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Textsammlung zur deutschen literaturgeschichte

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WLADIMIR ILJITSCH LENIN - Parteiorganisation und Parteiliteratur



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Die Literatur [...] muß Parteiliteratur werden. Im Gegensatz zu den bürgerlichen Sitten, im Gegensatz zur bürgerlichen Unternehmerund Krämerpresse, im Gegensatz zum bürgerlichen Karrierismus und Individualismus in der Literatur, zum 'Edelanarchismus" und zur Jagd nach Gewinn muß das sozialistische Proletariat das Prinzip der Parteiliteratur aufstellen, dieses Prinzip entwickeln und es möglichst vollständig und einheitlich verwirklichen.


      Worin besteht nun dieses Prinzip der Parteiliteratur? Nicht nur darin, daß für das sozialistische Proletariat die literarische Tätigkeit keine Quelle des Gewinns von Einzelpersonen oder Gruppen sein darf, sie darf überhaupt keine individuelle Angelegenheit sein, die von der allgemeinen proletarischen Sache unabhängig ist. Nieder mit den parteilosen Literaten! Nieder mit den literarischen Ãœbermenschen! Die literarische Tätigkeit muß zu einem Teil der allgemeinen proletarischen Sache [...] werden [...]
Kein Zweifel, auf diesem Gebiet ist es unbedingt notwendig, weiten Spielraum für persönliche Initiative und individuelle Neigungen, Spielraum für Gedanken und Phantasie, Form und Inhalt zu sichern. Das alles ist unbestritten, aber das alles beweist lediglich, daß der literarische Teil der Parteiarbeit des Proletariats den anderen Teilen der Parteiarbeit des Proletariats nicht schablonenhaft gleichgesetzt werden darf. Das alles widerlegt keineswegs die in den Augen der Bourgeoisie und der bürgerlichen Demokratie fremdartige und seltsame These, daß die literarische Tätigkeit unbedingt und jedenfalls ein mit den anderen Teilen untrennbar verbundener Teil der sozialdemokratischen Parteiarbeit werden muß. Die Zeitungen müssen Organe der verschiedenen Parteiorganisationen werden. Die Literaten müssen unbedingt Parteiorganisationen angehören. Verlage und Lager, Läden und Leseräume, Bibliotheken und Buchvertriebe — alles dies muß der Partei unterstehen und ihr rechenschaftspflichtig sein. Diese ganze Arbeit muß vom organisierten sozialistischen Proletariat verfolgt und kontrolliert werden, das dieser ganzen Arbeit, ohne jede Ausnahme, den lebendigen Atem der lebendigen proletarischen Sache einhauchen [...] muß.
      [...] Der Gefangenschaft der leibeigenschaftlichen Zensur entronnen, wollen und werden wir uns nicht in die Gefangenschaft der bürgerlich-krämerhaften Literaturverhältnisse begeben. Wir wollen und werden eine freie Presse schaffen, frei nicht nur von der Polizei, sondern auch vom Kapital und vom Karrierismus, ja noch mehr, frei auch vom bürgerlich-anarchistischen Individualismus.
      [...] Das wird eine freie Literatur sein, weil nicht Gewinnsucht und nicht Karriere, sondern die Idee des Sozialismus und die Sympathie mit den Werktätigen neue und immer neue Kräfte für ihre Reihen werben werden. Das wird eine freie Literatur sein, weil sie nicht einer übersättigten Heldin, nicht den sich langweilenden und an Verfettung leidenden 'oberen Zehntausend" dienen wird, sondern den Millionen und aber Millionen Werktätigen, die die Blüte des Landes, seine Kraft, seine Zukunft verkörpern. Das wird eine freie Literatur sein, die das letzte Wort des revolutionären Denkens der Menschheit durch die Erfahrung und die lebendige Arbeit des sozialistischen Proletariats befruchten und zwischen der Erfahrung der Vergangenheit und der Erfahrung der Gegenwart eine ständige Wechselwirkung schaffen wird.
      Erstdruck: W. Lenin: Parteiorganisation und Parteiliteratur. In: ,Novaja 2izn', Nr. 12 vom 13. November 1905
Textvorlage: W. Lenin: Werke. Ins Deutsche übertragen nach der vierten russischen Ausgabe. Deutsche Ausgabe besorgt vom Institut für Marxismus beim Zentralkomitee der SED. Bd. 10. Dietz Verlag. Berlin 1959, S. 30-34.
     

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