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Von der romantik zum realismus

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Conrad Ferdinand Meyer (I825-I898).



Wie für Keller wurden auch für ihn Herkunft und Jugendeindrücke bestimmend.
      Als Sohn eines Historikers in Zürich geboren, studierte er in Lausanne, wo er unter den Einfluß der französischen Literatur geriet. Nach Reisen in Frankreich und Italien und reicher Ãobersetzertätigkeit wurde er durch das Erlebnis des deutschfranzösischen Krieges zum deutschen Dichter. Schon von Jugend auf schwermütig, mußte er nach einem geistigen Zusammenbruch schließlich eine Heilanstalt aufsuchen, bis ihn der Tod erlöste.

      Die Berührung mit der Geschichte wurde für Conrad Ferdinand Meyers Dichtung entscheidend. Sie verwies ihn vor allem auf die Renaissance und auf die Reformation, die ihm in ihrem Umbruchcharakter der eigenen Zeit verwandt erschienen. Aus diesen beiden Geschichtsepochen hat der Dichter fast alle seine Stoffe geholt. Die Berührung mit der Renaissance mußte ihm auch die Form der Novelle besonders nahelegen. C. F. Meyer schaltete frei mit den historischen "Wahrheiten nach den Bedürfnissen der Dichtung. "Was ihn mit den Realisten verband, war die strenge Objektivierung seiner Gestalten und ihrer Umwelt. Als Meister der Rahmenerzählung und der strengen historischen Novelle reiht sich Conrad Ferdinand Meyer in die Reihe der großen Erzähler des 19. Jahrhunderts ein.
      Aus einer schweizerischen zeitgenössischen Quelle, der 'Geschichte der bünd-nerischen Kriege und Unruhen", entwickelte C. F. Meyer den Roman ']ürg Jenatsch" , der als Beispiel für seine Epik gelten darf. Der Held ist ein protestantischer Prediger, der in den Glaubenskämpfen sein Weib verliert. Fortan wird sein Leben von den Gefühlen der Rache und des Patriotismus bestimmt. Sein Ziel erblickt er in der Befreiung der Heimat vom spanischen Joch. Als Soldat im Heere Gustav Adolfs erschlägt er den Führer der Katholischen, Pompejus Planta, den Vater seiner Jugendgeliebten Lukretia, der noch immer seine Liebe gehört. Er wird vertrieben, kehrt aber als Oberst im Dienste des edelmütigen französischen Feldherrn Herzog Rohan wieder, um die Spanier aus Graubünden zu verjagen. Als der französische Kanzler den drei Bünden die Freiheit vorenthält, verrät er Rohan. Sich dadurch selbst untreu geworden, schließt er nun mit Spanien und Ã-sterreich ein Bündnis gegen Frankreich, wird sogar katholisch und erzwingtum diesen Preis die Freiheit für die Heimat. Seine früheren Feinde aber schließen sich zusammen, um ihn zu vernichten. Planta fordert Lukretia auf, an Jürg Jenatsch die Blutrache zu vollziehen. Sie weigert sich; bei einem Fest auf dem Rathaus jedoch erliegt er der feindlichen Partei und empfängt den Todesstreich durch Lukretia Planta mit demselben Beil, mit dem Jenatsch einst ihren Vater erschlagen hatte. Sie tötete ihn, damit er nicht durch die Hände Unwürdiger falle.
      Nicht das Historische an sich, sondern das Psychologische im Charakter seines Helden interessierte den Dichter. Sein 'Renaissancemenschentum" feiert hier Triumphe. Der Konflikt ergibt sich aus der Gegenüberstellung von Recht und Macht, Politik und Sittlichkeit. Aber der Dichter zeigt keine Lösung, er bleibt der Geschichte gegenüber objektiv, ohne Stellung zu nehmen. 'Es ist eine echte Tragik, in welcher alle handeln, wie sie handeln müssen." . Die Neigung des Dichters zur Theatralik gestellter Szenen schmälert den "Wert des Romans als Kunstwerk, der gleichwohl einen großen Erfolg hatte.
      Straffer architektonischer Aufbau und höchste Formvollendung sind Meyers Novelleneigen: Zu den bekanntesten gehören 'Der Heilige" , in dem das Schicksal des Thomas Becket geschildert wird, der aus dem lebensfrohen, mächtigen Kanzler der unbeugsame Erzbischof von Canterbury wurde und als Märtyrer den Tod fand. 'Der Schuß von der Kanzel" ist die einzige heitere Erzählung des Dichters, die von einem jagdlustigen Pfarrer berichtet, dem man mittels einer List die Erlaubnis zur Heirat seiner Tochter abringt; auch 'Gustav Adolfs Page" , 'Das Amulett" , 'Die Hochzeit des Mönchs" , 'Die Richterin" und 'Die Versuchung des Pescara" behandeln historische Stoffe.
      Lyrisch-episch ist Meyers Verserzählung 'Huttens letzte Tage" , worin sich des Dichters Eigenart zuerst zeigte und womit er dem großen Humanisten ein schönes Denkmal setzte. Auch in Meyers Balladen ist das Große, Aristokratische und Machtvolle das Hauptthema. In seiner Lyrik überwiegt nicht wie bei Keller die Natur, sondern das Symbol, ähnlich wie bei Platen. "Wie sehr ihm diese lyrische Form am Herzen lag, beweist die Tatsache, daß er ständig an seinen Gedichten feilte, um ihnen ihre gültige Gestalt zu geben. Von dem berühmten Gedicht 'Der römische Brunnen" sind allein drei Fassungen bekannt; die letzte hat mit der ersten außer dem stofflichen Vorwurf soviel wie nichts mehr gemein:

Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund,
Die, sich verschleiernd, überfließtin einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,

Der dritten wallend ihre Flut,
Und jede nimmt und gibt zugleich
Und strömt und ruht. ,. _ ,

Die Gesamtausgabe von Meyers Gedichten zeigt seine Formzucht und seine Gestaltungskraft am deutlichsten: streng wie ein Architekturwerk ist sie in neun Gruppen aufgebaut.
      Den ausgeprägten Formwillen, der die Novelle gerne mit dem Drama vergleicht und sie nach verbindlichen Gesetzen gestaltet und typisiert, hat der aus Husum gebürtige, zuletzt in Hademarschen lebende Nordfriese

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Conrad  Ferdinand  Meyer  (I825-I898).    





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