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Textsammlung zur deutschen literaturgeschichte

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A. S. MJASNIKOW - Die Vielfalt der künstlerischen Formen des sozialistischen Realismus



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Seit der Entstehung des sozialistischen Realismus sind bereits sieben Jahrzehnte vergangen. Welche seiner neuen Gestaltungsmittel und Formen haben sich nun als die produktivsten für die weitere Entwicklung erwiesen ?

Auf diese Fragen gibt es drei Antworten. Daraus, daß in der Geschichte der Weltliteratur allein der Realismus seine Lebensfähigkeit bewiesen hat, daß ihm deshalb der Vorzug vor allen anderen Verfahren der ästhetischen Abbildung gebührt und seine Potenzen noch längst nicht ausgeschöpft sind, zieht eine Gruppe von Theoretikern die Schlußfolgerung, daß der sozialistische Realismus nicht durch Gestaltungsmittel der Romantik oder irgendwelcher anderer literarischer Strömungen befruchtet werden könne. Als Grundprinzip des Realismus bezeichnen diese Theoretiker die Widerspiegelung des Lebens in den Formen des Lebens selbst. Diesem Prinzip könnte man durchaus zustimmen, wenn es nicht vielfach allzu einseitig ausgelegt würde, so daß es fast als eine Aufforderung zum Kopieren, nicht aber zum tiefen Eindringen in alle Erscheinungen des Lebens wirkt. Gorki selbst bezeichnete sich mehrfach als einen 'Anhänger des Alltäglichen", er vermochte es aber, sich über seine persönliche Schreibweise zu erheben und auch Verständnis für die künstlerischen Orientierungen anderer Schriftsteller aufzubringen. 'Wenn es darum geht, den Helden der Epoche im richtigen Licht zu zeigen und euch stören dabei die überkommenen Verfahren des Realismus, dann sucht nach neuen Wegen, bringt neue Gestaltungsmittel hervor, hütet euch jedoch davor, einfach Fakten zu kopieren, geratet nicht auf die Bahn des Naturalismus, denn der Fakt ist noch nicht die ganze Wahrheit, man muß auch den Sinn der Fakten erfassen." [1]
Gorki mahnte die sowjetischen Schriftsteller immer wieder, ernsthaft nach neuen Gestaltungsmöglichkeiten zu suchen, und warnte sie davor, sich auf ausgetretenen Pfaden zu bewegen. Es versteht sich von selbst, daß man aus den Gorkischen Formulierungen nicht eine Ablehnung der Grundprinzipien der sozialistisch-realistischen Methode herauslesen darf. Gorki hatte bei diesen Ã"ußerungen immer den sogenannten 'Realismus des Alltäglichen" im Auge, nicht aber die realistische Methode. Er sprichtin den angeführten Beispielen stets nur von den Formen, den bevorzugten Gestaltungsmitteln des Realismus, nie vom Realismus als Methode.
