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Von der romantik zum realismus

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Wilhelm Raabe (I83I-I9I0),



der über den Beruf eines Buchhändlers und nach verspätetem Studium in Berlin zur Dichtung kam. Im Gegensatz zu Storm und Keller hat Raabe niemals eine große Lesergemeinde gefunden. Raabes Vorliebe für Menschen,
'die hinter der Hecke liegen gelassen worden sind", für das Unauffällige, Anspruchslose seiner "Welt, die von einem ähnlichen Ideal getragen wird wie diejenige Stifters, nämlich von unauffälliger Arbeit, Pflichterfüllung und verzichtender Liebe, brachte ihn in einer Zeit des bürgerlichen Ehrgeizes und bürgerlicher Entfaltung nicht den verdienten Erfolg ein. Das Interesse für das Beschauliche war den Zeitgenossen fremd, noch fremder der eigenwillige Stil des Dichters, der mit seinem wuchernden Durcheinander von Wahrheit, Traum, Dialog, Illusion und Reflexion an Jean Paul erinnert.

      Nach seinem ersten Erfolg mit dem Roman 'Die Chronik der Sperlingsgasse" wandte sich Raabe der Geschichtserzählung zu, wie 'Des Reiches Krone", 'Die schwarze Galeere", 'Else von der Tanne" und 'Das Od-feld", worin er Episoden aus der Hussitenzeit, aus dem Freiheitskampf der Niederländer, dem Dreißigjährigen und dem Siebenjährigen Krieg behandelte. Mit dem Roman 'Die Leute aus dem Walde" gelingt ihm sein erstes Meisterwerk, dem dann seine drei bedeutendsten Romane folgen: 'Der Hungerpastor" , 'AbuTelfan" und 'DerSchüdderump" .
      'Der Schüdderump" ist ein alter Leichenkarren aus der Pestzeit, der die Leichen auskippt, ohne daß der Totengräber sie berühren muß. Er wird Raabe zum Symbol für Welt und Leben: Mann und Weib, ob bedeutend oder unbedeutend, gehen den Weg alles Irdischen, mögen sie nun reich oder arm, glücklich oder unglücklich gewesen sein; im Pestgrab liegen sie alle beisammen. Wahres Glück aber kennen nur die Entsagenden, wie Hans Unwirsch, der Hungerpastor, der nach den bitteren Enttäuschungen, in die ihn sein Welt- und Bildungshunger getrieben hat, auf seiner Hungerpfarre sitzt und der Arbeit und tätiger Liebe lebt und dadurch innerlidi froh und frei wird.
      Erst im Alter hat Raabe seine Welt- und Menschenfeindlichkeit durch einen feinen Humor in der Art Jean Pauls zu überwinden vermocht. 1876 schrieb er seinen köstlichen 'Horacker" und 1896 'Die Akten des Vogelsangs". Sein 'Stopfkuchen - eine See- und Mordgeschichte" läßt den menschenscheuen Einzelgänger Heinrich Schaumann, genannt Stopfkuchen, zum Retter eines unter Mordverdacht stehenden Bauern werden. Der Glaube an den inneren Reichtum des Menschen hat gesiegt. Raabe selbst nannte diesen Roman sein bestes und subjektivstes Werk.
     

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Wilhelm  Raabe  (I83I-I9I0),    





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