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Textsammlung zur deutschen literaturgeschichte

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Die Erzählkunst im Umkreis der Romantik



Es liegt im Wesen der Romantik begründet, deren Repräsentanten die weltgeschichtliche Funktion der bürgerlichen Revolution wie derbürgerlichen Gesellschaft nicht verstehen konnten, daß ihre Romane zwar im einzelnen neue Möglichkeiten der literarischen Gestaltung fixierten, das Entstehen eines realistischen bürgerlichen Gesellschaftsromans jedoch nicht entscheidend beförderten.

      Wesentliche Anstöße gaben aber die romantischen Dichter zur Entwicklung der kleinen erzählerischen Formen. Während des 19. Jahrhunderts stieg in Deutschland die Erzählung - besonders ihre konzentrierteste und strengste Form: die Novelle — in den Rang einer der künstlerisch ergiebigsten Literaturgattungen empor. Ihr Aufstieg zu einer Zeit, da die europäische Literatur völlig im Zeichen des großen Romans stand, wird besonders überraschend dadurch, daß sie keine lange und dichte Tradition hinter sich hatte. Zwar läßt sich ihre Vorgeschichte bis in das Mittelalter zurückverfolgen; aber erst mit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert wurden in der deutschen Literatur die Möglichkeiten offenbar, welche die kleinen Erzählformen zur Gestaltung der wesentlichen epochalen und individuellen Probleme boten. Die literarische Initiative ging dabei vor allem von Kleist und den Romantikern aus. Goethe hatte am Ende des 18. Jahrhunderts die Novelle der romantischen Tradition rezipiert. Er versuchte im Rahmen seines Novellenzyklus 'Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten" ihre kulturelle Funktion zu bestimmen: Die Vermittlung von Neuigkeiten, die zum Wesen der Novelle gehöre, könne dazu beitragen, eine unterhaltsame, leicht erregte Geselligkeit zu bilden, deren Teilnehmer von ihren verborgenen aggressiven Affekten zu befreien und von ihren Meinungsverschiedenheiten abzulenken. Den Dichter interessierten darüber hinaus vor allem diejenigen Geschichten, die 'noch einen reineren, schöneren Reiz haben als den Reiz der Neuheit", 'die uns die menschliche Natur und ihre inneren Verborgenheiten auf einen Augenblick eröffnen". Die Novelle sollte — nach Goethes Auffassung — die Aufmerksamkeit auf das Fernziel menschlicher Entwicklung hinleiten, auf die schöne Individualität und harmonische Sozietät. In diesem Zusammenhang forderte Goethe für die Novelle eine ausgeglichene und ausgleichende Form. Abgelehnt werden diejenigen Geschichten, 'bei welchen nach Weise der ,Tausendundeinen Nacht' eine Begebenheit in die andere eingeschachtelt, ein Interesse durch das andere verdrängt wird, wo sich der Erzähler genötigt sieht, die Neugierde, die er auf eine leichtsinnige Weise erregt hat, durch Unterbrechung zu reizen und die Aufmerksamkeit, anstatt sie durch eine vernünftige Folge zu befriedigen, nur durch seltsame und keineswegs lobenswürdige Kunstgriffe aufzuspannen". Goethe verwarf also diejenigen li-terarischen Techniken, die eine gewaltsame, äußerste Anspannung des Lesers bezweckten - späterhin haben sich ihrer vor allem Kleist und E. T. A. Hoffmann bedient -; er verlangte Maß und Harmonie. Die ästhetischen Ansprüche schließen dabei ein soziales Ideal ein. Die Abwehr des Extremen, der Widerwille gegen Ãœberspannung ergeben sich aus dem Wunsch nach behutsamer Förderung des ^Menschlichen.
