Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Textsammlung zur deutschen Literaturgeschichte
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Textsammlung zur deutschen Literaturgeschichte



FRIEDRICH SCHILLER -
Aus: Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?
Unser menschliches Jahrhundert herbey zu führen haben sich — ohne es zu wissen oder zu erzielen — alle vorhergehenden Zeitalter angestrengt. Unser sind alle Schätze, welche Fleiß und Genie, Vernunft und Erfahrung im langen Alter der Welt endlich heimgebracht haben. [...] Ein edles Verlangen muß in u
KARL MARX - Aus: Einleitung zur Kritik der politischen Ökonomie
Bei der Kunst bekannt, daß bestimmte Blütezeiten derselben keineswegs im Verhältnis zur allgemeinen Entwicklung der Gesellschaft, also auch der materiellen Grundlage, gleichsam des Knochenbaus ihrer Organisation, stehn. Z. B. die Griechen verglichen mit den modernen oder auch Shakespeare. Von gewiss
W. I. LENIN - Aus: Die Aufgaben der Jugendverbände
Ohne die klare Einsicht, daß nur durch eine genaue Kenntnis der durch die gesamte Entwicklung der Menschheit geschaffenen Kultur, nur durch ihre Umarbeitung eine proletarische Kultur aufgebaut werden kann - ohne eine solche Einsicht werden wir diese Aufgabe nicht lösen. Die proletarische Kultur fäll
ERICH HONECKER - Aus: Bericht des Zentralkomitees an den VIII. Parteitag der SED, Berlin I97I
[...] Eines der edelsten Ziele und eine der größten Errungenschaften der sozialistischen Gesellschaft ist die allseitig entwickelte Persönlichkeit. Dabei handelt es sich nicht um ein Ziel, das erst in ferner Zukunft erreicht wird. Wenn wir hier von 'Persönlichkeit" sprechen, meinen wir eine besonde
KURT HAGER - Aus: Zu Fragen der Kulturpolitik der SED, Referat auf der 6. Tagung des Zentralkomitees der SED
[...] Die sozialistische Gesellschaft ist die einzig rechtmäßige Erbin aller fortschrittlichen geschichtlichen Leistungen und Traditionen, allen Strebens nach einem menschenwürdigen Dasein. In der DDR wird schon viel getan, damit das große kulturelle und künstlerische Erbe zum festen Besitz der Ar
AUTORENKOLLEKTIV - Aus: Aktuelle ästhetische Probleme der Theorie des sozialistischen Realismus
Gorki begreift als Begründer des sozialistischen Realismus das bereits in der 'Mutter" gestaltete Gesellschafts- und Menschenbild ausdrücklich auch, wenngleich nicht nur, als Gegenentwurf zur bürgerlichen Literatur. In seinem Bild vom produktiven Menschen ist die Polemik gegen den Typus des 'überflü
PAUL RILLA - Aus: Literatur - Kritik und Polemik
Literaturgeschichte, unter den Zwang historischen Denkens gestellt, kann nur durch die genaue Fixierung gesellschaftlicher Begriffe zu ihrer Methode kommen. [...] Begriffe wie 'Freiheit" und 'Gleichheit" haben ebenso ihre literarische wie ihre politische Geschichte. Aber daß sich politische und lite
RUDOLF DAU: - Aus: Umfrage - Zum Erbe in Wissenschaft und Praxis
[...] Die Hauptaufgabe der marxistischen Literaturgeschichtsschreibung in der DDR besteht darin, gesicherte Erkenntnisse, Materialien und Gesetzmäßigkeiten für die Planung und Leitung ideologischer und kultureller Prozesse durch die Partei der Arbeiterklasse und die Regierung der DDR bereitzustelle
WOLFGANG STELLMACHER: - Umfrage - Zum Erbe in Wissenschaft und Praxis
Die Literaturgeschichte hat die Aufgabe, wichtige Traditionslinien innerhalb der Nationalliteratur sichtbar zu machen und auf diese Weise einen Beitrag dafür zu leisten, daß sich bei den Lesern ein historisches Bewußtsein und ein ästhetisches Verständnis entwickeln und festigen. Durch die Erhellung
DIETER SCHILLER - Unser Traditionsverhältnis und das klassische Erbe
Doch zeigen schon die Debatten der dreißiger Jahre, daß [...] ein sozialistisches Verhältnis zu den Traditionen des progressiven bürgerlichen Humanismus, zum Erbe der bürgerlichen Emanzipationsbewegung nicht bei einer bloßen Identifikation stehenbleiben kann. Seine schöpferische Aneignung verlangt d
ROBERT WEIMANN - Literaturgeschichte und Mythologie
Gegenüber der opportunistischen Annäherung an sämtliche Traditionen vergangener Menschheitskultur steht heute die ultralinke Absonderung von allen Traditionen im Namen zukünftiger Menschheitskultur. Entgegen dem eklektischen Pluralismus auf der einen Seite und der radikalen Reduktion großer vergange
FRIEDRICH ENGELS - Dialektik der Natur
In den aus dem Fall von Byzanz geretteten Manuskripten, in den aus den Ruinen Roms ausgegrabenen antiken Statuen ging dem erstaunten Westen eine neue Welt auf, das griechische Altertum; vor seinen lichten Gestalten verschwanden die Gespenster des Mittelalters; Italien erhob sich zu einer ungeahnten
HEINZ ENTNER/WERNER LENK - Literatur und Revolution im I6. Jahrhundert - Zu einigen Aspekten der Renaissancekultur
Die sozialistische Kultur gründet sich auf die Ideologie des revolutionären Proletariats, die sich 'alles, was in der mehr als zweitausendjährigen Entwicklung des menschlichen Denkens und der menschlichen Kultur wertvoll war, aneignete und es verarbeitete" [2]. Diese Aneignung und Verarbeitung ist a
ROBERT WELMANN - Zur Tradition des Realismus und Humanismus -Kontinuität und Hauptentwicklungslinien des humanistischen und realistischen Kunsterbes
Im Rückgriff auf die Volksüberlieferungen und unter Bezug auf die Naturphilosophie der Renaissance erfolgte eine dichterische Ãœberhöhung der zwischenmenschlichen Bezüge durch die Einbeziehung magischer und elementarer Kräfte in die Darstellung wie auch eine phantastisch übersteigerte Preisung der d
WOLFGANG STEINITZ - Deutsche Volkslieder demokratischen Charakters aus sechs Jahrhunderten
[•••] Das Volkslied wird vom werktätigen Volke getragen, das an seiner Gestaltung schöpferisch teilnimmt, mitarbeitet. Ohne diese Mitarbeit gibt es meines Erachtens kein Volkslied. Die Teilnahme oder Mitarbeit drückt sich am untrüglichsten und eindeutigsten in den Varianten aus, im Umsingen,
HORST HARTMANN - Das Faustbuch - ein Volksbuch?
