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BERTOLT BRECHT - Der Geist der Versuche



Auf der Umschau nach Vorbildern für die junge proletarische Literatur hat eine große Gruppe innerhalb der marxistischen Literaturtheorie in letzter Zeit die Parole Zurück zum frübbürgerli-chen Roman! aufgestellt und zugleich den entschiedenen Kampf mit gewissen technischen Elementen aufgenommen, die der spätbürgerliche Roman entwickelt hat und die von bekannten Schriftstellernrevolutionärer, antifaschistischer Gesinnung übernommen und weitergebildet worden sind.

      Die Gruppe wurde geführt von Georg Lukäcs, und ihre Argumente waren zum Teil einleuchtend. Die neuen technischen Elemente waren, ihr zufolge, einfache Zersetzungserscheinungen. Sie konnten angesichts des Zustands der bürgerlichen Welt keinen Marxisten überraschen. In all dem, dieser Montage, diesem inneren Monolog, dieser kritischen Stellung der nichtaristotelischen Dramatik zur Einfühlung, lösten sich die große harmonische bürgerliche Erzählung und das Drama auf, die Kunstformen mischten sich. In das Theater brach der Film, in den Roman die Reportage ein. Dem Leser und Zuschauer wurde nicht mehr jener bequeme Platz inmitten der Ereignisse angewiesen, jenes Individuum, mit dem er sich einfühlend identifizieren konnte. Die Verwirrung war groß, und sie entsprach, wie gesagt, allzusehr der sozialen Verwirrung der bürgerlichen Welt, jenem unproduktiven Wirrwarr, als daß man sie nicht hätte mit diesem verwerfen sollen.
      Entstanden: um 1937.
      Erstdruck und Textvorlage: Bertolt Brecht: Schriften zur Literatur und Kunst. Redaktion: Werner Hecht. Bd. 2. Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1966, S. 52—53.
     

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BERTOLT  BRECHT  -  Der  Geist  der  Versuche    





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