      Die Novellenkonzeption, die Goethe in den 'Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten" entwickelte, setzt voraus, daß sich das Individuum als Glied einer sozialen Gemeinschaft fühlen konnte, deren Gesetze mit den allgemeinen Forderungen des Verstandes und der Moral in Ãœbereinstimmung zu bringen waren. Die sich entwickelnde bürgerliche Gesellschaft erschien Goethe zwar im einzelnen vielfach unvollkommen - gefährdet durch das ängstliche Nützlichkeitsdenken des Philisters ebenso wie durch die anmaßende Selbstsucht der Privilegierten-; dennoch hielt er es für möglich und damit auch erstrebenswert, daß sie zu einer vernünftigen und wahrhaft menschlichen Gesellschaftsorganisation entwickelt werde. Auf dieser Grundlage gingen seine dichterischen Intentionen nicht so sehr dahin, sich mit den Aktualitäten der geschichtlichen Situation kritisch-analytisch auseinanderzusetzen, ihm kam es vor allem darauf an, im Vorübergehenden das Dauernde, im Wirklichen das Ideale sichtbar zu machen.
      Die Romantiker gaben der bürgerlichen Gesellschaft keine echte Perspektive, was nicht bedeutet, daß sie ihr die Möglichkeiten zu Wandlungen, Reformen, Verbesserungen absprachen; nur diese möglichen Veränderungen schienen ihnen nichts bringen zu können, was für den Menschen wesentlich werden konnte. Die Romantiker hatten nicht mehr die Hoffnung, daß ihre Ideale sich im Gang der geschichtlichen Entwicklung verwirklichen würden. Die Erfüllung der menschlichen Existenz war ihnen nur noch in einem ungeschichtlichen, wenn man so will, übergeschichtlichen Raum vorstellbar. Das menschheitlich Bedeutsame konnte sich nach ihrer Auffassung nicht durch die bewußte Organisation der Gesellschaft, sondern eher trotz dieser Organisation ereignen - in den Sphären, die vorläufig relativ unabhängig von dieser Organisation erschienen: in Philosophie, Religion, Kunst.
      Auf der Grundlage dieses geänderten Gesellschaftsverhältnisses bildeten sich das Individualitätsbewußtsein und Menschenbild der deutschen Romantik. Das Individuum, das die sozialen Bindungen •der aufklärerischen Geschichtskonzeption nicht mehr akzeptierte, sah sich auf sich selbst gestellt und fühlte die Gefahr, die Basis undden Halt seiner Existenz zu verlieren. Die Problematik des Individuums, das sich als isoliert und im Gegensatz zur Gesellschaft begriff, war der eigentliche Gegenstand romantischen Erzählens. Er ließ sich in den kleinen epischen Formen wirklichkeitsgemäß erfassen, da er nicht die breite Darstellung sozialer Umstände verlangte. Der Antagonismus von Individualität und kapitalistischer Gesellschaft bot im besonderen die Basis für die Entwicklung der deutschen Novelle im 19. Jahrhundert. Die Eigenart dieser Gattung, daß nämlich eine zum Aufmerken veranlassende 'unerhörte Begebenheit" im Zentrum einer einsträngigen, knappen, durch Wendepunkte meist deutlich markierten Handlung steht, machte sie besonders geeignet, den punktuellen Zusammenstoß von individuellem Anspruch und sozialer Norm zu gestalten. Ãœberdies bot die Möglichkeit zur symbolischen Ãœberhöhung des novellistischen Ereignisses auch die Chance, im charakteristischen Einzelfall das Wesen einer Gesellschaft realistisch widerzuspiegeln, die - wie die deutsche des 19. Jahrhunderts - wegen der Disparatheit ihrer Strukturen, ihres sozialen Zwitterzustandes als Ganzes nicht angemessen darzustellen war. [...]