Der Ahnherr der Bezeichnung 'Volksbuch" ist [...] Joseph Görres geworden, der in seiner 1807 in Heidelberg erschienenen Sammlung 'Die Teutschen Volksbücher" wenig beachtetes mittelalterlichfeudales und frühbürgerliches Literaturgut der breiten Öffentlichkeit wieder zugänglich machen wollte. Daß die
JOACHIM G. BOECKH, GÜNTER ALBRECHT, KURT BÖTTCHER, KLAUS GYSI, PAUL GÜNTER KROHN, HERMANN STROBACH
Geschichte der deutschen Literatur. Bd. 5: 1600-1700 [...] Die innerhalb der Literaturentwicklung des 16. und 17. Jahrhunderts - die sich insgesamt als Ãœbergangsepoche vom Feudalismus zum Kapitalismus darbietet - kurz vor 1600 gesetzte Zäsur bezeichnet den Anfang einer neuen gesellschaftlichen un
FRIEDRICH ENGELS - Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft
Die großen Männer, die in Frankreich die Köpfe für die kommende Revolution klärten, traten selbst äußerst revolutionär auf. Sie erkannten keine äußere Autorität an, welcher Art sie auch sei. Religion, Naturanschauung, Gesellschaft, Staatsordnung, alles wurde der schonungslosesten Kritik unterworfen;
WERNER KRAUSS - Studien zur deutschen und französischen Aufklärung
[...] In der [...] Literaturepoche des achtzehnten Jahrhunderts wird der Begriff und die Bedeutung der Literatur in einer bis dahin unvorstellbaren Weise erweitert: Die Literatur hat nunmehr den Nenner für alle Bestrebungen des geistigen Lebens zu bilden. Die Aufklärung hat damit die Großmachtstell
WERNER RIECK - Literarische Prozesse in der ersten Phase der deutschen Frühaufklärung
Am Ende des 17. Jahrhunderts bildete sich in der literarischen Situation Deutschlands zunehmend der Gegensatz zwischen der höfisch-feudalapologetischen Repräsentationsliteratur und einer von bürgerlichen Schichten getragenen Literatur mit aufklärerischem Gedankengut heraus, und dieser Prozeß führte
WERNER RIECK - Die zweite oder Gottsched-Phase der deutschen Aufklärung...
[...] Die zweite oder Gottsched-Phase der deutschen Aufklärung, die von der Mitte der zwanziger Jahre bis zur Jahrhunderthälfte reichte, ist durch einen Prozeß der Konsolidierung und Stabilisierung in der Literatur, der Ästhetik und der nationalen Rezeption gekennzeichnet. Dabei wird die ständisch
PETER WEBER - Das Menschenbild des bürgerlichen Trauerspiels
[...] Die Zuspitzung des Widerspruchs zwischen gesamtgesellschaftlichem Interesse und feudaler Ordnung (seit etwa 1740, Red.) ließ die Schule Wolffs zerbrechen, sie enthüllte gleichzeitig die apologetische Tendenz der Theoreme Gottscheds. Nicht zufällig rückten seit diesem Zeitpunkt die Vertreter
WERNER RIECK - Die Höhepunkts- oder Lessing-Phase der deutschen Aufklärung ...
Die nationalliterarisch bedeutsamste Entwicklungsstufe der Aufklärungsliteratur, die einen Zeitraum von etwa 1750 bis 1770 umfaßt und die wir als Höhepunkts- oder Lessingphase bezeichnen, ist vor allem dadurch charakterisiert, daß die gesamte Aufklärungsbewegung in Deutschland auf Grund größerer ges
PETER WEBER - Das Menschenbild des bürgerlichen
Die Untersuchung der Genesis von Lessings 'Miß Sara Sampson" ergab, daß die Entwicklung des neuen Dramenstils Ausdruck des Bestrebens war, die ideologische Bindung an den Hof zu durchbrechen und mit den Mitteln des Trauerspiels solche Menschen zu formen, deren moralischer Altruismus geeignet schien,
WERNER RIECK - Aus: Die Höhepunkts- oder Lessing-Phase der deutschen Aufklärung ...
Diese Tendenz, die weit größere Berücksichtigung des bürgerlichen Individuums als Autor, Held oder Symbolfigur läßt sich auch in Klopstocks Dichtungen feststellen, da sich hier das lyrische Subjekt als bürgerliches Subjekt empfand. [...] Im kritisch-distanzierten Rückgriff auf die Anakreontik, auf d
AUTORENKOLLEKTIV - Historisch-inhaltliche Konzeption der Geschichte der deutschen Literatur von der Aufklärung bis zur Gegenwart
Die literarische Bewegung des Sturm und Drang basierte auf der vor der Französischen Revolution letzten akuten Krisenphase der deutschen Feudalordnung um 1770. Ihren verschiedenen Gruppen ist gemeinsam, daß der Antagonismus von feudalständischer Ordnung und den Lebensinteressen des dritten Standes i
OLGA SMOLJAN - Friedrich Maximilian Klinger. Leben und Werk
[...] Der Sturm und Drang war eine Bewegung der Jugend. Die davon begeisterten jungen Menschen (zu denen sowohl der wahrhaft geniale Goethe wie auch das, nach Goethes Urteil, kranke Talent Lenz und der halbwahnsinnige Kaufmann gehörten) nannten sich selbst 'Kraftgenies". Demonstrativ ignorierten si
EDITH BRAEMER - Goethes Prometheus und die Grundpositionen des Sturm und Drang
Eine gewisse Belebung wies auch der literarische Markt auf, wobei noch keineswegs von einem 'freien Markt" die Rede sein konnte; als größte Behinderung erwies sich immer noch der Nachdruck, der es den Schriftstellern unmöglich machte, von den Erträgnissen ihrer Publikationen zu leben. Als Gegenmaßna
WOLFGANG STELLMACHER - Grundfragen der Shakespeare-Rezeption in der Frühphase des Sturm und Drang
[...) Die Auseinandersetzung mit Shakespeares Werk erwies sich als besonders geeignet zur Gewinnung großer geschichtsphilosophi-scher Aspekte in der Ästhetik. Herder charakterisiert Shakespeares Gestaltungsweise mit folgenden Worten: 'Shakespeare der Nachahmer der Natur, und bei jeder Begebenheit,
HANS-DIETRICH DAHNKE - Literarische Prozesse in der Periode von I789 bis I806
Die Französische Revolution eröffnete die Gesellschaftsformation des Kapitalismus im weltgeschichtlichen Maßstab. Sie führte nicht nur den Umsturz der feudalen Ordnung zugunsten bürgerlichkapitalistischer Verhältnisse in Frankreich herbei, sondern beeinflußte zutiefst die politische und soziale Entw