      Die zweite Art, Weite und Vielfalt des sozialistischen Realismus zu verteidigen, hat ihren Ahnherrn in Lunatscharski. Die sowjetische Literatur zeichnete sich von Anfang an durch eine ungeheure Fülle künstlerischer Individualitäten aus, denen die Revolution erstmals die Möglichkeiten zur vollen Entfaltung eröffnete. Das hatte Lunatscharski tief erfaßt. Im Jahre 1926 schrieb er: 'Die Revolution ist mutig, sie liebt das Neue, sie liebt das Hervorstechende ... - mit Freuden macht sich ihre Kunst alles zu eigen, was der Bereicherung des Realismus auf ihrem Gebiet dient. Sie kann in sich die phantastische Ãobertreibung, die Karikatur und Deformationen verschiedener Art vereinen, wenn diese Formen der Erhellung der Wirklichkeit durch die Kunst von Nutzen sind. Macht die wirkungsvolle Gestaltung einer bestimmten sozialen Erscheinung eine ihr völlig unähnliche, aber reale Darstellung notwendig und offenbart diese verzerrte oder karikierte Gestaltung genau das, was sich hinter dem glatten und unscheinbaren Ã"ußeren der Erscheinung verbirgt, so handelt es sich natürlich um eine zutiefst realistische Gestaltungsweise." [2]
Die Anhänger dieses Standpunktes sind der Meinung, daß die Widerspiegelung des Lebens in den Formen des Lebens selbst keine ausreichende Grundlage für die Definition des sozialistischen Realismus biete. Denn dieses Gestaltungsmittels bedienen sich ebenso die Naturalisten wie auch die Lieferanten von Trivialliteratur. Andererseits ließen sich bedeutende Werke des sozialistischen Realismus nicht in diesen Rahmen zwängen. Man darf also nicht einige Formen der Widerspiegelung verabsolutieren und andere völlig ausschließen. Das Leben kann auf sehr verschiedene Weise künstlerisch widergespiegelt werden. Fadejew erfaßt dieses Problem mit aphoristischer Genauigkeit, wenn er sagt: 'Alles muß dem Wesen nach dem Leben entsprechen, aber es muß dabei durchaus nicht dem Leben gleichen." [3]
In diesem Zusammenhang möchten wir daran erinnern, daß Lenin nicht nur Gorkis Roman 'Die Mutter", in dem das Leben unmittelbar nachgestaltet.ist, sehr schätzte, sondern auch Majakowskis Gedicht 'Die auf Sitzungen Versessenen", in dem sich eine Fülle verschlüsselter, mittelbarer Gestaltungselemente findet. Er war es auch, der Bogdanow den Rat gab, einen wissenschaftlich-utopischen Roman über die Ausplünderung der Welt durch die Kapitalisten zu schreiben. Der sozialistische Realismus bietet also Raum für die verschiedensten Gestaltungsweisen bei der Widerspiegelung der Wirklichkeit.
      Zwischen den beiden, hier nur kurz skizzierten Standpunkten gibt es schon längere Zeit einen fruchtbaren Meinungsstreit, der die Wissenschaft durchaus bereichert.
      Eine dritte Position wird von den Anhängern des sogenannten 'liberalen" oder 'demokratischen" Sozialismus, d. h. von modernen Revisionisten eingenommen. So vertritt zum Beispiel Roger Garaudy die Ansicht, der Künstler müsse sich in der heutigen Zeit dem Objekt seiner Darstellung gegenüber gleichgültig verhalten und seine Aufmerksamkeit auf die subjektive Wahrnehmung der Welt konzentrieren; er müsse in sie einbrechen und sie deformieren, um ihren währen Sinn herauszufinden. Damit verabsolutiert Garaudy die relative Selbständigkeit künstlerischer Gesetzmäßigkeiten, löst die Kunst aus ihrer Beziehung zum realen Leben und stellt sie ihm sogar als feindlich gegenüber. Garaudy erweitert dabei den Begriff des Realismus in einer Weise, daß vom Realismus eigentlich nichts weiter übrig bleibt als die Bezeichnung. Unter dem Begriff des Realismus subsumiert er alle Methoden der Kunst, ohne zwischen ihnen Unterschiede zu machen, denn der einzige Maßstab realistischen Schaffens ist für ihn die wahrhaftige Wiedergabe der Vorstellungen des Künstlers von der Welt, seien diese auch noch so phantastisch, unklar oder falsch. [...]