Auffällig ist die Vorliebe der Romantiker für das Märchen. Sie steht damit im Zusammenhang, daß die Romantiker ihre individuell-sozialen Konflikte, die sie praktisch nicht bewältigen konnten, durch den Bezug auf eine übersinnliche Gegen- und Ãœberwelt ideell zu lösen versuchten. In der Frühromantik hatte Novalis, entsprechend der Auffassung, daß sich der Widerspruch von Individuum und Gesellschaft durch die Besinnung auf die inneren Kräfte des Ichs lösen lasse, so daß aus dem Alltagsleben wieder eine Art 'Feenwelt" hervorgehen könne, seinen epischen Dichtungen die Tendenz zu einem märchenhaften, von der zeitgenössischen Gesellschaftswirklichkeit abgehenden Erzählen gegeben.
      Diese Tendenz läßt sich auch in den frühen Märchen Tiecks -etwa im 'Blonden Eckbert" - feststellen. Die in ihnen verschwimmenden Ãœbergänge vom Selbstverständlich-Gewohnten zum Unverständlich-Schrecklichen, das Ineinander von Wirklichem und Wunderbarem erzeugen das Bewußtsein von der Un-wirklichkeit des Wirklichen und dadurch - hier liegt ein wesentlicher Unterschied zu den Märchen des Novalis - ein Gefühl der Unsicherheit. Der Leser wird dem Grauen ausgesetzt, ihm öffnet sich eine abgründige Vergangenheit, er erkennt seine hilflose Vereinzelung und wird auf das Wirken einer grausigen, außermenschlichen Macht hingewiesen.

     
Die Tendenz zur Entwirklichung der Wirklichkeit, die in der frühromantischen erzählenden Dichtung festzustellen ist, behielt nicht ihre ursprüngliche Intensität. Die Entwicklung des Märchendichters Tieck bietet dafür ein Beispiel. Seine Märchen 'Der Pokal", 'Liebeszauber" und 'Die Elfen", die nach 1810 entstanden, lassen wesentliche Unterschiede zu seinen frühen Märchen erkennen. Im Mit- und Gegeneinander von wirklicher und höherer Welt haben sich die Gewichte verlagert. Die Wirklichkeit erscheint stabilisiert, wird ernster genommen; die Märchenmotive sind in sie eingefügt. Auch die geistige Tendenz ist im bürgerlich-lebenspraktischen Sinne rationalisiert. Wenn in den 'Elfen" noch einmal die Märchen- und Sagenrequisiten aufgestellt werden, so geschieht das nicht mehr vornehmlich, um romantischen Stimmungszauber zu entfalten oder die gefühlten Lebensgefährdungen märchenhaft zu verdeutlichen, sondern am Ende steht - mit ziemlicher Bewußtheit formuliert - eine Art Lebenslehre. Der Gegensatz von lieblicher Elfenwelt und trockenem Menschenalltag, die Möglichkeit einer segensvollen Verbindung beider Sphären in der Kindheit motivieren die Aufforderung an den Leser, er solle nicht zu schnell groß und vernünftig werden.
      In den meisten erzählenden Dichtungen Arnims, Brentanos, Hoffmanns und Chamissos erscheint die Wirklichkeit nicht als stabil, undurchbrechbar, sondern als offen für Einbrüche des Uberwirklichen. Es zeigt sich die Tendenz zum Märchen. Aber eine märchenhafte Vernichtung des Wirklichen, seine Aufhebung durch Poesie, wie sie in der literarischen Theorie der Frühromantik postuliert wurde, erscheint nicht mehr als vor- und darstellbar. Die Wirklichkeit hatte sich gegenüber dem romantischen Individuum als umstellende, bedrängende, erniedrigende Gegenmacht behauptet; ihre generelle Aufhebung mußte als wirklichkeitsfremde Illusion erscheinen. Im Ergebnis dessen verstärkte sich der Wirklichkeitsgehalt der romantischen erzählenden Dichtungen, es vermehrten sich die unmittelbar gesellschaftskritischen Tendenzen, es änderten sich die Techniken des Erzählens. Elemente des kritischen Realismus bildeten sich aus.