KLAUS SCHAEFER - Die Hoch- und Spätromantik - zwei Phasen einer neuen Entwicklungsetappe der deutschen Literatur
Die deutsche Romantik zwischen dem Untergang des 'Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation" und der Gründung des 'Deutschen Bundes" Neue Schriftsteller und ihre Gruppierungen Als Napoleon im Oktober 1806 durch den Sieg bei Jena und Auerstädt seine Herrschaft über Mitteleuropa festigte, war bere
Die Ãœberwindung der Romantik
Der obskur-reaktionären Romantik standen zu gleicher Zeit bereits künstlerische Kräfte gegenüber, die Gewähr und Ausdruck waren für neue, progressiv-künstlerische Entwicklungen. Goethe hat sich lange und gründlich mit der Romantik als geistiger Konzeption sowie mit ihren Vertretern auseinandergeset
Die Erzählkunst im Umkreis der Romantik
Es liegt im Wesen der Romantik begründet, deren Repräsentanten die weltgeschichtliche Funktion der bürgerlichen Revolution wie der bürgerlichen Gesellschaft nicht verstehen konnten, daß ihre Romane zwar im einzelnen neue Möglichkeiten der literarischen Gestaltung fixierten, das Entstehen eines re
ROBERT WEIMANN - Zur Tradition des Realismus und Humanismus - Kontinuität und Hauptentwicklungslinien des humanistischen und realistischen Kunsterbes
Kunst und Literatur unter den Bedingungen des Industriekapitalismus Mit der im Zuge der industriellen Revolution durchgreifenden Kapitalisierung des gesellschaftlichen Lebens der west- und mitteleuropäischen Länder und der Formierung des Kapitalismus zum Weltsystem bildet sich immer deutlicher jene
AUTORENKOLLEKTIV - Skizze zur Geschichte der deutschen Nationalliteratur von den Anfängen der deutschen Arbeiterbewegung bis zur Gegenwart
Die literarische Entwicklung von den Anfängen der Arbeiterbewegung bis zur bürgerlich-demokratischen Revolution [...] Die klassische deutsche Literatur setzte voraus, daß die künstlerischen Repräsentanten bürgerlicher Interessen mit historischem Recht sich zugleich als Sprecher des gesamten Volk
W. G. ADMONI unter Mitarbeit von T. J. SILMAN - Der Naturalismus
In der zweiten Hälfte der achtziger Jahre entwickelte sich der deutsche Naturalismus aus jenen Strömungen, die seit Beginn dieses Jahrzehnts den Kampf um die Gründung einer neuen, der Gegenwart nahe stehenden deutschen Literatur begonnen hatten. Die bedeutendsten Bahnbrecher dieser Literatur waren d
Geschichte der deutschen Literatur von I900—I9I7
[â– â– â– ] Der Zeitabschnitt vom Ãœbergang zum Imperialismus bis zur Großen Sozialistischen Oktoberrevolution bildet eine von der vorangegangenen und folgenden Entwicklung deutlich unterschiedene Periode in der Geschichte der deutschen Literatur. An ihrem Beginn gingen die Gemeinsamkeiten und Berü
HANS KAUFMANN - Geschichte der deutschen Literatur von I9I7—I945
[...] Betrachten wir es vielleicht als 'Axiom", daß die Oktoberrevolution als weltgeschichtlicher Wendepunkt, die Novemberrevolution als Beginn eines neuen Abschnitts der deutschen Geschichte 'automatisch" eine neue Literaturepoche einleiten 'müssen"? - Es handelt sich weder um Axiomatik noch um Au
AUTORENKOLLEKTIV - Skizze zur Geschichte der deutschen Nationalliteratur von den Anfängen
[•••] Die Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands, das wichtigste Ergebnis der Novemberrevolution, führte zu einer Neuformierung der sozialistischen Literatur, die durch den Einfluß des Reformismus jahrelang stagnierte. Eine Reihe von Verlagen und Zeitschriften werden von der Partei
ELISABETH SIMONS - Der sozialistische Realismus — eine neue Weltkunst
[...] Die junge Sowjetmacht war als Heimat des Weltproletariats Ziel der Hoffnungen und der Aufmerksamkeit der fortschrittlichen und revolutionären Werktätigen aller Länder. Die sozialistischrealistische Literatur und Kunst der Sowjetunion gestaltete als erste das neue Menschenbild des revolutionär
KLAUS KÄNDLER - Drama und Klassenkampf. Beziehungen zwischen Epochenproblematik und dramatischem Konflikt in der sozialistischen Dramatik der Weimarer Republik
[...] Die Realismusproblematik, das zeigt die Entwicklung der sozialistischen Dramatik seit 1918, steht in unmittelbarem Zusammenhang mit den Beziehungen des dramatischen Konfliktes zur Epochenproblematik. Indem sich das sozialistische Drama den objektiven Konflikten der Gesellschaft, dem Klassenka
HANS RICHTER - Die Ballade in der sozialistischen Dichtung
[...] Um die Mitte der zwanziger Jahre zeigte sich in Deutschland ein kräftiges Aufblühen der sozialen und politischen Poesie, und zwar insbesondere einer dem revolutionären Proletariat verpflichteten Poesie. Dieser Prozeß, der sich mehr und mehr zu einer umfassenden Literaturbewegung ausweitete, h
SILVIA SCHLENSTEDT - Lyrik
In der Lyrik, die während der Revolution und in den Jahren der revolutionären Nachkriegskrise entstand, herrschten die Hymne und das Gedankengedicht vor, das heißt die weltanschauliche Auseinandersetzung mit den großen neuen Ereignissen. Das Hymnische der Lyrik entsprach der historischen Situatio
MANFRED HAHN/DIETER SCHLENSTEDT/ FRANK WAGNER - Thesen zum deutschen Roman im 20. Jahrhundert
Die proletarische Epik entwickelte sich zunächst in zwei Schüben, an deren jeweiliger stofflicher Orientierung sich allgemeinere Veränderungen ablesen lassen (vgl. auch Klein): 1927-1930 sind Krieg und revolutionäre Nachkriegskrise wichtig. Unter dem Aspekt der Klassenkämpfe am Ende der relativen St
HANS KAUFMANN - Krisen und Wandlungen der deutschen Literatur von Wedekind bis Feuchtwanger. Fünfzehn Vorlesungen