Es gibt keine Regeln der Gestaltung, die für den Schriftsteller aller Zeiten und aller Nationen gleichermaßen gültig sind. Die Komposition der Werke, die Prinzipien des Bildaufbaus, das System der Motivik verändert sich von Epoche zu Epoche, ja manchmal in noch kürzeren Zeitabständen. 'Die bekannte Tschechowsche ,Gewehrsalve', die am Schluß jedes Stückes abgefeuert werden soll, kann auch unterbleiben", schrieb Leonow, wenn gerade ein undramatischer Schluß der Absicht des Autors entspricht und dieser in der Gesamtkonzeption ein konstruktives Element bildet. [4]
Jedes künstlerische Gestaltungselement erhält seine besondere Bedeutung durch den Platz, den es im Gesamtzusammenhang eines künstlerischen Werkes einnimmt. Es ist zum Beispiel bekannt, daß Barbusse in seinem Roman 'Das Feuer" einige von Zola im 'Bauch von Paris" angewandte naturalistische Gestaltungsmittel übernahm, sie in den Dienst seiner künstlerischen Ziele stellte und mit ihrer Hilfe den Prozeß revolutionärer Wandlungen im Menschen außerordentlich überzeugend zu gestalten vermochte. Auch in der Epopöe 'Der eiserne Strom" und in den Romanen Panfjorowsfinden sich naturalistische Gestaltungselemente. Doch während sich bei Serafimowitsch diese Elemente völlig organisch mit dem Pathos eines neuen Lebensgefühls verbinden und dem ganzen Werk einen heroisch-romantischen Ton geben, in dem Irdisches und Erhabenes zusammenklingen, tragen die naturalistischen Elemente bei Pan-fjorow zu einem Bild der Erdverbundenheit des Menschen bei, die ihn auf seine physiologischen Naturkräfte zu reduzieren droht.
      Ein großer Teil der Verfechter eines einheitlichen Epochenstils macht außerdem zwei Fehler gleichzeitig. Sie sprechen von der weltweiten Entwicklung einer einheidichen Industriegesellschaft und negieren damit völlig die Existenz zweier sich gegenüberstehender sozialer Systeme. Und indem si$ längst überholte Thesen der Vulgärsoziologie wieder aufnehmen, versuchen sie nachzuweisen, daß Kunstformen unmittelbar von den Bedingungen des Produktionsprozesses bestimmt würden.
      In den gegenwärtigen Diskussionen über künstlerische Gestaltungsmittel des sozialistischen Realismus spielt das Problem der mittelbaren Wiedergabe der Wirklichkeit durch metaphorische oder symbolische Formen eine große Rolle. Es haben sich zwei diametral verhaltende Standpunkte herauskristallisiert. Die einen vertreten die Auffassung, daß alle Fortschritte in der Geschichte der Weltkunst mit der Widerspiegelung der Wirklichkeit in den Formen des Lebens selbst verbunden sind, daß also der Realismus identisch ist mit einer Kunst in den Formen des Lebens selbst. Die anderen behaupten mit gleicher Hartnäckigkeit, das 20. Jahrhundert sei das Jahrhundert der indirekten künstlerischen Gestaltung.
      Die Verfechter dieser scheinbar so unvereinbaren Standpunkte lassen jedoch drei wichtige Aspekte außer acht. Erstens handelt es sich bei jedem Kunstwerk, das nicht nur einen Abklatsch des Lebens, sondern dessen schöpferische Umsetzung bietet, um eine indirekte, das heißt vermittelte Widerspiegelung der Wirklichkeit. Zweitens kann die schöpferische Aneignung der Wirklichkeit durch den Künstler in verschiedenen Formen vor sich gehen. So schrieb zum Beispiel Gorki fast gleichzeitig sein Drama 'Nachtasyl", worin es um das Einfangen verschiedener Verhaltensweisen völlig verarmter und heruntergekommener Menschen geht, die von der Gesellschaft ausgestoßen sind, und 'Das Lied vom Sturmvogel", in dem in legendenhafter, ja fast schon allegorischer Weise der Grundwiderspruch der Epoche aufgedeckt wurde. Es war schon in den Jahren der Sowjetmacht, so erinnert sich Afinogenow, als Gorki empfahl, bei der Gestaltung des Krankhaften, Ãoberlebten und Häßlichen im Leben vermittelte künstlerische Formenzu verwenden und den Teufel zur Hauptfigur zu machen. [5] Der sozialistische Realist Fadejew war der Meinung, daß man 'zur Vervollkommnung seiner schöpferischen Kraft" sowohl die Werke der vermittelten, den Formen des Lebens aber nahestehenden Widerspiegelung als auch die Werke mit ausgesprochen romantischem Charakter studieren soll. Nach seiner Ansicht muß sich der sozialistische Realismus die verschiedensten Gestaltungsmittel zunutze machen. 'Eine Möglichkeit unter vielen stellt eben auch die unmittelbare Wiedergabe der Wirklichkeit dar. Die Wahrheit des Lebens läßt sich auf sehr verschiedene Weise erfassen."[6] Fadejew ging gleichzeitig darauf ein, daß sich auch die Formalisten dieser künstlerischen Mittel bedienten; das aber sei ein völlig anderes Problem. [...]
