Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Textsammlung zur deutschen literaturgeschichte

Index
» Textsammlung zur deutschen literaturgeschichte
» HORST HAASE - 25 Jahre SED - 25 Jahre demokratische und sozialistische Literatur

HORST HAASE - 25 Jahre SED - 25 Jahre demokratische und sozialistische Literatur



[...]
'Wir schreiben unter neuen Bedingungen", sagte Bertolt Brecht 1956 auf dem

I

V.

Deutschen Schriftstellerkongreß in Berlin. [1] Damit waren jene historischen Veränderungen gemeint, die durch die siegreiche Revolution auf dem Territorium der Deutschen Demokratischen Republik bewirkt wurden und die eine grundlegende Wende in der deutschen Literatur herbeiführten. Diese Wende bestand vor allem darin, daß sich erstmals in der Geschichte der deutschen Literatur die fortschrittlichen und humanistischen Dichter und Schriftsteller mit den herrschenden gesellschaftlichen Kräften des werktätigen Volkes in Ãobereinstimmung befanden und der Literatur dadurch eine neue Qualität konstruktiver gesellschaftlicher Wirksamkeit eingeräumt und abgefordert wurde. Für die neue Periode gesellschaftlicher Entwicklung war charakteristisch, daß in ihr 'dem schönen Werk" wieder Lebensgrund und ein redlich Hineinpassen [2] bereitet wurde.


