bedeutet. Nur dem Preis der Stadt Bremen gelang es vor zwei Jahren, auf den Absatz der >Blechtrommel< einen gewissen Einfluß auszuüben - aber dieser Preis wurde dem Roman von Günter Grass nicht verliehen, sondern verweigert.
      Der Fehler steckt also nicht in der Zahl der in der Bundesrepublik bestehenden Preise, die gar nicht so groß ist, wie manche behaupten, sondern in ihrer Qualität. Nur wenige Preise kann man ernst nehmen. Wir wollen hoffen, daß der Preis der >Welt

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Literaturpreise  der  Bundesrepublik    





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