      Die stark und weit wirkende Ausstrahlungskraft dieser Dichtungen beruht vor allem darauf, daß die Erzähler der späteren Romantik das Gesellschaftsverhältnis und Selbstverständnis vorgeformt haben, die sich das bürgerliche Individuum im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts aus- und einbildete. Das war möglich, weil sie, durch die Antinomien der bürgerlichen Gesellschaft innerlich betroffen, diese unmittelbar reflektierten, sie in cha-rakteristischen Figuren und Situationen prägnant erfaßten und sie zugleich auf eine metaphysische Problematik bezogen, also die Existenzgrundlagen der bürgerlichen Gesellschaft nicht in Frage stellten. [...]
â–  Die erzählenden Dichtungen, die zwischen 1806 und 1815 im Umkreis der Romantik entstanden, unterscheiden sich vielfach und stark durch die Art ihrer Gegenstände, Tendenzen und Techniken. Sie zeigen Gemeinsamkeiten vor allem in ihrem Bezug zur gesellschaftlichen Wirklichkeit. In ihnen spiegelt sich die ablehnende Reaktion von Intellektuellen, die nicht oder nur sehr vermittelt mit den Emanzipationsbestrebungen der bürgerlichen Klasse verbunden waren, auf die Herausbildung und Festigung der bürgerlichen Gesellschaftsverhältnisse innerhalb des erschütterten feudalabsolutistischen Herrschaftssystems. In vielen Fällen reflektierten sie zugleich eine engagierte Parteinahme für die patriotische anti-napoleonische Bewegung, die ihrem sozialen Wesen nach zum bürgerlichen Nationalstaat tendierte und insofern einen wesentlichen Faktor im Kampf der bürgerlichen Klasse für den gesellschaftlichen Fortschritt darstellte, die aber auch zumindest partiell im Interesse der von Napoleon bedrohten feudalabsolutistischen Gewalten lag. Die Dichtungen besaßen also im allgemeinen einen sehr engen Zeitbezug, der aber in sich widersprüchlich war. Bestimmend für die ästhetische Gestaltung war der Widerwille gegen die bürgerlichen Gesellschaftsverhältnisse, also vor allem gegen die Kommerzialisierung, Utilitarisierung und Rationalisierung der menschlichen Beziehungen. Das schloß, da die Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, die Ausbildung und Festigung des ihnen entsprechenden Ãœberbaus den das Wesen der Epoche bestimmenden gesellschaftlichen Umwälzungsprozeß darstellten, tiefe Skepsis gegenüber den Möglichkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung, die Neigung zu illusionistischen Harmonisierungs- und Lösungsversuchen und die Gefahr reaktionärer Stellungnahmen ein.
      Das Mißtrauen gegen die bürgerliche Gesellschaft wird in vielen Fällen durch die politische Parteinahme für die> patriotische Bewegung überlagert. Dieses Engagement bietet die Grundlage für die Aufnahme volkstümlich-nationaler Traditionen, für das Bemühen um eine volkserzieherisch wirksame Literatur und auch für Angriffe auf die Apathie, Schwäche und Korruption der höheren Stände. Die patriotische Parteinahme berücksichtigte aber den sozialbürgerlichen Gehalt des nationalen Kampfes kaum und konntedeshalb zur Stärkung des feudalabsolutistischen Regimes ausgenutzt werden.
      Der romantische Widerstand gegen alle gesellschaftlichen Entwicklungen, die auf einen ausgebildeten Kapitalismus hinführten, wirkte dem Entstehen eines großen Gesellschaftsromans entgegen. Es entwickelte sich zwar ein romantischer Zeitroman mit starken volkserzieherischen Tendenzen, der auch Anregungen der klassischen Romantradition aufnahm; aber die sich in ihm vollziehende Auseinandersetzung mit dem politischen und kulturellen Zustand der Gesellschaft erfolgte im Zeichen eines illusionären, sich aus religiösen, moralischen, ästhetischen Elementen zusammensetzenden Lebensideals, das - als ideelle Gegenmacht der geschichtlichen Wirklichkeit begriffen - diese in den Dichtungen durchdringt, partiell vernichtet und als illusionäre Menschheitsperspektive wirkt. Die Kraft des romantischen Ideals hebt in den Romanen Arnims und Eichendorffs die reale Objektivität der gesellschaftlichen Konflikte auf, die, grundlegend für die bürgerliche Gesellschaft, den Gegenstand des bürgerlichen Gesellschaftsromans darstellen.