      Zu den neuen Bedingungen, unter denen sich diese Literatur entwickelte, gehörte in erster Linie die Existenz und das Wirken einer an der Macht befindlichen revolutionären Partei der Arbeiterklasse. Der Zusammenschluß von KPD und SPD in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands im Jahre 1946 gab auch der Entwicklung der Literatur entscheidende Impulse. Die Entwicklung der Arbeiterklasse zur führenden gesellschaftlichen Kraft sowie die Politik des Blocks der demokratischen Parteien und der nationalen Front stärkten die Autorität der revolutionären Partei unter allen Künstlern und Schriftstellern. Die Ãoberwindung der Spaltung der Arbeiterklasse zog die besten Vertreter der literarischen Intelligenzan und verschmolz die kulturpolitischen und literarischen Erfahrungen, die in der Arbeiterbewegung gesammelt worden waren. Die 'Bildungs- und Kulturtraditionen der alten Sozialdemokratie aus den Zeiten Wilhelm Liebknechts und August Bebeis" [3] wurden aufgenommen, weiterentwickelt und für die Literaturgesellschaft der antifaschistisch-demokratischen Ordnung und des Sozialismus nutzbar gemacht. Die Erfahrungen der revolutionären Kulturpolitik der Kommunistischen Partei Deutschlands und der proletarisch-revolutionären sowie der sozialistischen Literatur des antifaschistischen Widerstandes wurden den neuen Bedingungen entsprechend fortgesetzt. Das galt insbesondere für die führende Rolle der revolutionären Partei der Arbeiterklasse und für die Herausbildung einer konsequenten sozialistischen Parteiliteratur im Sinne der Lehren Lenins. In einem widerspruchsvollen Prozeß fanden diese Prinzipien immer mehr Anerkennung unter den Literaturschaffenden. Gleichzeitig trug die Literatur mit ihren Mitteln dazu bei, daß sich die SED in relativ kurzer Frist zu einer marxistischleninistischen Partei neuen Typus entwickelte. Gedichte von J. R. Becher, E. Weinert und B. Brecht, Romane wie A. Seghers' 'Die Toten bleiben jung" und W. Bredels Trilogie 'Verwandte und Bekannte" förderten diesen Prozeß.
      Die führende Rolle der marxistisch-leninistischen Partei erwies sich vor allem darin, daß die SED die Literatur von Anfang an in die gesamtgesellschaftliche Aufgabenstellung einbezog und die Schriftsteller durch eine intensive politische und ideologische Arbeit und eine feinfühlige, aber prinzipielle Bündnispolitik mit den wesentlichen historischen Entwicklungsprozessen verband. Ihre auf die Erhaltung des Friedens gerichtete Innen- und Außenpolitik und die mit dem gesellschaftlichen Fortschritt übereinstimmende Orientierung auf Demokratie und Sozialismus wirkten sich positiv auf das Verhältnis der Schriftsteller zur Kultur- und Kunstpolitik der Partei aus, so daß sich diese die der Entfaltung der Künste dienende Politik der Partei immer besser zu eigen machten und in immer stärkerem Maße an ihrer Ausarbeitung und Durchführung teilnahmen. [...] Die spätbürgerliche Isolierung des Schriftstellers mit ihren unheilvollen Konsequenzen für Weltanschauung und Menschenbild wurde in der ganzen Breite der Literatur zurückgedrängt, innerhalb der Dialektik von Spontaneität und Bewußtheit wurde die Bewußtheit des literarischen Prozesses weitgehend gestärkt. Und obwohl der einzelne Autor in durchaus unterschiedlichem Maße davon erfaßt wurde, durchdrang diese in der sozialistischen Literatur schon vor 1945 vorhandene Qualität bewußter und organisierter Entwicklung jetzt zunehmend die gesamte literarische Bewegung in der DDR.
      Die neuen Bedingungen, von denen Brecht 1956 sprach, waren durch den Charakter der welthistorischen Epoche geprägt, die durch die Oktoberrevolution und den sozialistischen Aufbau in der Sowjetunion eingeleitet wurde. Der Sieg der Sowjetmacht als der entscheidenden Kraft der Anti-Hitler-Koalition im zweiten Weltkrieg hatte in bedeutendem Maße ein Anwachsen der Autorität und des internationalen Einflusses des Sozialismus zur Folge. Es begann eine neue, die zweite Etappe der allgemeinen Krise des Imperialismus. Durch die sozialistische Revolution in einer Reihe weiterer Länder wurden die Grundlagen für die Herausbildung und Festigung eines sozialistischen Weltsystems geschaffen, das zunehmend den Gang der weltgeschichtlichen Entwicklung bestimmte. Die antiimperialistischen Kräfte erstarkten in aller Welt. Das imperialistische Kolonialsystem zerfiel. Die Ideen des Friedens und des Sozialismus gewannen an Anziehungkraft und Anhängerschaft.
      Das hatte wesentliche Folgen für die weltliterarische Entwicklung. Die Herausbildung der sozialistischen und demokratischen Weltliteratur erreichte eine neue Qualität. Neben die Literatur der sozialistischen Sowjetunion traten die Literaturen der anderen sozialistischen Länder. Die demokratischen und sozialistischen Elemente in den Literaturen der um ihre soziale und nationale Befreiung kämpfenden Völker entfalteten sich. Gestützt auf die Erfahrungen dieser Literatur, auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse und künstlerische Errungenschaften, kam es zu einem wechselseitigen Geben und Nehmen, in dessen Verlauf neben den nationalen Eigenarten der verschiedenen Literaturen auch die internationalen Gemeinsamkeiten dieser Hauptlinie der literarischen Entwicklung in der neuen Menschheitsepoche hervortraten. Dazu gehörten insbesondere die weitgehend durch den Marxismus-Leninismus bestimmten weltanschaulichen Grundlagen dieser Literatur, die Gestaltung des Bildes eines bewußt, aktiv und organisiert handelnden, die Wirklichkeit