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Von der romantik zum realismus

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Heinrich Heine (I797-I856),



paßt nicht in den engen Rahmen, der durch den Begriff 'Junges Deutschland" gegeben ist. Schon auf Grund seines Alters, seiner Herkunft und Bildung steht Heine mit seinem Werk zwischen Romantik und Realismus und zugleich isoliert in der Eigenwilligkeit seiner Persönlichkeit. Er ist aber auch der einzige unter den Jungdeutschen, der den Namen eines echten Dich-ters-verdient; er ist zugleich ein ungemein scharfer Kritiker, der die Stärken, vor allem aber die Schwächen des deutschen Wesens genau kennt und mit ätzender Ironie angreift, wenn er es für notwendig hält. Frankreich schätzt Heine heute noch nach Goethe und E. T. A. Hoffmann als bedeutendsten deutschen Dichter.

      Heine wurde als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Düsseldorf geboren, aber in einem katholischen Gymnasium erzogen. Auf Wunsch seiner Familie trat er in die kaufmännische Lehre ein, später in das Bankhaus seines Onkels Salomon Heine in Hamburg, um aber bald zum Studium der Rechte überzuwechseln. In Bonn kam er durch die Vorlesungen August Wilhelm Schlegels mit der romantischen Philosophie und Dichtung in Berührung. Der Verkehr im Kreise von Rahel Varnhagen in Berlin bestimmte ihn vollends zum Schriftstellertum. 1831 übersiedelte er nach Paris, zuerst durch eine Jahresrente, später durch einen Ehrensold der französischen Regierung unterstützt. Im Verkehr mit den deutschen Emigranten und mit Karl Marx entwickelte Heine eine umfangreiche journalistische Tätigkeit, die ihm die Rückkehr in die Heimat unmöglich machte. Der Liberalismus der Franzosen, der Kult Napoleons, der jetzt mit der Aureole eines großen Volkskaisers erschien, Rede-und Pressefreiheit, für die Heine selbst heftig kämpfte, und nicht zuletzt der Gedanke an die deutsche Enge, an Polizei und Zensur in der Heimat, erleichterten ihm den Aufenthalt in Paris. Dennoch ist hinter allem Spott und Hohn seiner Verse das heimliche Heimweh des Entwurzelten spürbar. Ein Rückenmarksleiden fesselte ihn schließlich vollständig an die 'Matratzengruft", aus der seine letzten rührendbitteren Poesien aufstiegen.
      In seiner Dichtung hat Heine den mühsamen Weg von der Spätromantik zur Wirklichkeit von 1840 zurückgelegt. Ganz hat er das Romantische freilich nicht abzuschütteln vermocht; als Ironie ist es ein fester Bestandteil seines Werkes geblieben. Die Jugendgedichte mit den frühen Balladen 'Die Grenadiere", 'Belsazar", 'Loreley" spiegeln noch ganz die romantische Welt. Erst mit dem 'Lyrischen Intermezzo" und vollends mit der Liedersammlung 'Die Heimkehr" fand Heine seine eigene Stimme. 'Das Buch der Lieder" faßte den Ertrag von Heines Jugendlyrik zusammen und vermehrte ihn um die berühmten 'Reisebilder" . Das Erlebnis des Meeres hatte dem Dichter den Weg frei gemacht zu einem subjektiven Realismus, auf welchem in gleicher Weise schlichte Bilder mit dem rührenden Klang des Volksliedes und großartige Naturvisionen entstanden. Das 'Buch der Lieder" zeigt Heine als virtuosen Beherrscher aller romantischen Stilmittel. Viele seiner Lieder sind durch die Vertonung von Schubert, Schumann und Mendelssohn zum unvergänglichen Liedgut des deutschen Volkes geworden . Manche Perle des lyrischen Ge-dichts ist diesem vielleicht unglücklichsten deutschen Dichter des 19. Jahrhunderts geglückt, wie jenes wehmütig zarte:
Der Tod, das ist die kühle Nacht, Das Leben ist der schwüle Tag. Es dunkelt schon, mich schläfert, Der Tag hat mich müd gemacht.
      Ãober mein Bett erhebt sich ein Baum, Drin singt die junge Nachtigall; Sie singt von lauter Liebe, Ich hör es sogar im Traum.
      Erst mit den Satiren, den beiden Versepen 'Atta Troll. Ein Sommernachtstraum" und 'Deutschland, ein Wintermärchen" und mit den 'Neuen Gedichten" reiht sich Heine unmittelbar unter die Jungdeutschen ein. Das Zeitgedicht überwiegt jetzt. Die schärfsten verfielen allerdings der Zensur und wurden erst aus dem Nachlaß veröffentlicht . Ãoberall klingt des Dichters Heimwehliebe zu Deutschland durch . Seine letzten Gedichte, 'Romanzero", die er schon auf dem Krankenlager schrieb, sind ergreifende Klagelieder. Mit seinen Prosaschriften, Zeitsatiren und Reisebildern zählt Heine zu den glänzendsten Stilisten seiner Zeit. Sein zwischen ironischem Witz und treffsicherer Kritik vibrierender Geist befähigte ihn zu einer Gattung des literarischen Schaffens, die bislang in Deutschland noch keinen Vertreter gefunden hatte: dem literarischen Feuilleton. In der Reiseschilderung 'Die Harzreise" hatte Heine das Muster dafür geschaffen.
      Von den Zeitgenossen folgte Heine im politischen Feuilleton vor allem der Frankfurter Ludwig Börne , der sein Bestes als Journalist und als Verfasser der politischen 'Briefe aus Paris" gegeben hat. Die Bemühungen der Jungdeutschen um einen zeitnahen Roman und ein ebensolches Drama scheiterten zumeist an dem geringen Talent ihrer Vertreter oder an deren eigenen ungelösten Widersprüchen. Ganz den Forderungen des Tages hingegeben, blieben ihre Werke entweder unausgereift oder doch ohne Interesse für eine anders ausgerichtete oder denkende Nachwelt. Stark beeinflußt von der Revolutionsstimmung der Jungdeutschen sind auch die ersten beiden Dramatiker des 19. Jahrhunderts, die sich - im Gegensatz zu Grillparzer - bewußt dem klassischen Menschen- und Kunstideal entziehen:

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Heinrich  Heine  (I797-I856),    





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