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BERTOLT BRECHT - Ergebnisse der Realismusdebatte in der Literatur



Die große Realismusdebatte in der Literatur, die, ausgehend von der Sowjetunion, eine internationale Bewegung ausgelöst hat, scheint mir zumindest folgende Punkte herausgearbeitet zu haben:
1) Die Romanschriftsteller, welche die Beschreibung des Menschen durch eine Beschreibung seiner seelischen Reaktionen ersetzen und so den Menschen in einen bloßen Komplex seelischer Reaktionen auflösen, werden der Realität nicht gerecht. Weder die Welt noch der Mensch kann sichtbar gemacht werden , wenn nur die Spiegelung der Welt in der menschlichen Psyche oder nur die menschliche Psyche, wenn sie die Welt spiegelt, beschrieben wird. Der Mensch muß in seinen Reaktionen und in seinen Aktionen beschrieben werden.
      2) Die Romanschriftsteller, welche nur die Entmenschlichung, die der Kapitalismus durchführt, also den Menschen nur als seelisch verödet beschreiben, werden der Realität nicht gerecht. Der Kapitalismus entmenscht nicht nur, er schafft auch Menschlichkeit, nämlich im aktiven Kampf gegen die Entmenschung. Der Mensch ist auch heute keine Maschine, er funktioniert nicht nur als Teil einer Maschinerie. Er ist auch vom sozialen Standpunkt aus nicht zureichend beschrieben, wenn er nur als politischer Faktor beschrieben ist.

      Entstanden: Um 1938.
      Erstdruck und Textvorlage: Bertolt Brecht: Schriften zur Literatur und Kunst. Redaktion: Werner Hecht. Bd. 2. Aufbau-Verlag. Berlin und Weimar 1966, S. 55-56.
     

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BERTOLT  BRECHT  -  Ergebnisse  der  Realismusdebatte  der  Literatur    





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