revolutionär verändernden Menschen sowie eine realistische, die Darstellung dieser revolutionären Veränderungen ermöglichende literarische Methode, die eine enge Verbundenheit mit dem Volk und Parteilichkeit im Dienste der fortschrittlichen gesellschaftlichen Kräfte einschloß. Diese Literatur erwies sich immer mehr als Alternative gegenüber der Verfallsliteratur des Imperialismus. Die fortschritdichen deutschen Schriftsteller waren fest mit ihr verbunden; sie leistetenwichtige Beiträge dazu und wurden ihrerseits wesentlich beeinflußt. Insbesondere kam es zu engen Kontakten und bedeutsamen Beziehungen zur sowjetischen Literatur und zur Literatur anderer sozialistischer Länder, von denen wichtige Einflüsse ausgingen. Auf Kongressen und Schriftstellertreffen in der DDR trafen sich progressive Schriftsteller aus aller Welt. Die internationalistischen Traditionen der deutschen Literatur wurden fortgesetzt und weiterentwickelt.
      Für die neue Qualität der Literatur in dieser Zeit grundlegend war die Tatsache, daß das Volk der DDR in ein neues, in das sozialistische Zeitalter einzutreten begann. Die Macht- und Besitzverhältnisse wurden umgewälzt, alle sozialen und politischen Existenzformen grundlegend verändert. Unter großen Anstrengungen wurden Ausbeutung und Unterdrückung beseitigt, kam es zum Miteinander der gesellschaftlichen Kräfte unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer einheitlichen revolutionären Partei. Der Arbeiter-und-Bauern-Staat machte den Kampf für Frieden, Sozialismus und Völkerfreundschaft zu seinem Grundprinzip und trug als Mitglied der sozialistischen Staatengemeinschaft dazu bei, im weltweiten Kampf gegen den Imperialismus der Sache des Friedens und des Sozialismus zum endgültigen Sieg zu verhelfen. Die sozialistische Nation, die sich in der DDR entwickelte, befand sich mit den Gesetzmäßigkeiten des Menschheitsfortschritts in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Ãobereinstimmung. In einem widerspruchsvollen Prozeß wuchsen neue Menschen heran, die die verbrecherischen Ideologien des Faschismus und Militarismus überwanden, die durch das kapitalistische Wolfsdasein geprägten Züge langsam ablegten und sich als Persönlichkeiten zu entwickeln begannen, deren geistiges Antlitz immer stärker durch die Moral und die menschenfreundlichen Anforderungen des Sozialismus bestimmt wurde. Die Erziehung dieser Menschen wurde nicht unwesentlich auch durch die aktive Einwirkung der Literatur beeinflußt. Andererseits gewann die Literatur ihre Auffassung vom Wesen des Menschen und seiner Stellung in Natur und Gesellschaft in diesem Prozeß. Als Spiegelung der real-humanistischen Veränderungen und als Forderung des Tages und der Epoche stand das Bewußtsein einer großen Zeitenwende und das Motiv des Anderswerdens im Zentrum des literarischen Menschenbildes. In Ãoberwindung der faschistischen Irrlehren, der tief verwurzelten antikommunistischen Vorbehalte und einer besonders für Teile der Intelligenz bezeichnenden 'Innerlichkeit" trat der politisch-öffentliche Charakter der Literatur stark hervor, wurde die Geschichte entdatnonisiert und gesellschaftliches Verantwortungsbewußtsein im Kampf für Frieden und gesellschaftlichen Fortschritt betont.
      Besonders gravierend und für die neuen Qualitäten der Literatur dieser Zeit bestimmend war die sich aus der Realität des demokratischen Neuaufbaus und des Aufbaus des Sozialismus ergebende Orientierung auf die Sphäre der Produktion. Erstmals in der deutschen Literatur wurde - ausgehend von den Veränderungen im gesellschaftlichen Leben der Menschen selbst - die freie Arbeit zum zentralen Gegenstand literarischer Darstellung. Schritt für Schritt trat der Mensch als Schöpfer seiner selbst und seiner Umwelt - Wissenschaft und Technik immer besser zu seinem Nutzen verwendend - in dieser Literatur hervor. Neben dem Klassenkampf wurde die prinzipiell mögliche Ãobereinstimmung zwischen den persönlichen und den gesellschaftlichen Interessen in der sozialistischen Gesellschaft zur vorrangigen Triebkraft menschlichen Handelns, was von beträchtlicher Bedeutung für die Veränderung literarischer Konfliktstrukturen war. Die Sicht auf die Zukunft gründete sich zunehmend auf die planmäßige Gestaltung der Gesellschaft, was sich wesentlich auf die Darstellung der Perspektive auswirkte. Die Rolle des subjektiven Faktors in der gesellschaftlichen Entwicklung und demzufolge seine literarische Gestaltung nahm zu. Die Weltanschauung und Ideologie der revolutionären Arbeiterklasse, ihr Kampfgeist und ihre Kollektivität prägten die geistige Physiognomie der Vorhut und wirkten in einem komplizierten, vom literarischen Menschenbild reflektierten und beeinflußten Prozeß auch immer stärker auf die Menschen anderer Klassen und Schichten ein. Irrtümer und Fehler auf diesem Wege, wie sie in der Gesellschaft und bei einzelnen Schriftstellern immer wieder hervortraten, waren durch die Dialektik des gesellschaftlichen Fortschritts unter den Bedingungen des harten Klassenkampfes, durch die Schwierigkeiten beim Vorstoß in neue, unbekannte Bereiche bedingt. Sie verstärkten sich besonders dann, wenn neue Etappen der gesellschaftlichen Entwicklung begannen, in die der Gegner hemmend einzugreifen versuchte. Deutlich sichtbar wurde das Ende der vierziger Jahre, beim Ãobergang von der antifaschistischdemokratischen zur sozialistischen Revolution; Mitte der fünfziger Jahre, als in der DDR die Frage wer - wen endgültig entschieden wurde und der Gegner die Enthüllungen über den Personenkult um Stalin auf dem XX. Parteitag der KPdSU und den Versuch der Konterrevolution in Ungarn zu einer antikommunistischen Offensive ausnutzte, sowie Mitte der sechziger Jahre bei der Gestaltung des entwickelten Sozialismus und der Lösung der Aufgaben,die sich durch die wissenschaftlich-technische Revolution ergaben.