In der nachrevolutionären Periode bilden sich die Beziehungen von Künstler und Gesellschaft und in ihrem Gefolge die Literaturästhetik allmählich um. Im Krieg und besonders in der Revolution als einer riesigen Massenaktion hatte sich die Verflochtenheit der ureigensten Probleme des K
AUTORENKOLLEKTIV - Die literarische Entwicklung von der Befreiung Deutschlands vom Faschismus bis zur Bildung der beiden deutschen Staaten
Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges und der Zerschlagung des deutschen Faschismus waren die geschichtlichen Voraussetzungen für die Entwicklung und Wirksamkeit einer humanistischen, antifaschistischen und demokratischen Literatur als der herrschenden Literatur in Deutschland gegeben. Die historisc
AUTORENKOLLEKTIV - Die literarische Entwicklung in der Deutschen Demokratischen Republik
Gegen Ende der vierziger und zu Beginn der fünfziger Jahre begann eine Reihe fortschrittlicher Schriftsteller in der Deutschen Demokratischen Republik sich der Gestaltung der neuen menschlichen Beziehungen zuzuwenden, die aus der revolutionären Umgestaltung der Gesellschaft in diesem Teil Deutschlan
HORST HAASE - 25 Jahre SED - 25 Jahre demokratische und sozialistische Literatur
[...] 'Wir schreiben unter neuen Bedingungen", sagte Bertolt Brecht 1956 auf dem IV. Deutschen Schriftstellerkongreß in Berlin. [1] Damit waren jene historischen Veränderungen gemeint, die durch die siegreiche Revolution auf dem Territorium der Deutschen Demokratischen Republik bewirkt wurden und d
AUTORENKOLLEKTIV - Die Gestaltung der Arbeiterklasse in einigen Literaturen der sozialistischen Staatengemeinschaft
Unternimmt man den Versuch, die Gestaltung der Arbeiterklasse in der Literatur der sechziger und siebziger Jahre zu umreißen, wird man in ganz besonderem Maße auf die Notwendigkeit verweisen, von vornherein die ganze Vielfalt der Möglichkeiten ins Auge zu fassen, die sich aus dem ästhetischen Reflex
AUTORENKOLLEKTIV - Entscheidung für den Sozialismus und Gewinnen eines neuen Gegenstandes
Mit Beginn der sechziger Jahre tritt eine Gruppe von Autoren in die Literatur ein, die Faschismus und Krieg zwar noch aus eigenem Erleben kennen, deren Werden als Persönlichkeit jedoch bereits wesentlich von der Entwicklung in der DDR gekennzeichnet ist. Zu ihnen gehören Christa Wolf und Brigitte Re
A. S. MJASNIKOW - Die Vielfalt der künstlerischen Formen des sozialistischen Realismus
[...] Seit der Entstehung des sozialistischen Realismus sind bereits sieben Jahrzehnte vergangen. Welche seiner neuen Gestaltungsmittel und Formen haben sich nun als die produktivsten für die weitere Entwicklung erwiesen ? Auf diese Fragen gibt es drei Antworten. Daraus, daß in der Geschichte der
WERNER MITTENZWEI - Das Bild des Revolutionärs in der sozialistischen Literatur
Die sozialistische Weltliteratur spiegelt nicht nur das Bild des Revolutionärs wider, sie selbst wurde zu einem revolutionären Faktor. Gerade, weil sie die Befreiung des Menschen zu ihrer Sache machte, weil sie mit dem neuen Menschen begann, mußte sich mit dem neuen Inhalt auch ihre Funktion ändern.
INGMAR DREHER - 20 Jahre Kinder- und Jugendliteratur der DDR -Ergebnisse, Probleme, Perspektiven
[•••] Der historische Ausgangspunkt der Kinder- und Jugendliteratur der Deutschen Demokratischen Republik Die objektiv-geschichtliche Grundlage für Entstehen und Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur der DDR bildet der weltumfassende Ãœbergang vom Kapitalismus zum Sozialismus und die
CHRISTIAN EMMRICH - Die sozialistische Kinderliteratur und die Aufgaben der siebziger Jahre
[...] Die Herausarbeitung unseres sozialistischen Menschenbildes in der Dialektik von Kontinuität und Diskontinuität unseres geschichtlichen Werdens verlangt von der Kinderliteratur, unserer jungen Generation ein umfassendes und differenziertes Geschichtsbild zu vermitteln. Die großen Leistungen, d
HANS KOCH - Der einzelne und die Gesellschaft. Einige geistige Probleme unserer Gegenwartsliteratur
Die Frage nach Kräften, Fähigkeiten und Möglichkeiten, nach Stellung, Wert und Rolle der einzelnen Persönlichkeit in unserer Gesellschaft wird immer mehr zu einem wesentlichen Gegenstand künstlerischen Nachdenkens. In Romanen, Erzählungen und Gedichten, Theaterstücken und Spielfilmen ist eine 'Disk
ARISTOTELES - Poetik
2. Kapitel Da aber die Nachahmenden handelnde Menschen nachahmen, diese aber notwendigerweise gut oder schlecht sind — die Charaktere nämlich lassen sich fast immer allein auf eins von beiden zurückführen, denn durch Schlechtigkeit (kakia) und Tugend (arete) unterscheiden sich alle —, so stell
QUINTUS HORATIUS FLACCUS - Brief an die Pisonen über die Dichtkunst
Weder kürzer noch länger als fünf Akte [1] muß ein Stück sein, dessen Wiederaufführung verlangt werden soll, und es darf kein Gott eingreifen, wenn nicht ein Knoten in der Handlung auftritt, der verdient, daß ihn ein Gott entwirre. Auch soll sich kein vierter Schauspieler [2] abmühen zu sprechen. De
MARTIN OPITZ - Deutsche Poemata
Ãœber des hochgelehrten und weitberühmten Danielis Heinsii Niederländische Poemata Die deutsche Poesie war ganz und gar verloren, Wir wußten selber kaum, von wannen wir geboren, Die Sprache, vor der vor [1] viel Feind' erschrocken sind, Vergaßen wir mit Fleiß und schlugen sie in Wind. Bis Euer[2]
MARTIN OPITZ - Buch von der deutschen Poeterei
Das I. Kapitel Vorrede [...] Wiewohl ich mir von der deutschen Poeterei, auf Ersuchung vornehmer Leute und dann zu besserer Fortpflanzung unserer Sprachen, etwas aufzusetzen vorgenommen, bin ich doch solcher Gedanken keineswegs, daß ich vermeine, man könne jemanden durch gewisse Regeln und Gesetz
