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Von der romantik zum realismus

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Christian Dietrich Grabbe (I80I-I836) und Georg Büchner(I8I3-I837)



Grabbe, Sohn eines Detmolder Zuchthausverwalters, war eine unglückliche Natur. Er scheiterte sowohl als Schauspieler wie auch als Rechtsbeamter, verkam schließlich in Trunksucht und ging an Tuberkulose zugrunde. Er war ein genialer Nachfahre des Sturm und Drang und ein entschiedener Gegner der Romantik. In seinen Bühnenwerken war er der Wegbereiter des revolutionären Dramas. Von seiner Tätigkeit am Theater her beherrschte er die Kunst,

Bühnenwirksamkeit zu erzielen und schreckte auch vor krassen Wirkungen nicht zurück. Wilde Leidenschaft, maßloses Wollen beherrschten seine Werke, doch überspülte die gedankliche Reflexion häufig das Dramatische, wie 'Napoleon oder die hundert Tage" , in dem er 'alle Ideen, die er je über die Revolution gehabt" unterbringen wollte.
      War Grabbe aus der eigenen bitteren Lebenserfahrung zu der Auffassung der völligen Nutzlosigkeit allen Wöllens und damit zu einer hoffnungslos pessimistischen Weltschau gelangt, so kam der jüngere, jenem künstlerisch und menschlich überlegene Büchner auf dem Wege über seine biologisch-philosophischen Studien zu dem gleichen Ergebnis.
      Als Sohn eines Arztes 1813 in Goddelau in Hessen geboren, widmete sich Büchner in Straßburg und Göttingen dem Medizinstudium, mußte aber nach Zürich fliehen, weil er in seiner politischen Flugschrift 'Der hessische Landbote" revolutionäre Ideen verbreitet hatte . In Zürich wurde er 1836 Dozent, starb aber ein Jahr darauf.
      Büchner erlebt den Menschen nicht als geistig Handelnden, sondern als triebhaft Passiven, der den Mächten der Geschichte rettungslos ausgeliefert ist. Die Philosophie seines Bruders Ludwig Büchner fand hier ihre dichterische Auslegung. In diesem Sinne deutete Büchner den 'geschichtlichen Helden" in seinem Erstlingsdrama 'Dantons Tod" . Gegen die Dynamik der Geschichte versagt der Einzelwille. Vergeblich kämpft Danton gegen das sinnlose Blutvergießen des Revolutionstribunals; seine Bemühungen werden nur mißdeutet; durch sie verdächtig geworden, verfällt er selbst der Guillotine. Es ist das erste realistische Drama, das diesen Namen rechtfertigt und in dem Idee und Form zu einer künstlerischen Einheit verschmolzen sind.
      In seinem letzten, erst 1879 gedruckten Drama 'Wbyzek" zeichnet Büchner ein düsteres Bild von Not und Elend der Erniedrigten und Beleidigten. Wbyzek, der kleine gehetzte Soldat, tötet aus Eifersucht Marie, die die Vertraute seiner Not geworden war, und nimmt sich selbst das Leben, da er keinen anderen Ausweg aus seinem gequälten Dasein sieht. - Büchners Fragment gebliebene, psychologisch meisterhaft gestaltete Novelle 'Lenz", die dem ihm seelenverwandten, unglücklichen Sturm- und Drang-Dichter Jak. Mich. Lenz gilt, gibt eine aufschlußreiche Ergänzung zu seinem eigenen Leben und Werk.
     

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