      Weiterwirkende, traditionsbildende Leistungen wurden vor allem in den kleineren epischen Formen erreicht. Der in ihnen wirksam werdende Zwang zur gestalterischen Konzentration, die Möglichkeit, den umfassenden sozialen Zusammenhang der aufgegriffenen individuellen Konflikte aus der direkten Darstellung herauszulassen, statt dessen dem konkreten Einzelfall, der 'sich ereigneten unerhörten Begebenheit" symbolische Bedeutung zu geben und ihn dadurch als charakteristisch für den bürgerlichen Gesellschaftszustand darzustellen, boten die Grundlage eines erregenden, auch international wirksamen Realismus. Der Widerspruch zwischen einer reichen, starken Subjektivität und der von Vorteilsdenken geprägten, durch Mißtrauen vergifteten, nach administrativer Zweckmäßigkeit organisierten, konventionell erstarrten Gesellschaft wurde als Symptom einer für die Menschheit unheilvollen Entwicklung mit ebenso großer darstellerischer Intensität erfaßt wie der unaufhebbare Gegensatz von Kunst und Kapital, von bourgeoisem und künstlerischem Wirklichkeitsverhältnis. Bei der satirischen Darstellung bourgeoiser und kleinbürgerlicher Typen und Verhaltensformen wurde Bleibendes geschaffen. Dennoch lassen sich auch die Erzählungen und Novellen nicht schlechthin als realistisch klassifizieren. Auch in vielen von ihnen dominiert die Tendenz zur ideologischen Harmonisierung der aufgegriffenen Widersprüche, in einigen wird die menschliche

Vereinzelung in der bürgerlichen Gesellschaft als abstraktes Individualitätsproblem reflektiert, andere bauen eine phantastische, gespenstische und märchenhafte dichterische Welt auf, die - zwar Reflex realer gesellschaftlicher Konflikte - sich aber ihnen gegenüber völlig oder weitgehend verselbständigt; sie bleiben infolgedessen auf den Ausdruck subjektiver Ideologie beschränkt.
      Das romantische Lebens- und Kunstideal wurde nur dann für die Entwicklung einer realistischen Literatur produktiv, wenn es durch die dichterische Kontrastierung mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit deren Konflikte sichtbar machte. Auf diese Weise konnte mit Hilfe phantastisch-gespenstischer Gestaltungselemente die Widersinnigkeit der bürgerlichen Gesellschaftsbeziehungen in ihrer erschreckenden Gefährlichkeit, als unheimliche Bedrohung der Menschheit gestaltet werden. In dem Maße aber, wie das romantische Ideal seine harmonisierende Kraft verlor und sich infolgedessen die realistisch-gesellschaftskritische Tendenz der Dichtungen verstärkte, lockerte sich auch ihr Zusammenhang mit der romantischen Ideologie. Beispiele dafür bieten die Dichtungen E. T. A. Hoffmanns und Chamissos. Auch die Novellen Kleists weisen keine romantische Perspektive. Sie stellen dem Individuum die Aufgabe, alle intellektuellen und moralischen Kräfte anzustrengen, um sich in der von Widersprüchen zerrissenen Gesellschaft zu behaupten. Durch die illusionslose Herausarbeitung der Konflikte des 'freigesetzten" Individuums mit seiner Umwelt werden die Antinomien der Klassengesellschaft in außerordentlicher Zuspitzung deutlich; andererseits bleibt Kleists Gesellschaftskritik ohne soziale Perspektive. Der einzelne Mensch wird auf sich selbst verwiesen - ohne Hoffnung darauf, daß sich die Gesellschaft im Grunde verändern könne.

     

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