JOHANN CHRISTOPH GOTTSCHED - Der Biedermann, 2. Teil
Die Poesie ist eine Kunst, so der Wahrheit und der Tugend viele Dienste tun kann, wenn sie in den Händen eines verständigen und redlichen Bürgers ist und mehr nach den Regeln der Weltweisheit als nach dem verderbten Geschmacke des unverständigen Pöbels eingerichtet wird. Sie preiset die Tugend in Lo
JOHANN CHRISTOPH GOTTSCHED - Versuch einer Kritischen Dichtkunst
Von den dreien Gattungen der poetischen Nachahmung und insonderheit von der Fabel 1 .§ Die Nachahmung der Natur [...] kann auf dreierlei Art geschehen. Die erste ist eine bloße Beschreibung oder sehr lebhafte Schilderei von einer natürlichen Sache, die man nach allen ihren Eigenschaften, Schönheit
JOHANN JAKOB BODMER - Die Diskurse der Maler
[...] XX. Diskurs des ersten Teils. Die Natur ist in der Tat die einzige und allgemeine Lehrerin derjenigen, die recht schreiben, malen und ätzen; ihre Prefessionen treffen darinne genau überein, daß sie sämtlich dieselbe zum Original und Muster ihrer Werke nehmen, sie studieren, kopieren, nachahm
JOHANN ELIAS SCHLEGEL - Vergleichung Shakespeares und Andreas Grypbs bei Gelegenheit des Versuchs
Wie sorgfältig Shakespeare gewesen, seine Charaktere zu bilden, sieht man daraus, daß er meistens ihre ganzen Charaktere einem andern in den Mund gelegt und sie so beschreiben lassen, daß fast nichts hinzuzusetzen übrig bleibt. [...] Man sieht, daß diese Charaktere alle eine ziemlich große Ähnlich
JOHANN ELIAS SCHLEGEL - Gedanken zur Aufnahme des dänischen Theaters
[...] Denn eine jede Nation schreibt einem Theater, das ihr gefallen soll, durch ihre verschiedenen Sitten auch unterschiedliche Regeln vor, und ein Stück, das für eine Nation gemacht ist, wird selten den andern ganz gefallen. Wir können uns hiervon besonders durch den großen Unterschied des franzö
GOTTHOLD EPHRAIM LESSING - Abhandlungen über die Fabel
Von dem Wesen der Fabel Wenn wir einen allgemeinen moralischen Satz auf einen besondern Fall zurückführen, diesem besondern Falle die Wirklichkeit erteilen, und eine Geschichte daraus dichten, in welcher man den allgemeinen Satz anschauend erkennt, so heißt diese Erdichtung eine Fabel. [■
GOTTHOLD EPHRAIM LESSING - Briefe, die neueste Literatur betreffend
Siebzehnter Brief 'Niemand", sagen die Verfasser der 'Bibliothek", wird leugnen, daß die deutsche Schaubühne einen großen Teil ihrer ersten Verbesserung dem Herrn Professor Gottsched zu danken habe." Ich bin dieser Niemand; ich leugne es gerade zu. Es wäre zu wünschen, daß sich Herr Gottsched niem
GOTTHOLD EPHRAIM LESSING - Laokoon
XVI [...] wenn es wahr ist, daß die Malerei zu ihren Nachahmungen ganz andere Mittel oder Zeichen gebrauchet, als die Poesie; jene nämlich Figuren und Farben in dem Räume, diese aber artikulierte Töne in der Zeit; wenn unstreitig die Zeichen ein bequemes Verhältnis zu dem Bezeichneten haben müssen:
GOTTHOLD EPHRAIM LESSING - Hamburgische Dramaturgie
Erstes Stück [...] Die Leidenschaften nicht beschreiben, sondern vor den Augen des Zuschauers entstehen, und ohne Sprung, in einer so illusorischen Stetigkeit wachsen zu lassen, daß dieser sympathisieren muß, er mag wollen oder nicht: das ist es, [...] was das Genie ohne es zu wissen, ohne es sich
JOHANN WOLFGANG GOETHE - Charakteristik der vornehmsten europäischen Nationen
Sobald eine Nation poliert ist, sobald hat sie konventionelle Wege, zu denken, zu handien, zu empfinden, sobald hört sie auf, Charakter zu haben. Die Masse individueller Empfindungen, ihre Gewalt, die Art der Vorstellung, die Wirksamkeit, die sich alle auf diese eigene Empfindungen beziehen, das sin
JOHANN WOLFGANG GOETHE - Zum Schäkespears Tag
Die erste Seite, die ich in ihm las, machte mich auf zeitlebens ihm eigen, und wie ich mit dem ersten Stück fertig war, stund ich wie ein Blindgeborner, dem eine Wunderhand das Gesicht in einem Augenblicke schenkt. Ich erkannte, ich fühlte aufs lebhafteste meine Existenz um eine Unendlichkeit erweit
JOHANN GOTTFRIED HERDER - Shakespeare
In Griechenland entstand das Drama, wie es in Norden nicht entstehen konnte. In Griechenland wars, was es in Norden nicht sein kann. In Norden ists also nicht und darf nicht sein, was es in Griechenland gewesen. Also Sophokles' Drama und Shakespeares Drama sind zwei Dinge, die in gewissem Betracht k
JOHANN GOTTFRIED HERDER - Auszug aus einem Briefwechsel über Ossian und die Lieder alter Völker
Je wilder, d. i. je lebendiger, je freiwürkender ein Volk ist, (denn mehr heißt dies Wort doch nicht!) desto wilder, d. i. desto lebendiger, freier, sinnlicher, lyrisch handelnder müssen auch, wenn es Lieder hat, seine Lieder sein. Je entfernter von künstlicher, wissenschaftlicher Denkart, Sprache u
JOHANN GOTTFRIED HERDER - Volkslieder. Zweiter Teil
[...] Endlich kann ich nicht umhin, noch mit ein paar Worten merken zu lassen, was ich für das Wesen des Liedes halte. Nicht Zusammensetzung desselben als eines Gemäldes niedlicher Farben, auch glaube ich nicht, daß der Glanz und die Politur seine einzige und Hauptvollkommenheit sei: sie ists nämli
FRIEDRICH SCHILLER - Vorrede zur ersten Ausgabe der 'Räuber
Da sie [die dramatische Methode] uns ihre Welt gleichsam gegenwärtig stellt, und uns die Leidenschaften und geheimsten Bewegungen des Herzens in eigenen Äußerungen der Personen schildert, so wird sie auch gegen die beschreibende Dichtkunst um so mächtiger würken, als die lebendige Anschauung kräfti
FRIEDRICH SCHILLER - Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich wirken?
[Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet] Die Gerichtsbarkeit der Bühne fängt an, wo das Gebiet der weltlichen Gesetze sich endigt. Wenn die Gerechtigkeit für Gold verbündet und im Solde der Laster schwelgt, wenn die Frevel der Mächtigen ihrer Ohnmacht spotten und Menschenfurcht den
GOTTFRIED AUGUST BÃœRGER - Daniel Wunderlichs Buch.
II: Herzensausguß über Volkspoesie [...] Unsere Nation hat den leidigen Ruhm, nicht gerade die weise, sondern die gelahrte zu heißen. Der Ruhm möchte ganz schätzbar sein, wenn's nur nicht gar zu viel Quisquilien [1] — Gelahrtheit wäre. Dieser Quisquilien-Gelahrtheit haben wir's gutenteils zu ver
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG - Aphorismen
Es ist ein Fehler, den der bloß witzige Schriftsteller mit dem ganz schlechten gemein hat, daß er gemeiniglich seinen Gegenstand eigentlich nicht erleuchtet, sondern ihn nur dazu braucht, sich selbst zu zeigen. Man lernt den Schriftsteller kennen und sonst nichts. So hart es auch zuweilen widergehen
JOHANN WOLFGANG GOETHE - Einfache Nachahmung der Natur, Manier, Stil
Einfache Nachahmung der Natur Wenn ein Künstler, bei dem man das natürliche Talent voraussetzen muß, in der frühesten Zeit, nachdem er nur einigermaßen Auge und Hand an Mustern geübt, sich an die Gegenstände der Natur wendete, mit Treue und Fleiß ihre Gestalten, ihre Farben auf das genaueste nachah
FRIEDRICH SCHILLER - Ãœber Bürgers Gedichte
[...] solange zwischen dem sittlich ausgebildeten, vorurteilsfreien Kopf und dem Dichter ein andrer Unterschied stattfindet, als daß letzterer zu den Vorzügen des erstem das Talent der Dichtung noch als Zugabe besitzt, so lange dürfte die Dichtkunst ihren veredelnden Einfluß auf das Jahrhundert verf
JOHANN WOLFGANG GOETHE - Glückliches Ereignis
[...] Schiller zog nach Jena, wo ich ihn ebenfalls nicht sah. Zu gleicher Zeit hatte Batsch [1] durch unglaubliche Regsamkeit eine naturforschende Gesellschaft in Tätigkeit gesetzt, auf schöne Sammlungen, auf bedeutenden Apparat gegründet. Ihren periodischen Sitzungen wohnte ich gewöhnlich bei; ein
JOHANN WOLFGANG GOETHE - Literarischer Sansculottismus
In dem 'Berlinischen Archiv der Zeit und ihres Geschmacks", und zwar im Märzstücke dieses Jahres, findet sich ein Aufsatz 'Ãœber Prosa und Beredsamkeit der Deutschen", den die Herausgeber, wie sie selbst bekennen, nicht ohne Bedenken einrückten. [...] Der Verfasser bedauert die Armseligkeit der Deu
FRIEDRICH SCHILLER - Ãœber naive und sentimentalische Dichtung
[...] Die Dichter sind überall, schon ihrem Begriffe nach, die Bewahrer der Natur. Wo sie dieses nicht ganz mehr sein können und schon in sich selbst den zerstörenden Einfluß willkürlicher und künstlicher Formen erfahren oder doch mit demselben zu kämpfen gehabt haben, da werden sie als die Zeugen
JOHANN WOLFGANG GOETHE UND FRIEDRICH SCHILLER - Ãœber epische und dramatische Dichtung
Der Epiker und Dramatiker sind beide den allgemeinen poetischen Gesetzen unterworfen, besonders dem Gesetze der Einheit und dem Gesetze der Entfaltung; ferner behandeln sie beide ähnliche Gegenstände und können beide alle Arten von Motiven brauchen; ihr großer wesentlicher Unterschied^ beruht aber d
JOHANN WOLFGANG GOETHE - Ãœber Roman und Drama
Im Roman wie im Drama sehen wir menschliche Natur und Handlung. Der Unterschied beider Dichtungsarten liegt nicht bloß in der äußeren Form, nicht darin, daß die Personen in dem einen sprechen und daß in dem andern gewöhnlich von ihnen erzählt wird. Leider viele Dramen sind nur dialogierte Romane, un
FRIEDRICH SCHLEGEL - Ãœber Goethes Meister
Ohne Anmaßung und ohne Geräusch, wie die Bildung eines strebenden Geistes sich still entfaltet und wie die werdende Welt aus seinem Innern leise emporsteigt, beginnt die klare Geschichte. Was hier vorgeht und was hier gesprochen wird, ist nicht außerordentlich, und die Gestalten, welche zuerst hervo
LUDWIG TIECK - Shakespeares Behandlung des Wunderbaren
Man hat oft Shakespeares Genie bewundert, das in so vielen seiner Kunstwerke die gewöhnliche Bahn verläßt und neue Pfade sucht; bald Leidenschaften bis in ihre feinsten Schattierungen, bald bis zu ihren entferntesten Grenzen verfolgt; bald den Zuschauer in die Geheimnisse der Nacht einweiht und ihn
FRIEDRICH SCHLEGEL - Ãœber romantische Poesie
Die romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie. Ihre Bestimmung ist nicht bloß, alle getrennten Gattungen der Poesie wieder zu vereinigen und die Poesie mit der Philosophie und Rhetorik in Berührung zu setzen. Sie will und soll auch Poesie und Prosa, Genialität und Kritik, Kunstpoesie u
FRIEDRICH SCHLEGEL - Brief über den Roman
Ich habe ein bestimmtes Merkmal des Gegensatzes zwischen dem Antiken und dem Romantischen aufgestellt. Indessen bitte ich Sie doch, nun nicht sogleich anzunehmen, daß mir das Romantische und das Moderne völlig gleich gelte. [...] Wollen Sie sich den Unterschied völlig klar machen, so lesen Sie gefäl
JOHANN GOTTFRIED HERDER - Adrastea
[â– â– â– ] Gibt es feste Formen des Schönen, die allen Völkern und Zeiten gemein sind? Verfeint sich mit dem Fortgang der Zeiten das Ideal der Schönheit? Man hat den beliebten französischen Ausdruck: 'Nachahmung der schönen Natur" als unbestimmt und unzureichend getadelt; der Tadel ist begründet,
AUGUST WILHELM SCHLEGEL - Vorlesungen über schöne Literatur und Kunst
Definition des Wesens der Kunst [...] Das Schöne ist eine symbolische Darstellung des Unendlichen [...]. Man halte das Unendliche nicht etwan für eine philosophische Fiktion, man suche es nicht jenseits der Welt; es umgibt uns überall, wir können ihm niemals entgehen; wir leben, weben und sind im U
JOHANN WOLFGANG GOETHE - 'Lyrische Gedichte von Johann Heinrich Voß
[...] Und hier ist wohl der Ort, zu bemerken, welchen Einfluß auf Bildung der unteren deutschen Volksklasse unser Dichter haben könnte, vielleicht in einigen Gegenden schon hat. Seine Gedichte bei Gelegenheit ländlicher Vorfälle stellen zwar mehr die Reflexion eines dritten als das Gefühl der Geme
LUDWIG ACHIM VON ARNIM - Von Volksliedern â–  An Kapellmeister Reichardt
