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KARL MARX - Aus: Einleitung zur Kritik der politischen Ökonomie



Bei der Kunst bekannt, da bestimmte Bltezeiten derselben keineswegs im Verhltnis zur allgemeinen Entwicklung der Gesellschaft, also auch der materiellen Grundlage, gleichsam des Knochenbaus ihrer Organisation, stehn. Z. B. die Griechen verglichen mit den modernen oder auch Shakespeare. Von gewissen Formen der Kunst, z. B. dem Epos, sogar anerkannt, da sie, in ihrer Weltepoche machenden, klassischen Gestalt nie produziert werden knnen, sobald die Kunstproduktion als solche eintritt; also da innerhalb des Berings der Kunst selbst gewisse bedeutende Gestaltungen derselben nur auf einer unentwickelten Stufe der Kunstentwicklung mglich sind. Wenn dies im Verhltnis der verschiednen Kunstarten innerhalb des Bereichs der Kunst selbst der Fall ist, ist es schon weniger auffallend, da es im Verhltnis des ganzen Bereichs der Kunst zur allgemeinen Entwicklung der Gesellschaft der Fall ist. Die Schwierigkeit besteht nur in der allgemeinen Fassung dieser Widersprche. Sobald sie spezifiziert werden, sind sie schon erklrt.

      Nehmen wir z. B. das Verhltnis der griechischen Kunst und dann Shakespeares zur Gegenwart. Bekannt, da die griechische Mythologie nicht nur das Arsenal der griechischen Kunst, sondern ihr Boden. Ist die Anschauung der Natur und der gesellschaftlichen Verhltnisse, die der griechischen Phantasie und daher der griechischen zugrunde liegt, mglich mit Seifaktors und Eisenbahnen und Lokomotiven und elektrischen Telegraphen? [...] Alle Mythologie berwindet und beherrscht und gestaltet die Naturkrfte in der Einbildung und durch die Einbildung: verschwindet also mit der wirklichen Herrschaft ber dieselben. [ • • ■ ] Die griechische Kunst setzt die griechische Mythologie voraus, d. h. die Natur und die gesellschaftlichen Formen selbst schon in einer unbewut knstlerischen Weise verarbeitet durch die Volksphantasie.
     
Das ist ihr Material. Nicht jede beliebige Mythologie [...]. Ägyptische Mythologie konnte nie der Boden oder der Mutterscho griechischer Kunst sein. Aber jedenfalls eine Mythologie. Also keinesfalls eine Gesellschaftsentwicklung, die alles mythologische Verhltnis zur Natur ausschliet, alles mythologisierende Verhltnis zu ihr; also vom Knstler eine von Mythologie unabhngige Phantasie verlangt.
      Von einer andren Seite: Ist Achilles mglich mit Pulver und Blei? f...] Aber die Schwierigkeit liegt nicht darin, zu verstehn, da griechische Kunst und Epos an gewisse gesellschaftliche Entwicklungsformen geknpft sind. Die Schwierigkeit ist, da sie fr uns noch Kunstgenu gewhren und in gewisser Beziehung als Norm und unerreichbare Muster gelten.
      Ein Mann kann nicht wieder zum Kinde werden oder er wird kindisch. Aber freut ihn die Naivitt des Kindes nicht, und mu er nicht selbst wieder auf einer hhren Stufe streben, seine Wahrheit zu reproduzieren? Lebt in der Kindernatur nicht in jeder Epoche ihr eigner Charakter in seiner Naturwahrheit auf? Warum sollte die geschichtliche Kindheit der Menschheit, wo sie am schnsten entfaltet, als eine nie wiederkehrende Stufe nicht ewigen Reiz ausben? Es gibt ungezogene Kinder und altkluge Kinder. Viele der alten Vlker gehren in diese Kategorie. Normale Kinder waren die Griechen. Der Reiz ihrer Kunst fr uns steht nicht im Widerspruch zu der unentwickelten Gesellschaftsstufe, worauf sie wuchs. Ist vielmehr ihr Resultat und hngt vielmehr unzertrennlich damit zusammen, da die unreifen gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen sie entstand und allein entstehn konnte, nie wiederkehren knnen.
      Textvorlage: Karl Marx: Einleitung zur Kritik der politischen Ökonomie . In: Marx/Engels: Werke. Hg v. Institut fr Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Bd. 13, Dietz Verlag, Berlin 1961, S. 640-642.
     

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