      Das neue literarische Menschenbild war ein Ausdruck der Existenz realer Voraussetzungen dafür, daß sich erstmals auf deutschem Boden die humanistische und realistische Literatur in Ãobereinstimmung mit den gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten und den wahren Interessen der breiten Volksmassen frei entwickeln konnten. Die bis 1945 stets behinderten oder unterdrückten demokratischen und sozialistischen Elemente der Literatur wurden in der sowjetischen Besatzungszone und in verstärktem Maße dann in der DDR vorherrschend, während die Literatur des Imperialismus ihren gesellschaftlichen Boden verlor und mit ihren offen apologetischen Formen aus dem öffentlichen literarischen Leben dieses Teils Deutschlands verschwand. In den an Schärfe zunehmenden Auseinandersetzungen über den literarischen Realismus, das Hauptfeld des literarisch-ästhetischen Kampfes, ergab sich ein neues Kräfteverhältnis. Der Sieg der sozialistischen Sowjetunion und die im Gefolge der erneuten Niederlage des deutschen Imperialismus wachsende Autorität der Arbeiterklasse und der demokratischen Volkskräfte gaben auch der Anwendung der realistischen Methode in der Literatur einen starken Auftrieb. Dem Interesse dieser gesellschaftlichen Kräfte an der Aufdeckung der wirklichen gesellschaftlichen Beziehungen und an einer auf die revolutionären Veränderungen aktiv einwirkenden Literatur entsprach einzig und allein die Methode des Realismus. Konsequente Orientierung auf die Wirklichkeit, Darstellung der entscheidenden historisch-gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten, Hinwendung zu den gegenwärtig zu lösenden Aufgaben, breite Wirksamkeit - solche Wesenszüge der realistischen Literatur wurden fortgesetzt und weiterentwickelt. Das Ringen um Volksverbundenheit und Parteilichkeit sowie um den literarischen Ausdruck des Wesens der Epoche zeichneten diese Literatur aus.
      Die entscheidende Besonderheit aber des literarischen Realismus in dieser Zeit ergab sich aus seinem neuen Verhältnis zu den jetzt herrschenden demokratischen Volkskräften und der Arbeiterklasse: War bisher die kritische Funktion realistischer Literatur dominierend gewesen, so trat nun die konstruktiv-erzieherische, auf die positive Veränderung der gesellschaftlichen Realität gerichtete Komponente des Realismus in den Vordergrund. Die ständige Entfaltung des real-humanistischen Wesens der neuen Gesellschaft und die allseitige Entwicklung ihrer Menschen war in der realistischen Literatur zu erfassen und durch sie zu fördern. Das bedeutete für die Dichter und Schriftsteller eine völlige Neuorientierung, die sie nur unter konfliktreichen Mühen und bei intensiver theoretischer Selbstverständigung zu vollziehen vermochten. Die enge Verbindung mit den realen gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen, die ständige literarische und außerliterarische Parteinahme in ihnen, erwies sich als unerläßliche Bedingung, um diese vorrangige Aufgabe der realistischen Literatur zu meistern. Als eine weitere Besonderheit trat hinzu, daß die großen revolutionären Veränderungen mit ihren fruchtbaren, aber anstrengenden Umgestaltungen aller gesellschaftlichen und menschlichen Beziehungen ständig neue Probleme aufwarfen und die Darstellung literarisch erstmals zu bewältigender Stoffkomplexe erforderten. Anna Seghers formulierte dieses Kennzeichen der Hauptentwicklungslinie realistischer deutscher Literatur nach 1945 folgendermaßen: 'Jede Kunstperiode - von der Antike bis zur Renaissance, von der Renaissance bis heute - beginnt mit der Entdeckung einer neuen Wirklichkeit, einer äußeren und einer inneren. Vollkommen neu ist hier in der DDR unsere Wirklichkeit. Sie wird zum erstenmal von deutschen Schriftstellern dargestellt. Sie ist neu und dauernd verändert. Ja, dauernd verpflichtet zur Veränderung, wie der Autor selbst, also zwei heftige Bewegungen in einem: die des Autors, die der Wirklichkeit." [4]
Eines dieser für die realistische Literatur der DDR außerordentlich folgenreichen neuen Elemente der gesellschaftlichen Wirklichkeit bestand darin, daß sich der qualitative Charakter der gesellschaftlichen Widersprüche veränderte und sich neue Bedingungen für die Lösung von Widersprüchen innerhalb der neuen gesellschaftlichen Ordnung ergaben. Die Herausbildung von nichtantagonistischen Widersprüchen neben den antagonistischen, ihr Nebeneinander in der Periode des Ãobergangs, die Vorherrschaft der nichtantagonistischen Widersprüche schließlich nach dem Sieg der sozialistischen Produktionsverhältnisse in der DDR und ihre komplizierte Verbindung mit den von außen, besonders durch die Existenz des imperialistischen Westdeutschland hervorgerufenen antagonistischen Widersprüchen - diese Konstellationen beeinflußten die realistische Gestaltung literarischer Konflikte in vorher nicht gekannter Weise. Die Darstellung der aus den nichtantagonistischen Widersprüchen resultierenden neuartigen Konfliktsituationen bedurfte gründlicher Erprobung. Dabei - wie überhaupt bei der Meisterung dieser Besonderheiten der realistischen literarischen Methode in dieser Zeit - erwies sich der echte

