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Vom naturalismus Über die jahrhundertwende

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Rainer Maria Rilke (I875-I926).



Rilke wurde in Prag geboren und besuchte, von seinem Vater zum Offizier bestimmt, die Kadettenschule in St. Polten und die Militär-Oberrealschule in Mährisch-Weißkirchen . Da ihm aber der Soldatenstand nicht zusagte, wählte er den Beruf eines freien Schriftstellers, studierte an der Universität in Prag, lebte von 1896-1899 in München und Berlin, zeitweilig auch in Florenz. Zwei Rußlandreisen erschlossen ihm die Welt des Ostens; hier erlebte er seinen Gott, um in Westerwede bei Worpswede, wo er 1901 die Bildhauerin Clara Westhoff heiratete und wo er bis 1902 wohnte, auch die Natur als Thema in seine Dichtung aufzunehmen. Ab August 1902 lebte Rilke in Paris, durch fast vier Jahre dem Bildhauer Rodin als eine Art 'Sekretär" verbunden. Paris wurde ihm zur strengen Schule der Form und der plastischen Gestaltung. Von 1906 an führten ihn Reisen durch ganz Europa und Nordafrika. 1913/14 lebte er wieder in Paris, dann in München und seit 1921 im Chäteau de Muzot in Wallis in der Schweiz. Am 29. 12. 1926 ist Rilke in Val Mont gestorben. Der Dichter liegt auf dem Friedhof in Raron unter der Tafel mit dem rätselvollen Spruch begraben: 'Rose, oh reiner Widerspruch, Lust, niemandes Schlaf zu sein unter soviel Lidern."
Schon Rilkes erste Gedichtbände - 'Leben und Lieder" , 'Larenopfer" - erweisen seine Verbundenheit mit dem Symbolismus. Das hundert-türmige, goldene Prag, seine Heimatstadt, formt in ihm Gedichte von volksliedhafter, schwermütig-musikalischer Zartheit.
      Mich rührt so sehr Böhmischen Volkes Weise, Schleicht sie ins Herz sich leise, Macht sie es schwer.

     
Rilkes Rußlandreisen und seine Bekanntschaft mit Tolstoi zeigten ihm das ersehnte Menschentum, von dem er schreibt: 'Jeder voll von Dunkelheit wie ein Berg, jeder bis zum Halse in seiner Demut stehend, ohne Furcht, sich zu erniedrigen und deshalb fromm." 'Das Stundenbuch" wurde zum Zeugnis seines inbrünstigen Gottverlangens. Er sucht Gott, der ewig werdend in den Dingen ist:

'Ich kreise um Gott, um den uralten Turm, und ich kreise
Jahrtausende lang, und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm oderein großer Gesang."
Als Rilke in den norddeutschen Landschaften lernte, 'wie schlicht alles ist", und reif wurde, 'vom Schlichten zu sagen" entstanden die Bände 'Buch der Lieder" , nach dem Aufenthalt bei Rodin in Paris die 'Neuen Gedichte" und 1908 'Der neuen Gedichte anderer Teil". Das 'innere Bild" ist ihm nun Ein und Alles, und die Lyrik wird ihm zur seligsten der Künste. 'Innerhalb eines Gedichts kann ein wachsendes Gefühl leicht ansteigend durch viele Dinge gehen: durch Landschaften, durch Wolken, durch ein Glas mit Rosen . .. durch alles das, und noch unsagbar Vieles, kann ein Gefühl in einem Gedicht wie durch Bilder steigen" - das ist nach des Dichters eigenen Worten der Sinn der Gedichte seiner zweiten Schaffensperiode. Alles Dasein ist ihm Wandlung und Ãobergang:
Der Tod ist groß.

      Wir sind die Seinen
Lachenden Munds.
      Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
Wagt er zu weinen

Mitten in uns.
      In den 'Neuen Gedichten" stehen die großartig vollendeten Verse: Der Panther, Die Fontäne, Die Kathedrale u. a. Von seiner Prosa sind Rilkes
'Geschichten vom lieben Gott" aus den Erfahrungen Rußlands und der seelenbiographische Roman aus dem Erlebnis der Großstadt Paris 'Aufzeichnungen des Malers Laurids Brigge" am bekanntesten geworden.
      Das letzte und tiefste in seiner Lyrik schenkte uns Rilke in 'Fünf Gesänge" , in denen er sich am meisten Hölderlin näherte, in den 'Duineser Elegien" und dem Band 'Sonette an Orpheus" . Diese Hauptwerke Rilkes gehören zwar mit zu den schönsten, zählen aber auch zu den schwierigsten Dichtungen in deutscher Sprache. Der Auftrag des Dichters ist für Rilke 'die Verwandlung der Dinge, daß sie eine höhere ganze "Wirklichkeit werden". Und alle Dinge sind ihm doch angefüllt mit dem Göttlichen:
Ach, das Gespenst des Vergänglichen, durch den arglos Empfänglichen geht es, als war es ein Rauch.
      Als die, die wir sind, als die Treibenden, gelten wir doch bei bleibenden Kräften als göttlicher Brauch.
      Das lyrische Erbe des frühen Rilke hat vor allem Morgenstern übernommen und fortgeführt.
     

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Rainer  Maria  Rilke  (I875-I926).    


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