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Vom naturalismus Über die jahrhundertwende

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VOM NATURALISMUS ÜBER DIE JAHRHUNDERTWENDE



In bewußter Abkehr von der Romantik hatte der Realismus darum gerungen, das Bildnis des "wirklichen Menschen" zu zeichnen. Der Dramatiker Hebbel gestaltete diese Realität dadurch, daß er den feinsten Seelenregungen seiner Helden nachging und Glück und Unglück, Tat und Leid aus psychologischen Motiven ableitete. Andere Dichter, insbesondere die großen Novellisten Keller, Meyer und Storm, brachten den wirklichen Menschen aus den besonderen Bedingungen seiner Umgebung zum Erlebnis. So begegnen wir dem Individuum bei Keller etwa vor dem Hintergrunde der eidgenössischen Gesellschaft, bei Meyer vor der Kulisse einer großen Vergangenheit, bei Storm vor der weiten Landschaft seiner nordischen Heimat. In dieser "Entromantisierung" des Menschen ging nun der Naturalismus einen wesentlichen Schritt weiter.
      In der naturalistischen Dichtung wird der Mensch als ein Stück Natur gesehen. Als solches ist er den Naturgesetzen nicht weniger unterworfen als die Materie. Der Mensch in naturalistischer Sicht ist gleichsam ein Produkt aus Vererbung und Milieu.
      "Wahrend der Realismus eine vorwiegend deutsche Literaturepoche darstellt, kann der Naturalismus eine gesamteuropäische genannt werden. Der eigentliche Programmatiker der naturalistischen Dichtung ist der Franzose Emile Zola. Er ging mit dem Notizblock durch die Markthallen von Paris oder in die Kohlengruben, um ein möglichst wirklichkeitsgetreues Bild des jeweiligen Milieus zu gewinnen. In der russischen Dichtung huldigt vor allem F. M. Dostojewski, in Skandinavien Henrik Ibsen einem konsequenten Naturalismus. Die bedeutendsten deutschen Dichter dieser Epoche sind: Arno Holz, Gerhart Hauptmann, Hermann Sudermann und Max Halbe. Die Gestaltung des Menschenbildes aus Vererbung und Milieu verweist die naturalistische Dichtung vor allem auf das Drama und auf die Erzählung. Das Drama bietet - durch die Unmittelbarkeit seiner Aussage - die beste Möglichkeit, die aus Erbe und Umwelt erwachsenden Konflikte zu gestalten. Die Erzählung aber - vorwiegend der Roman - ist so recht der Ort, exakte und bis ins kleinste Detail gehende Milieu-Analysen dichterisch zu entfalten. Eine echte "naturalistische Lyrik" hingegen gibt es nicht. Wohl aber hat die im Naturalismus einsetzende Schärfung des Blickes zu einer Lyrik eigener Prägung geführt: zum Impressionismus.
      Und so stellen Naturalismus und Impressionismus letztlich eine epochale Einheit dar.
     

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