Avantgardismus literarischen Schaffens, wurden Pionierleistungen vollbracht, die der Literatur der DDR neue Ausblicke eröffneten.
      Die neue Funktion einer in der Gesellschaft herrschenden Literatur mit vorwiegend konstruktiv-erzieherischen Aufgaben hatte auch die Ausbildung einer großen Vielfalt von Stoffen und Themen, Formen und Genres zur Folge. Das war notwendig, um die mannigfaltigen literarischen Bedürfnisse aller Menschen in allen Schichten der Bevölkerung zu befriedigen. Wenngleich auch jetzt die politischen Aspekte des literarischen Schaffens und die Aneignung der neuen wichtigen Stoffbereiche zeitweilig stark im Vordergrund standen, wandte sich die realistische Literatur insgesamt doch mehr und mehr an den ganzen Menschen. Diese schon in der sozialistischen Exilliteratur erhobene und zum Teil vorbildlich praktizierte Forderung war durch die gesamtgesellschaftliche Verantwortung der fortschrittlichen Kräfte und ihrer Literatur jetzt in neuartiger Weise aktuell. In prinzipieller Abgrenzung gegen alle Bestrebungen, Individuum und Gesellschaft voneinander zu trennen oder gar gegenüberzustellen, wurde zunehmend auch der Gestaltung individuell-persönlicher Probleme, der zwischenmenschlichen Beziehungen und des Verhältnisses von Mensch und Natur Bedeutung zugemessen.
     

 Tags:
HORST  HAASE  -  25  Jahre  SED  -  25  Jahre  demokratische  sozialistische  Literatur    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com