Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Textsammlung zur deutschen literaturgeschichte

Index
» Textsammlung zur deutschen literaturgeschichte
» KURT HAGER - Aus: Zu Fragen der Kulturpolitik der SED, Referat auf der 6. Tagung des Zentralkomitees der SED

KURT HAGER - Aus: Zu Fragen der Kulturpolitik der SED, Referat auf der 6. Tagung des Zentralkomitees der SED



[...]
Die sozialistische Gesellschaft ist die einzig rechtmäßige Erbin aller fortschrittlichen geschichtlichen Leistungen und Traditionen, allen Strebens nach einem menschenwürdigen Dasein.
      In der DDR wird schon viel getan, damit das große kulturelle und künstlerische Erbe zum festen Besitz der Arbeiterklasse und aller Werktätigen werden kann.
      Die imperialistischen Ideologen in der BRD sehen sich auf Grund unserer Erfolge in der Pflege und Aneignung des kulturellen und künstlerischen Erbes zunehmend gezwungen, ihr bisheriges Verhältnis zum kulturellen Erbe zu ändern. Sie versuchen, sich dem Kampf um die besten kulturellen Traditionen des deutschen Volkes zu stellen und - natürlich mit allen erdenklichen Verfälschungen — Besitzansprüche auf diese Traditionen anzumelden. Die Kultur-und Kunstwissenschaften der BRD 'entdecken" nun auch die großen Traditionen der proletarisch-revolutionären deutschen und internationalen Kunst und Literatur.
      Aber die kulturellen und künstlerischen Traditionen des Humanismus, besonders der revolutionären Arbeiterbewegung, des Kampfes gegen Imperialismus und Faschismus und um die Gestaltung einer neuen, sozialistischen Gesellschaft bis heran zur jüngsten Vergangenheit sind unsere ureigenste Sache. Diese nun schon reiche Tradition ist unmittelbar Geist von unserem Geist, Blut von unserem Blut. Das verpflichtet uns, dieses Erbe noch stärker zum lebendigen Besitz des Volkes zu machen, seine sozialistische Ausstrahlungskraft noch zu verstärken. Die ständige Aneignung der bedeutsamen Kunstwerke, die von der Größe dieses Kampfes zeugen, die Pflege aller kulturellen Traditionen des Kampfes der Arbeiter und breiter Volksmassen um bessere Lebensbedingungen, für Demokratie und Sozialismus, der geistigen Zeugnisse der Entwicklung des sozialistischen und marxistisch-leninistischen Denkens - das ist uns ein unendlich teures Anliegen. [...]
Wir verfechten dabei unerschütterlich den Leninschen 'Grundsatz des Internationalismus und des unversöhnlichen Kampfes gegen die Verseuchung des Proletariats mit bürgerlichem Nationalismus, und sei es auch in seiner verfeinertsten Form". [1] [...]
Wir sorgen uns um die Gesamtheit humanistischer und progressiver Kulturtraditionen. Wir hüten - um es mit einem Wort Lenins zu sagen - das Erbe nicht, wie Archivare alte Akten hüten. Es geht um lebendige Vermittlung. Es ist unsere Pflicht, die Ideen der großen Denker der Vergangenheit, das literarische und künstlerische Erbe in seiner ganzen Vielfalt noch besser und nachhaltiger zu nutzen.
      Die Klassiker des Marxismus-Leninismus weisen hin auf die kritische Aneignung des Erbes. Das bedeutet keinesfalls eine Einengung in der Auswahl und im Zugang zum Erbe. Kritische Aneignung bedeutet vor allem, die großen Kunstleistungen früherer Gesellschaftsepochen aus ihren sozialen Bedingungen und damit auch in ihrer teilweisen Widersprüchlichkeit zu begreifen. Erst ein solcher Blick erschließt die ursprüngliche Lebendigkeit und Frische dieser Leistungen, das Vorwärtsweisende ihres Menschenbildes. Er bewahrt uns davor, im Erbe nur einen Gegenstand von Feierlichkeit und Andacht zu sehen.
      Andererseits wenden wir uns entschieden gegen eine nihilistische Einstellung zum kulturellen Erbe, gegen die Entstellung und Herabwürdigung der großen Humanitätsideale wie auch gegen Tendenzen einer falschen Idealisierung des Erbes, der Verklärung selbst rückständiger, philisterhafter Züge. Man darf nicht die Tatsache verkennen, daß unser heutiger sozialistischer Weg mehr ist als die bloße Vollstreckung großer humanitärer Ideale und Utopien der Vergangenheit. Lebendiges, leidenschaftliches Mitwirken an der Gegenwart und Zukunft ist aber auf die Dauer nicht möglich ohne Wissen und Erleben der Geschichte. Was Sozialismus ist und für die Menschen bedeutet, erschließt sich nur dem tief und dauerhaft, der auch mit den Erfahrungen und Zeugnissen der Geschichte lebt.
      Textvorlage: Kurt Hager: Zu Fragen der Kulturpolitik der SED. Referat auf der 6. Tagung des Zentralkomitees der SED. Dietz Verlag, Berlin 1972, S. 55-58.
     

 Tags:
KURT  HAGER  -  Aus:  Zu  Fragen  der  Kulturpolitik  der  SED,  Referat  auf  der  6.  Tagung  Zentralkomitees  der  SED    




Impressum

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com