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Textsammlung zur deutschen literaturgeschichte

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JOHANN WOLFGANG GOETHE - Über Weltliteratur



Le Tasse, drame historique en cinq Sctes, par M. Alexander Duval

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Überall hrt und liest man von dem Vorschreiten des Menschengeschlechts, von den weiteren Aussichten der Welt- und Menschenverhltnisse. Wie es auch im Ganzen hiermit beschaffen sein mag, welches zu untersuchen und nher zu bestimmen nicht meines Amts ist, will ich doch von meiner Seite meine Freunde aufmerksam machen, da ich berzeugt sei, es bilde sich eine allgemeine Weltliteratur, worin uns Deutschen eine ehrenvolle Rolle vorbehalten ist. Alle Nationen schauen sich nach uns um, sie loben, sie tadeln, nehmen auf und verwerfen, ahmen nach und entstellen, verstehen oder miverstehen uns, erffnen oder verschlieen ihre Herzen: dies alles mssen wir gleichmtig aufnehmen, indem uns das Ganze von groem Wert ist. [. . .]

Erstdruck: Ueber Kunst und Alterthum. Von Goethe. Sechsten Bandes erstes Heft. Stuttgart, in der Cottaischen Buchhandlung 1827, S. 123-133.
      Textvorlage: Goethe: Schriften zur Literatur. Hg. v. der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Historisch-kritische Ausgabe. Band 2: Text, bearbeitet von Johanna Salomon. Akademie-Verlag, Berlin 1971, S. 173-174.
      Brief an Adolph Friedrich Karl Streckfu. Weimar, 27. Januar 1

  
   [...] Ich bin berzeugt, da eine Weltliteratur sich bilde, da alle Nationen dazu geneigt sind und deshalb freundliche Schritte tun. Der Deutsche kann und soll hier am meisten wirken, er wird eine schne Rolle bei diesem groen Zusammentreten zu spielen haben. [.. .
      Erstdruck und Textvorlage: Goethes Werke. Hg. im Auftrage der Groherzogin Sophie von Sachsen.

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Abtheilung. 42. Band. Hermann Bhlaus Nachfolger. Weimar 1907, S. 28.
     

Zu Johann Peter Eckermann. Weimar, 31. Januar 1

  
   [...] Nationalliteratur will jetzt nicht viel sagen; die Epoche der Weltliteratur ist an der Zeit, und jeder mu jetzt dazu wirken, diese Epoche zu beschleunigen. [...]
Erstdruck: Gesprche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens. Von Johann Peter Eckermann. Erster Theil. Leipzig: F. A. Brockhaus 1836.
      Textvorlage: Gesprche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens. Von Johann Peter Eckermann. 23. Originalauflage. Nach dem ersten Druck, dem Originalmanuskript des dritten Teils und Eckermanjs handschriftlichem Nachla neu hg. v. Professor Dr. H. H. Houben. Leipzig: F. A. Brockhaus 1948, S. 181.
      Brief an Johann Sulpiz Melchior Dominicus Boisseree. Weimar,
12. Oktober 1

  
   Hierbei lt sich ferner die Bemerkung machen, da dasjenige, was ich Weltliteratur nenne, dadurch vorzglich entstehen wird, wenn die Differenzen, die innerhalb der einen Nation obwalten, durch Ansicht und Urteil der brigen ausgeglichen werden. [...]
Erstdruck: Sulpiz Boisseree. Hg. v. Mathilde Boisseree. 2. Bd. Stuttgart: Cotta 1862. Textvorlage: Goethes Werke. Hg. im Auftrage der Groherzogin Sophie von Sachsen.

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V.

Abtheilung. 43. Bd. Hermann Bhlaus Nachfolger. Weimar 1908, S. 106.
      German Romance. Vol.

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V.

Edinburgh 1

  
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Eine wahrhaft allgemeine Duldung wird am sichersten erreicht, wenn man das Besondere der einzelnen Menschen und Vlkerschaften auf sich beruhen lt, bei der Überzeugung jedoch festhlt, da das wahrhaft Verdienstliche sich dadurch auszeichnet, da es der ganzen Menschheit angehrt. Zu einer solchen Vermittelung und wechselseitigen Anerkennung tragen die Deutschen seit langer Zeit schon bei. Wer die deutsche Sprache versteht und studiert, befindet sich auf dem Markte, wo alle Nationen ihre Waren anbieten; er spielt den Dolmetscher, indem er sich selbst bereichert. [...]
Erstdruck: Ueber Kunst und Alterthum. Von Goethe. Sechsten Bandes zweites Heft. Stuttgart, in der Cottaischen Buchhandlung 1828, S. 140-142.
      Textvorlage: Goethe: Schriften zur Literatur. Historisch-kritische Ausgabe. Hg. v. der Deutschen Adademie der Wissenschaften zu Berlin. Bd. 2: Text, bearbeitet von Johanna Salomon. Akademie-Verlag. Berlin 1971, S. 217.
     

