Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Textsammlung zur deutschen literaturgeschichte

Index
» Textsammlung zur deutschen literaturgeschichte
» ENTWURF EINES AKTIONSPROGRAMMS (BPRS)

ENTWURF EINES AKTIONSPROGRAMMS (BPRS)



Die Literatur als wichtiger Bestandteil des ideologischen Ãœberbaus der Gesellschaft tritt in der Epoche der proletarischen Revolution in ein neues Stadium. Nicht allein, daß die bürgerliche Literatur von diesem Kampf beeinflußt wird, auch innerhalb des Proletariats beginnt eine neue Literatur. So sehen wir das Entstehen einer proletarisch-revolutionären Literatur nicht allein nach der Machteroberung durch das Proletariat wie in der Sowjetunion, sondern auch schon als Begleiterscheinung der Zuspitzung der Klassengegensätze und der fortschreitenden Klassenkämpfe in den bürgerlichen Staaten. Auch die Befreiungsbewegung des deutschen Proletariats hat einen Niederschlag in der proletarisch-revolutionären Literatur Deutschlands gefunden.
      Wenn auch vorerst qualitativ und quantitativ noch schwach, ist sie dennoch da, und mit der Tatsache ihrer Existenz beweist sie die Unhaltbarkeit jener Lehren, die sogar die Möglichkeit einer besonderen proletarisch-revolutionären Literatur anzweifeln.
      Es besteht also die Aufgabe, die Ansätze der proletarisch-revolutionären Literatur in Deutschland bewußt weiterzuentwickeln, ihr die führende Stellung innerhalb der Arbeiterliteratur zu verschaffen und sie zur Waffe des Proletariats innerhalb der Gesamtliteratur zu gestalten.
      In der Annahme, daß ein endgültiges Programm nur im Prozeß der Arbeit entsteht, legt der BPRS als Grundlage seiner Tätigkeit folgende Richtlinien vor:
1. In der Klassengesellschaft dient die Literatur, wie die übrige Ideologie, den Aufgaben einer bestimmten Klasse. Daraus folgt, daß die proletarisch-revolutionäre Literatur eine solche ist, die Herz und Hirn der Arbeiterklasse und der breiten werktätigen Massen für die Aufgaben des Klassenkampfes, für die Vorbereitung der proletarischen Revolution gewinnt, entwickelt und organisiert.

     
2. Im Prozeß des Klassenkampfes hat die proletarisch-revolutionäre Literatur ferner die Aufgabe, neben dem Proletariat die werktätigen Mittelschichten und Kopfarbeiter für die proletarische Revolution zu gewinnen oder zum mindesten zu neutralisieren.
      3. Die proletarisch-revolutionäre Literatur steht in schärfstem Gegensatz zur bürgerlichen. Die bürgerliche Literatur verwischt bewußt oder unbewußt die Klassengegensätze, flüchtet oft aus der Wirklichkeit und verhüllt ihren Inhalt in kunstreichen, von geschulten Literaten handwerksmäßig gemeisterten Formen. Hingegen bleibt die proletarisch-revolutionäre Literatur in der Wirklichkeit, deckt die Klassengegensätze auf und enthüllt den wahren bürgerlichen Klassencharakter der 'überpolitisch" sein wollenden Literatur.
      4. Die proletarisch-revolutionären Schriftsteller betonen gegenüber dem bürgerlichen Kunstbetrieb den Vorrang des Inhalts vor der Form. Sie lehnen alle literarischen Richtungen ab, die sich höchst 'revolutionär" dünken, weil sie die bestehenden Formen umstürzen oder auf den Kopf stellen. Nicht durch die Revolutionierung der Form bekommt die Literatur einen revolutionären Wert, sondern die neue revolutionäre Form kann und muß ein organisches Produkt des revolutionären Inhalts sein.
      5. Die proletarisch-revolutionären Schriftsteller bekennen sich in vollem Bewußtsein dazu, daß ihr Schaffen ein Waffe der Agitation und Propaganda im Klassenkampf sein soll, und betrachten die 'Tendenz" als notwendigstes Rückgrat ihres Werkes.
      Die Aufgaben des BPRS sind:
1. Durch Zusammenfassung derjenigen Schriftsteller, die bereits in proletarisch-revolutionärem Sinne schaffen, sie zu stärken und vorwärtszubringen;
2. das Arbeitsgebiet dieser Literatur mit allen zur Verfügung stehenden und noch zu schaffenden Mitteln zu verbreitern und ihre bis jetzt noch lückenhafte Theorie auf dialektisch-materialistischer Grundlage auszuarbeiten;
3. den Kampf gegen die bürgerliche Kunst theoretisch und praktisch, also durch Kritik und Schaffen, wachzuhalten und zu verschärfen;
4. diejenigen Elemente der Arbeiterklasse, Von denen eine fruchtbare Weiterentwicklung der proletarisch-revolutionären Literatur zu erwarten ist, vor allem die Arbeiterjugend und Arbeiterkorrespondenten, heranzuziehen, sie zu schulen und zu fördern; 5. an der Verteidigung der Sowjetunion als des Staates des schon zur Macht gelangten Proletariats aktiv teilzunehmen; aus der Praxis und Theorie der proletarisch-revolutionären Literatur der Sowjetunion zu schöpfen und die eigenen praktischen und theoretischen Ergebnisse ihr zur Verfügung zu stellen.
      Erstdruck: Entwurf eines Aktionsprogramms. In: Die Rote Fahne, Nr. 255. 28. Oktober 1928.
      Textvorlage: Zur Tradition der sozialistischen Literatur in Deutschland. Eine Auswahl von Dokumenten. Hg. und kommentiert von der Akademie der Künste der DDR zu Berlin. Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 21967, S. 118-120.
     

 Tags:
ENTWURF  EINES  AKTIONSPROGRAMMS  (BPRS)      




Impressum

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com