Jeder bedeutende Künstler löst das Problem der Gestaltungsmittel auf seine besondere Weise. So war Leonow zum Beispiel der Ansicht, das Werk eines Künstlers müsse ein Same sein, der schon im Keim alle Qualitäten des künftigen, hundertjährigen, weitverzweigten Baumriesen in sich trage. Wenn dieser Kern auf einen günstigen Boden, die Aufnahmebereitschaft des Lesers, falle, beginne er sofort zu keimen, und die gemeinsamen Bemühungen des Schriftstellers und des Lesers erweckten neue Erscheinungen und Kräfte des Lebens im Menschen, eine neue ästhetische Realität. Dabei könne der Schriftsteller viel weglassen, entscheidend sei nur, daß die 'Markierungslinie" seiner Sätze im Leser Nachdenken und schöpferische Aktivität wecke. Jeder Schriftsteller müsse mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, den Leser zu fesseln, ihn besser und klüger zu machen und ihm das Gefühl der gemeinsam gemachten Erfahrungen zu vermitteln. Vorausgesetzt ist ein Leser, wie er sich in der sozialistischen Gesellschaft entwickelt.
      Bei der Bestimmung der spezifischen künstlerischen Gestaltungsmittel des sozialistische^ Realismus und der individuellen Besonderheiten jedes sozialistischen Realisten spielt die Analyse der Sprache und der Werkstruktur eine große Rolle. Gorki nannte die Sprache das Grundelement der Literatur, und Fedin verglich ihre Bedeutung für die Literatur mit der Stellung des Königs im Schachspiel. Indes, die Sprache, oder besser das künstlerische Wort, ist nur eine Komponente des Werkaufbaus und dient lediglich der Umsetzung der Handlung, der Komposition und der künstlerischen Gesamtaussage. W. Shirmunski bemerkt mit Recht: 'Der Begriff des künstlerischen Stils vereinigt in sich nicht nur die sprachlichen Mittel , sondern auch die im Kunstwerk berührten Themen, die Gestalten, die Komposition des Werkes, das heißt seinen ganzen künstlerischen Gehalt, der zwar mit sprachlichen Mitteln zum Ausdruck gebracht wird, aber sich keineswegs in diesen Mitteln erschöpft." [7]
Fest steht auch, daß die künstlerische Sprache eines literarischen Werkes nicht allein mit sprachwissenschaftlichen Methoden untersucht werden kann, so exakt diese auch sein mögen. Hier möchte ich nur an G. O. Winokurs erinnern, der darauf hinwies, daß das Wort im literarischen Werk außer seiner unmittelbaren Bedeutung auch noch eine poetische Funktion bat, die wiederum durch die Gesamtstruktur des Werkes bedingt ist. Und W. W. Winogradow schrieb: 'Was uns im alltäglichen Sprachgebrauch als Mittel der Kommunikation dient, enthält bei seiner Verwendung im literarisch-künstlerischen Prozeß völlig neue ästhetische Qualitäten und Eigenschaften." [8]
Die erste, die direkte Bedeutung des Wortes ist Gegenstand der Linguistik. Die zweite Bedeutung, die poetische Wirkung der Worte und Wortkombinationen ist Gegenstand der Literaturwissenschaft. Man kann sich daher schwerlich mit den Bemühungen der formalen Strukturalistik einverstanden erklären, die mit den Methoden der Sprachwissenschaft den künstlerischen Wert eines sprachlichen Kunstwerkes zu messen sucht.
      Gegenwärtig sprechen die Strukturalisten sehr oft von den Grenzen und Unzulänglichkeiten ihrer Methode. Bisher gelang es ihnen nur, die allereinfachsten künstlerischen Strukturelemente zu analysieren , das heißt, sie mußten sich auf eine Betrachtung der 'kleinen Klassik" beschränken, sie sind jedoch überzeugt, daß sie mit der beschreibenden Methode weiter kommen als mit einer doktrinären Literaturanalyse. Sie meinen, daß die Beschreibung poetischer Grundelemente die exakte Erforschung poetischer Strukturen ermögliche.