Edinburgh Reviews
Diese Zeitschriften, wie sie sich nach und nach ein greres Publikum gewinnen, werden zu einer gehofften allgemeinen Weltliteratur auf das wirksamste beitragen; nur wiederholen wir, da nicht die Rede sein knne, die Nationen sollen berein denken, sondern sie sollen nur einander gewahr werden, sich begreifen, und wenn sie sich wechselseitig nicht lieben mgen, sich einander wenigstens dulden lernen. [. . .]
Erstdruck: Ueber Kunst und Alterthum. Von Goethe. Sechsten Bandes zweites Heft. Stuttgart, in der Cottaischen Buchhandlung 1828, S. 170—172.
      Textvorlage: Goethe: Schriften zur Literatur. Historisch-kritische Ausgabe. Hg. v. der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Band 2: Text, bearbeitet von Johanna Salomon. Akademie-Verlag, Berlin 1971, S. 291.
      Zu den Versammlungen deutscher Naturforscher und Ärzte
Wenn wir eine europische, ja eine allgemeine Weltliteratur zu verkndigen gewagt haben, so heit dieses nicht, da die verschiedenen Nationen von einander und ihren Erzeugnissen Kenntnis nehmen, denn in diesem Sinne existiert sie schon lange, setzt sich fort und erneuert sich mehr oder weniger; nein! hier ist vielmehr davon die Rede, da die lebendigen und strebenden Literatoren einander kennen lernen und durch Neigung und Gemeinsinn sich veranlat finden, gesellschaftlich zu wirken. [.. .]
Erstdruck: Goethe-Jahrbuch. Hg. v. L. Geiger. Bd. 16. Literarische Anstalt Rtten u. Loening. Frankfurt/Main 1895, S. 53.
      Textvorlage: Goethe: Die Schriften zur Naturwissenschaft. Vollstndige mit Erluterungen versehene Ausgabe, hg. im Auftrage der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina von K. Lothar Wolf, Wilhelm Troll, Rupprecht Matthaei, Wolf von Engethardt und Dorothea Kuhn. Erste Abteilung: Texte. Band 11: Aufstze, Fragmente, Studien zur Naturwissenschaft im allgemeinen. Bearbeitet von Dorothea Kuhn und Wolf von Engelhardt. Hermann Bhlaus Nachfolger. Weimar 1970, S. 295.
      Brief an Carl Friedrich Graf von Reinhard. Weimar, 18. Juni 1

  
   Sehr bewegt und wundersam wirkt freilich die Weltliteratur gegeneinander; wenn ich nicht sehr irre, so ziehen die Franzosen in Um-und Übersicht die grten Vorteile davon; auch haben sie schon ein gewisses selbstbewutes Vorgefhl, da ihre Literatur, und zwarnoch in einem hheren Sinne, denselben Einflu auf Europa haben werde, den sie in der Hlfte des achtzehnten Jahrhunderts sich erworben. [...]
Erstdruck: Briefwechsel zwischen Goethe und Reinhard in den Jahren ]H07bis 1832. Hg. v. Karl von Reinhard. Stuttgart: Cotta 1850.
      Textvorlage: Goethes Werke. Hg. im Auftrage der Groherzogin Sophie von'Sachsen.

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V.

Abtheilung. 45. Bd. Hermann Bhlaus Nachfolger. Weimar 1908, S. 295.
      Entwurf zu: Thomas Carlyle: Leben Schillers, aus dem Englischen; eingeleitet durch Goethe. Weimar, 5. April 1

  
   [...]
Aber nicht allein was solche Mnner ber uns uern mu uns von der grten Wichtigkeit sein, sondern auch ihre brigen Verhltnisse haben wir zu beachten, wie * * * gegen andere Nationen, gegen Franzosen und Italiener, stehen.
      Denn daraus nur kann endlich die allgemeine Weltliteratur entspringen, da die Nationen die Verhltnisse aller gegen alle kennen lernen, und so wird es nicht fehlen, da jede in der andern etwas Annehmliches und etwas Widerwrtiges, etwas Nachahmenswertes und etwas zu Meidendes antreffen wird. [.. .]
Erstdruck: Goethes Werke. Hg. im Auftrage der Groherzogin Sophie von Sachsen. /I. Abtheilung./42. Bd. 2. Abt. Hermann Bhlaus Nachfolger. Weimar 1907,S. 505. Textvorlage: Goethe: Schriften zur Literatur. Historisch-kritische Ausgabe. Hg. v. der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Band 2: Text, bearbeitet von Johanna Salomon. Akademie-Verlag, Berlin 1971, S. 248.
      Thomas Carlyle: Leben Schillers, aus dem Englischen; eingeleitet durch Goethe

[...]
Es ist schon einige Zeit von einer allgemeinen Weltliteratur die Rede, und zwar nicht mit Unrecht: denn die smtlichen Nationen, in den frchterlichsten Kriegen durcheinander geschttelt, sodann wieder auf sich selbst einzeln zurckgefhrt, hatten zu bemerken, da sie manches Fremdes gewahr worden, in sich aufgenommen, bisher unbekannte geistige Bedrfnisse hie und da empfunden. Daraus entstand das Gefhl nachbarlicher Verhltnisse, und anstatt da man sich bisher zugeschlossen hatte, kam der Geist nach und nach zu dem Verlangen, auch in den mehr oder weniger freien geistigen Handelsverkehr mit aufgenommen zu werden. [...]

Erstdruck: Thomas Carlyle: Leben Schillers, aus dem Englischen; eingeleitet durch Goethe. Frankfurt am Main 1830, S. III-XX

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V.


Textvorlage: Goethe: Schriften zur Literatur. Historisch-kritische Ausgabe. Hg. v. der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Band 2: Text, bearbeitet von Johanna Simon. Akademie-Verlag, Berlin 1971, S. 229.
     

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