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Textsammlung zur deutschen literaturgeschichte

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JOHANN CHRISTOPH GOTTSCHED - Der Biedermann, 2. Teil



Die Poesie ist eine Kunst, so der Wahrheit und der Tugend viele Dienste tun kann, wenn sie in den Händen eines verständigen und redlichen Bürgers ist und mehr nach den Regeln der Weltweisheit als nach dem verderbten Geschmacke des unverständigen Pöbels eingerichtet wird. Sie preiset die Tugend in Lobgedichten und tadelt die Laster in Satiren. In Fabeln wird sie eine angenehme Sittenlehrerin und in Schauspielen eine Malerin des menschlichen Lebens. Da schildert sie denn die Unglücksfälle der Lasterhaften und das Glück der Rechtschaffenen in der Tragödie; das auslachenswürdige Wesen der törichten Neigungen gemeiner Leute in der Komödie und die liebenswürdige Unschuld des goldenen Weltalters in Schäferspielen ab. Sie preist ferner auch die Wohltaten Gottes, wenn sie dem Schöpfer alles Guten manches Lob- und Danklied anstimmt. Sie tröstet die Traurigen, lehrt die Unwissenden, stärkt die Zaghaften, lindert die Trübsal und versüßt sogar den Tod, wenn sie die Freude des ewigen Lebens mit den schönsten Farben abmalt. [...]
Erstdruck: Der Biedermann. Zweyter Theil Darinnen gleichfalls Fünfzig wöchentliche Blätter enthalten sind. Leipzig, bey Wolffgang Deer, 1729, S. 123. Textvorlage: Gesammelte Schriften von Johann Christoph Gottsched . 4. Bd. Der Biedermann von Johann Christoph Gottsched. Hg. v.Eugen Reichel. Zweyter Band. Gottsched-Verlag. Berlin o.J. [1912], S. 158-159.
     

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