[...] Ein schönes Lied in schlechter Melodie behält sich nicht, und ein schlechtes Lied in schöner Melodie verhält sich und verfängt sich, bis es herausgelacht; wie ein Labyrinth ist es: einmal hinein, müssen wir wohl weiter; aber aus Furcht vor dem Lindwurm, der drin eingesperrt, suchen wir gleich
JOSEPH GÖRRES - Einleitung zu: Die teutschen Volksbücher
Die Schriften, von welchen hier die Rede ist, begreifen weniger nicht als die ganze eigentliche Masse des Volkes in ihrem Wirkungskreis. Nach keiner Seite hin hat die Literatur einen größeren Umfang und eine allgemeinere Verbreitung gewonnen, als indem sie, übertretend aus dem geschlossenen Kreis de
JOHANN WOLFGANG GOETHE - Winckelmann und sein Jahrhundert in Briefen und Aufsätzen
Antikes Der Mensch vermag gar manches durch zweckmäßigen Gebrauch einzelner Kräfte, er vermag das Außerordentliche durch Verbindung mehrerer Fähigkeiten; aber das Einzige, ganz Unerwartete leistet er nur, wenn sich die sämtlichen Eigenschaften gleichmäßig in ihm vereinigen. Das letzte war das glück
AUGUST WILHELM SCHLEGEL - Vorlesungen über dramatische Kunst und Literatur
(12. Vorlesung) Vom Geist des romantischen Schauspiels [...]â–  Formlos zu sein darf also den Werken des Genius auf keine Weise gestattet werden, allein es hat damit auch keine Gefahr. Um dem Vorwurfe der Formlosigkeit zu begegnen, verständige man sich nur über den Begriff der Form, der von den m
JOHANN WOLFGANG GOETHE - Noten und Abhandlungen zu besserem Verständnis des Westöstlichen Divans
Eingeschaltetes Die Besonnenheit des Dichters bezieht sich eigentlich auf die Form, den Stoff gibt ihm die Welt nur allzu freigebig, der Gehalt entspringt freiwillig aus der Fülle seines Innern; bewußtlos begegnen beide einander, und zuletzt weiß man nicht, wem eigentlich der Reichtum angehöre. Ab
JOHANN WOLFGANG GOETHE - Ãœber das Lehrgedicht
Es ist nicht zulässig, daß man zu den drei Dichtarten: der lyrischen, epischen und dramatischen, noch die didaktische hinzufüge. Dieses begreift jedermann, welcher bemerkt, daß jene drei ersten der Form nach unterschieden sind und also die letztere, die von dem Inhalt ihren Namen hat, nicht in derse
JOHANN WOLFGANG GOETHE - Ãœber Weltliteratur
Le Tasse, drame historique en cinq Sctes, par M. Alexander Duval [•••] Ãœberall hört und liest man von dem Vorschreiten des Menschengeschlechts, von den weiteren Aussichten der Welt- und Menschenverhältnisse. Wie es auch im Ganzen hiermit beschaffen sein mag, welches zu untersuchen und näher
GEORG WILHELM FRIEDRICH HEGEL - Vorlesungen über die Ästhetik
Der Künstler Die Phantasie Was erstens das allgemeine Vermögen zur künstlerischen Produktion angeht, so ist, wenn einmal von Vermögen soll geredet werden, die Phantasie als diese hervorstechend künstlerische Fähigkeit zu bezeichnen. Dann muß man sich jedoch sogleich hüten, die Phantasie mit der bl
GEORG BÃœCHNER - Briefe
An Gutzkow (1836) Lieber Freund! War ich lange genug stumm? Was soll ich Ihnen sagen? Ich saß auch im Gefängnis und im langweiligsten unter der Sonne, ich habe eine Abhandlung geschrieben in die Länge, Breite und Tiefe, Tag und Nacht über der ekelhaften Geschichte, ich begreife nicht, wo ich die Ge
HEINRICH HEINE - Die romantische Schule
Was war aber die romantische Schule in Deutschland? Sie war nichts anders als die Wiedererweckung der Poesie des Mittelalters, wie sie sich in dessen Liedern, Bild- und Bauwerken, in Kunst und Leben manifestiert hatte. Diese Poesie aber war aus dem Christentume hervorgegangen, sie war eine Passions
KARL MARX - Zur Kritik der Hegeischen Rechtsphilosophie. Einleitung
Der Kampf gegen die deutsche politische Gegenwart ist der Kampf gegen die Vergangenheit der modernen Völker, und von den Reminiszenzen dieser Vergangenheit werden sie noch immer belästigt. Es ist lehrreich für sie, das ancien regime, das bei ihnen seine Tragödie erlebte, als deutschen Revenant seine
FERDINAND LASSALLE, KARL MARX, FRIEDRICH ENGELS - Die 'Sickingendebatte
Lassalles Aufsatz über die tragische Idee Beilage zum Brief Lassalles an Marx vom 6. März 1859 Ãœber die formelle tragische Idee, die ich dem Drama und seiner Katastrophe zugrunde legte - den tiefen dialektischen Widerspruch, welcher der Natur alles Handelns, zumal des revolutionä-. ren, innewohnt
FRIEDRICH HEBBEL - Das Komma im Frack
Demjenigen, welcher der Literatur und der Kunst eine mehr als oberflächliche Aufmerksamkeit zuwendet, kann es nicht entgangen sein, daß jetzt in allen Gebieten der Genre eine ganz unverhältnismäßige Rolle spielt. Er wird nicht allein an sich in seinen sämtlichen zahllosen Spielarten auf das sorgfält
GOTTFRIED KELLER - Jeremias Gotthelf I
Besprechung von 'Uli der Knecht" und 'Uli der Pächter" 'Die Verlobten gingen miteinander über die Wiese, da raufte Reinhard jene Pflanzen aus und zeigte Lorle den wundersam zierlichen Bau des Zittergrases und die feinen Verhältnisse der Glockenblume. ,Das gehört zu dem Schönsten, was man sehen kann
THEODOR FONTANE - Gottfried Keller: Die Leute von Seldwyla
Alle diese Erzählungen — allenfalls mit Ausnahme von einer — sind reizend zu lesen. Sie bewegen uns das Herz, wir begleiten sie unter Weinen und Lachen, überall sprechen Liebe, Sorgfalt und ein durchaus originaler Dichtergeist zu uns. Nichts komischer, als solchen Arbeiten gegenüber von dem Verf
CARL BLEIBTREU - Revolution der Literatur
Der Realismus Die Neue Poesie wird [...] darin bestehen, Realismus und Romantik derartig zu verschmelzen, daß die naturalistische Wahrheit der trockenen und ausdruckslosen Photographie sich mit der künstlerischen Lebendigkeit idealer Komposition verbindet. Das Haupterfordernis des Realismus ist die
MAXIMILIAN HARDEN - Die Wahrheit auf der Bühne
[...] Was will der Naturalismus? Er fordert Abwendung von aller Konvention, Umkehr zur rücksichtslosesten Wahrheit ohne jedes Kompromiß, er will ein Stückchen Natur schildern, wie es sich in seinem Temperament zeigt, ohne das Bild mit dem Firnis der Schönfärberei zu überpinseln. Wie die Wissenschaf
ARNO HOLZ - Die Kunst. Ihr Wesen und ihre Gesetze.