      Aber stimmt es eigentlich, daß die beschreibende Methode exakter ist als die theoretische Analyse? Komplizierte künstlerische Strukturen bestehen bekanntlich nicht aus einer Summe einfacher Strukturelemente, sondern stellen qualitativ ein völlig eigenes Gebilde dar. Die Erfahrungen bei der Untersuchung einfachster Strukturen können daher kaum für die Analyse komplizierterer künstlerischer Strukturen höherer Ordnung herangezogen werden.
      Sowjetische Literaturwissenschaftler haben sich - ebenso wie die Schriftsteller selbst - in den letzten Jahren bemüht, die Vielfalt der Formen und Stile im Schaffen einiger bedeutender realistischer Künstler genau herauszuarbeiten. Auf den drei letzten Schriftstellerkongressen standen diese Fragen im Mittelpunkt der Diskussion. Auf dem zweiten Schriftstellerkongreß kam Simonow zu der Schlußfolgerung, daß jeder ausgeprägten künstlerischen Individualität auch ein eigener Stil entspricht. Mehr noch, er verteidigte eine Reihe von Werken der Sowjetliteratur - Gorbatows Roman 'Die Unbeugsamen", Nekrassows 'In den Schützengräben von Stalingrad" und 'Die Wolokolamsker Chaussee" und Gont-schars 'Bannerträger" - gegen den Vorwurf zu großer Alltäglichkeit und mangelnder künstlerischer Verallgemeinerung. Auch auf dem dritten Schriftstellerkongreß kam es zu heftigen Auseinandersetzungen über das Recht des Schriftstellers, diese oder jene künstlerische Form zu verwenden. O. Gontschar setzte sich für die Schreibweise Dowshenkos ein, verteidigte dessen Vorliebe für eine 'überhöhte Sprache", für die Verwendung romantischer Elemente und sprach sich gegen die Versachlichung, gegen die leidenschaftslose Erzählweise, gegen die Alltäglichkeit, gegen die blinde Nachahmung Remarques aus. 'Wir brauchen sowohl die Dowshenkoschen Titanen mit ihrer gewaltigen Symbolik und strahlenden Erhabenheit als auch die plastische, wie aus einem Stück gemeißelte Prosa Fedins." [9]
Die Weite und Vielfalt des sozialistischen Realismus läßt die unterschiedlichsten individuellen Schreibweisen und Ausdrucksmöglichkeiten zu. Ãober die individuellen Schreibweisen hinaus gibt es jedoch allgemeinere künstlerische Ausdrucksarten innerhalb der Methode des sozialistischen Realismus, die man als Strömungen bezeichnen könnte. Zu diesem Problem gibt es eine Reihe interessanter, aber auch widersprüchlicher Ãoberlegungen Fadejews. In Erinnerung an die heftigen Gruppenkämpfe der zwanziger Jahre wandte sich Fadejew 1934 entschieden gegen jede Gruppenbildung innerhalb des sozialistischen Realismus. 1940 warnte er erneut vor der Gefahr, daß Besonderheiten in der künstlerischen Ausdrucksweise zu Gruppierungen ausgeweitet werden.
      In seinem Artikel 'Der Schriftstellerkongreß und die sozialistische Kultur" aus dem Jahre 1934 unterschied Fadejew jedoch drei unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen, die auch für den sozialistischen Realismus wichtig sind. Erstens: Die Gestaltung typischer Charaktere unter typischen Umständen bei Wahrung der Treue des Details. Zweitens: Die indirekte Darstellung, ähnlich dem alten chinesischen Theater, wie sie auch häufig von den Formalisten praktiziert wurde. Und drittens: den synthetischen, monumentalen

Realismus vom Typ des Faust, der sich auf die Vermittlung des philosophischen Gehaltes konzentriert und auf die Treue des alltäglichen Details verzichtet. [10]

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A.  S.  MJASNIKOW  -  Die  Vielfalt  der  künstlerischen  Formen  sozialistischen  Realismus    





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