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Voraussetzungen und grundfragen der literaturwissenschaft

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Philosophen und Phantome



Wer sich aus »Lust am Text« ins Studium der Literaturwissenschaft stürzt, wird häufig den Eindruck gewinnen, daß sie eigentlich von Gott und der Welt handelt, von Sprechakttheorien und Subjektmodellen, Kastrationswunden und Dezentrierung, von Mythos und Mystik. Ãober alle >Methoden Poetik; und der Bezirk dessen, was zu den literaturwissenschaftlichen »Grundfragen« gehört , hat sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in zunehmender Beschleunigung erweitert und ausdifferenziert - mit sprachanalytischen Fiktiona-litätstheorien, mit strukturalen Modellen der Sprach-, dann Literatur- und schließlich überhaupt der Kulturwissenschaften und anderen Konzepten, die herkömmliche Fächergrenzen überschreiten, wenn nicht auflösen. Mit den in vieler Hinsicht vergleichbaren Ausdifferenzierungen der Selbstreflexion in anderen Grundproblemen fragt, betreibt auch dann keine Literaturwissenschaft, wenn er fallweise literarische Texte als Belege heranzieht. Daß die Literaturwissenschaft zur Hilfswissenschaft für Nachbardisziplinen werden kann und soll , muß ja nicht dazu führen, daß sie sich von ihnen einverleiben läßt.

      Diese Affinität des Faches zu den großen Theorien hat sich in seiner Geschichte zuweilen, von den Anfängen der Hermeneutik bis zur Diskursanalyse, als philosophisch wie literaturwissenschaftlich höchst produktiv erwiesen, nicht selten aber auch als schiere Ideologieanfälligkeit. Gegen das Bestreben, in den Texten möglichst genau das wiederzufinden, was als vorgewußte Wahrheit nur bestätigt, aber nicht mehr befragt werden soll, kann eine programmatische Aufmerksamkeit für die Texte in ihrer Besonderheit und Einzigkeit zwar nicht immunisieren, aber doch die Abwehrkräfte stärken. Die Vorstellung andererseits, daß es eine schlechterdings >ideologiefreie< Literaturwissenschaft geben könnte, gehört wohl ebenso ins Reich der Phantome wie die von einer >theoriefreien< Analyse. Gerade die originellsten Beiträge neuerer marxistischer Theoretiker wie Terry Eagleton oder Fredric Jameson haben gezeigt, wie erhellend die Reflexion ideologischer Prämissen sein kann, wenn sie offengelegt und zur Diskussion gestellt werden .
     

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Philosophen  Phantome    




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