Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Von der romantik zum realismus

Index
» Von der romantik zum realismus
» Jeremias Gotthelf (Albert Bitzius, I797-I854)

Jeremias Gotthelf (Albert Bitzius, I797-I854)



wurde als Sprößling einer altbernischen Familie im Pfarrhaus zu Murten geboren und starb als Pfarrer zu Lützelflüh am 22. Oktober 1854. Jahrzehntelang lebte Gotthelf im Schatten seines Landsmannes Gottfried Keller, ehe er die Würdigung fand, die er verdiente. Keller selbst hat ihn, bei aller Gegensätzlichkeit der Weltanschauung und des Charakters, als 'das größte epische Talent" gefeiert, 'welches seit langer Zeit und für lange Zeit lebte", und ihm bezeugt, daß seine tiefe und großartige Einfachheit so ursprünglich sei, 'daß sie an das gebärende und maßgebende Altertum der Poesie erinnert, an die Dichter anderer Jahrtausende".

      Ohne jegliche literarische Zielsetzung und ästhetische Absicht entstand das Werk des Pfarrers Bitzius aus der eifernden Sorge seines Seelsorgertums inmitten der bäuerlichen Welt, der er selbst entstammte. Wie jeder Volksschriftsteller geht er auf moralische Erschütterung aus; auch als Schriftsteller bleibt er Prediger. Was ihm aber die Größe gibt, ist jene gewaltige mythenbildende Kraft, wie sie aus den alten Völkern gebrochen war und zum erstenmal Erde und Himmel mit den Gestalten der dichterischen Phantasie belebt hatte. Diese Urkraft der Dichtung ist in ihm so groß, daß er aus dem
Bauernspiegel seines Werkes einen Weltspiegel entstehen läßt, ohne es zu wollen. Dieser bäuerliche Mythus ist das zeitlos Gültige an dieser Dichtung.
      Seinen Dichternamen wählte Bitzius nach dem Helden seines ersten Buches 'Der Bauernspiegel oder die Lebensgeschichte des Jeremias Gotthelf" . In dem festumgrenzten Bezirk dieses Motivkreises blieben alle seine Romane und Erzählungen . Sie alle dienen der Ãoberzeugung, daß im Bauerntum die natürlichen Grundfesten von Volk und Staat liegen und der einzige Rückhalt sind gegen den liberalen Zeitgeist und seine Folgen, gegen Glaubenslosigkeit, Materialismus, Verstädterung und Entwurzelung. In der patriarchalischen Ordnung, in der die sozialen Gegensätze überwunden werden, erblickt Gotthelf den natürlichen Weg zu Menschenglück und Menschheitsfrieden. Zu ihr arbeiten sich alle seine bäuerlichen 'Helden" hindurch. Aus Uli, dem Knecht, wird Uli, der Pächter, nachdem das Leben ihn in harte Zucht genommen und er sich des Beistandes der armen, aber tüchtigen Vreneli versichert hat. Die Schweizer Landschaft aber bildet den natürlichen Hintergrund zu allen Geschehnissen, die Menschen und Natur in überzeugender Notwendigkeit miteinander verknüpfen.
      Zu den bekanntesten Erzählungen des Dichters gehören 'Elsie, die seltsame Magd" , eine tragische Geschichte aus der Franzosenzeit 1796, und vor allem die mythisch-eindrucksvolle Geschichte 'Die schwarze Spinne". Bei einer heiteren Tauffeier erzählt der Großvater die unheimliche Sage von der schwarzen Spinne, die einen nicht eingehaltenen Pakt mit dem Teufel rächt, indem sie jedem Lebewesen, das sie berührt, den Tod bringt. Erst als ein opferbereiter, gläubiger Mensch sein Leben hingibt, kann die dämonische Gewalt des Untieres gebannt werden.
      Was bei Gotthelf genialer Urtrieb und künstlerischer Instinkt war, das sorglose, fast blinde Hineingreifen ins Volle seiner Menschenschicksale, wurde bei dem Züricher

 Tags:
Jeremias  Gotthelf  (Albert  Bitzius,  I797-I854)    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com