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FRIEDRICH SCHILLER - Vorrede zur ersten Ausgabe der 'Räuber



Da sie [die dramatische Methode] uns ihre Welt gleichsam gegenwärtig stellt, und uns die Leidenschaften und geheimsten Bewegungen des Herzens in eigenen Ã"ußerungen der Personen schildert, so wird sie auch gegen die beschreibende Dichtkunst um so mächtiger würken, als die lebendige Anschauung kräftiger ist, denn die historische Erkenntnis. [...]

Wahr also ist es, daß der echte Genius des Dramas, welchen Shakespeare [.. .] in seiner Gewalt mag gehabt haben, f. ..] tiefer in die Seele gräbt, schärfer ins Herz schneidet und lebendiger belehrt als Roman und Epopöe und daß es der sinnlichen Vorspiegelung gar nicht einmal bedarf, uns diese Gattung von Poesie vorzüglich zu empfehlen. Ich kann demnach eine Geschichte dramatisch abhandein, ohne darum ein Drama schreiben zu wollen. Das heißt: Ich schreibe einen dramatischen Roman und kein theatralisches Drama. Im ersten Fall darf ich mich nur den allgemeinen Gesetzen der Kunst, nicht aber den besondern des theatralischen Geschmacks unterwerfen.
      [. ..] Die Ã-konomie desselben [des Schauspiels 'Die Räuber"] machte es notwendig, daß mancher Charakter auftreten mußte, der das feinere Gefühl der Tugend beleidigt und die Zärtlichkeit unserer Sitten empört. [...] Diese unmoralische Charaktere mußten von gewissen Seiten glänzen, ja oft von Seiten des Geistes gewinnen, was sie von Seiten des Herzens verlieren. Jeder dramatische Schriftsteller ist zu dieser Freiheit berechtigt, ja sogar genötigt, wenn er anders der getreue Kopist der wirklichen Welt sein soll. [...]
Erstdruck: Die Räuber. Ein Schauspiel. Frankfurt und Leipzig 1 78 I. - Während des Drucks wurden der Titelbogen und der zweite Textbogen dieser Erstausgabe vom Verfasser zurückgezogen und durch überarbeitete Fassungen ersetzt. Je ein Exemplar mit der ursprünglichen Version des Titelbogens beziehungsweise des Bogens B befindet sich im Schiller-National-Museum in Marbach. Textvorlage: Schillers Werke. Nationalausgabe. Im Auftrag des Goethe- und Schiller-Archivsund des Schiller-Nationalmuseums hg. von Julius Petersen t und Hermann Schneider. 3. Bd.: Die Räuber. Hg. v. Herbert Stubenrauch. Hermann Böhlaus Nachfolger. Weimar 1953, S. 243-244.
     

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FRIEDRICH  SCHILLER  -  Vorrede  zur  ersten  Ausgabe  der  'Räuber    





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