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ARNO HOLZ - Die Kunst. Ihr Wesen und ihre Gesetze.



'Die Kunst hat die Tendenz, wieder die Natur zu sein. Sie wird sie nach Maßgabe ihrer Reproduktionsbedingungen und deren Handhabung."
Ja! Das war es! Das hatte mir vorgeschwebt, wenn auch nur dunkel, schon an jenem ersten Winterabend!


Und ich sagte mir:
Ist dieser Satz wahr, d. h. ist das Gesetz, das er aussagt, ein wirkliches, ein in der Realität vorhandenes, und nicht bloß eins, das ich mir töricht einbilde, eins in meinem Schädel, dann stößt er die ganze bisherige 'Aesthetik" über den Haufen. Und zwar rettungslos. Von Aristoteles bis herab auf Taine. Denn Zola ist kaum zu rechnen. Der war nur dessen Papagei.
      Das klang freilich den Mund etwas voll, aber ich konnte mir wirklich, beim besten Willen, nicht anders helfen. Denn ich war mir darüber schon damals so klar, wie ich es mir. noch heute bin. Nämlich, daß alles, was diese 'Disciplin" bisher orakelt hat, genau auf seinem ausgesprochenen Gegenteil fußt. Also, wohlverstanden, daß die Kunst nicht die Tendenz hat, wieder die Natur zu sein! Eine Naivität, deren bisherige länger als zweitausendjährige unum-schränkte Alleinherrschaft leider nur allzu begreiflich ist. Denn sie ist die Naivität des sogenannten 'gesunden Menschenverstandes". [...]
Erstdruck: Arno Holz: Die Kunst. Ihr Wesen und ihre Gesetze, Berlin: Wilhelm Issleib 1891, S. 118 f.
      Textvorlage: Das Werk von Arno Holz. Erste Ausgabe mit Einführungen von Dr. Hans W. Fischer. 10. Bd.: Die neue Wortkunst. Eine Zusammenfassung ihrer ersten grundlegenden Dokumente. J. H. W. Dietz Nachfolger. Berlin 1925, S. 83-84.
     

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ARNO  HOLZ  -  Die  Kunst.  Ihr  Wesen  ihre  Gesetze.    





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