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AUTORENKOLLEKTIV - Aus: Aktuelle ästhetische Probleme der Theorie des sozialistischen Realismus



Gorki begreift als Begründer des sozialistischen Realismus das bereits in der 'Mutter" gestaltete Gesellschafts- und Menschenbild ausdrücklich auch, wenngleich nicht nur, als Gegenentwurf zur bürgerlichen Literatur. In seinem Bild vom produktiven Menschen ist die Polemik gegen den Typus des 'überflüssigen Menschen" der zeitgenössischen bürgerlichen Literatur mitgestaltet. Gegen die Zerstörung der Persönlichkeit, skeptische, pessimistische, nihilistische Grundstimmungen, Gefühle der Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit, Angst vor der Zukunft usw., die in der bürgerlichen Literatur um die Jahrhundertwende eindringlich beschrieben wurden, entwirft er im Proletarier das literarische Bildnis vom produktiven Menschen, der sich seiner Kräfte und Fähigkeiten bewußt wird. Er zeigt, wie sie in der Solidarität ihrer Klasse und durch Verbindung mit der proletarischen Bewegung Auswegslosigkeit, Niedergedrücktheit und Verzweiflung überwinden, zu handlungsbereiten Menschen werden, die kühn den Kampf aufnehmen, ihre Lebensbedingungen zu verändern. Das Erwachen proletarischen Klassenbewußtseins wird in der Einheit mit der Entwicklung eines neuartigen Selbstbewußtseins des Arbeiters gestaltet, wobei dies natürlich alles in der Dialektik des praktischen Verhaltens und Tuns, in der neugewonnenen realen historischen Aktionsmöglichkeit des einzelnen gezeigt ist. Es sind Menschen, wie Anna Seghers von Gorkis 'Mutter" sagte, 'die auf der tiefsten Stufe der Not höchsten Begriff von menschlicher Würde" verkörpern. [1] Gegen die immerwährende Reproduktion 'unbeholfener, kraftloser Gedanken in dem langweiligen Einerlei der Tage", gegen die Abgestumpftheit, das 'Knechtsdasein" und 'den Sumpf dieses faulenden Lebens" stellt Gorki bewußt das revolutionäre Aufbegehren, die Lebendigkeit der neuen Klasse, ihre geschichtsbildende Kraft, die sich im politischen Kampf zeigt und bewährt. Der Proletarier als 'leidender Mensch", als 'Erniedrigter und Beleidigter", wie er in der bürgerlichen Literatur bereits aufgetaucht war, wird in Gorkis Gestaltung abgelöst vom Arbeiter, der sich seiner Kraft bewußt und zum Kämpfer für seine Klasse und damit auch seine Sache wird. Die Sphäre der Arbeit und der politische Klassenkampf verschmelzen zur untrennbaren Einheit. Bei Brecht heißt es, daß 'der Kampf um das volle Menschentum in den kämpfenden Menschen" natürlich wieder die Menschlichkeit entfalte, 'aber das ist ein komplizierter Prozeß, und er findet eben nur bei den Kämpfenden statt"[2].[...]

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