'Die Kunst hat die Tendenz, wieder die Natur zu sein. Sie wird sie nach Maßgabe ihrer Reproduktionsbedingungen und deren Handhabung." Ja! Das war es! Das hatte mir vorgeschwebt, wenn auch nur dunkel, schon an jenem ersten Winterabend! Und ich sagte mir: Ist dieser Satz wahr, d. h. ist das Gesetz,
FRANZ MEHRING - Der heutige Naturalismus
In unserer Betrachtung über den Begriff des künstlerischen und literarischen Naturalismus waren wir zu dem Ergebnis gekommen, daß sich dieser Begriff gar nicht unter eine allgemeine Formel bringen lasse, daß man in jedem einzelnen Falle untersuchen müsse, welche Stellung die naturalistische Richtung
FRANZ MEHRING - Naturalismus und Neuromantik
[...] An und für sich besagt der Name, mit dem er [d. i. der Naturalismus] sich taufte, sehr wenig oder gar nichts; überall, wo in der Literaturgeschichte die Gedankenwelt einer aufsteigenden mit der Gedankenwelt einer absterbenden Klasse zusammenstößt, pflegt jene gegen diese mit dem Schlachtruf de
FRANZ MEHRING - Gerhart Hauptmanns 'Weber
Und eine bedeutende Dichtung sind die 'Weber". Es ist das gute Recht des Dramatikers, seinen Stoff zu nehmen, wo er ihn findet, und Hauptmann hat gewiß nicht seine Beziehungen zu Wolff zu verwischen beabsichtigt, wenn er in der Widmung an seinen Vater Familienerzählungen — er ist der Enkel eines s
FRANZ MEHRING - Kunst und Proletariat
[•••] Man muß sich auch davor hüten, die Bedeutung der Kunst für den Emanzipationskampf des Proletariats zu überschätzen. Die Versuchung dazu liegt ja sehr nahe, wenn man die hohe Bedeutung erwägt, welche die Kunst für den Emanzipationskampf ganz besonders auch des deutschen Bürgertums gehabt
FRANZ MEHRING - Ästhetische Streifzüge
Mit anderen Worten: wenn die absteigende Bürgerklasse keine große Kunst mehr schaffen kann, so kann die aufsteigende Arbeiterklasse noch keine große Kunst schaffen, mag auch immer in den Tiefen ihrer Seele eine heiße Sehnsucht nach der Kunst leben. [...] Je unmöglicher sich aber aus dem proletarisc
ROSA LUXEMBURG - Franz Mehring — Schiller â–  Ein Lebensbild für deutsche Arbeiter
'Ein Lebensbild" hat Mehring seine Schillerbroschüre genannt, und das ist sie im wahren Sinne des Wortes. Nicht eine Biographie, eine landläufige chronologische Sammlung von Daten aus einem Leben, sondern ein wirkliches Bild, ein plastisches, harmonisches Gemälde, das durch die klare Zeichnung und e
WLADIMIR ILJITSCH LENIN - Parteiorganisation und Parteiliteratur
{â–  â–  â– } Die Literatur [...] muß Parteiliteratur werden. Im Gegensatz zu den bürgerlichen Sitten, im Gegensatz zur bürgerlichen Unternehmerund Krämerpresse, im Gegensatz zum bürgerlichen Karrierismus und Individualismus in der Literatur, zum 'Edelanarchismus" und zur Jagd nach Gewinn muß das s
WLADIMIR ILJITSCH LENIN - L. N. Tolstoi
Leo Tolstoi ist tot. Seine Weltbedeutung als Künstler, seine Weltberühmtheit als Denker und Künder, beides spiegelt auf seine Art die Weltbedeutung der russischen Revolution wider. L. N. Tolstoi trat als großer Künstler bereits zur Zeit der Leibeigenschaft hervor. In einer Reihe von genialen Werken
MAXIM GORKI - Vorwort zum 'Sammelband proletarischer Schriftsteller
[...] Ich bin fest überzeugt, daß das Proletariat seine eigene Belletristik hervorbringen kann, so wie es unter großen Anstrengungen und gewaltigen Opfern seine eigene Tagespresse geschaffen hat. Diese Ãœberzeugung gewann ich auf Grund meiner langjährigen Beobachtungen der Mühen, die Hunderte und
MAXIM GORKI - Wie ich schreiben lernte
Die Kunst des literarischen Schaffens, die Kunst, Charaktere und 'Typen" zu gestalten, erfordert Phantasie, Vorstellungsvermögen, 'Einfälle". Wenn der Schriftsteller einen ihm bekannten Krämer, Beamten oder Arbeiter beschreibt, fertigt er eine mehr oder weniger gelungene Photographie eben dieses
KURT PINTHUS - Zuvor (Vorrede zur Anthologie 'Menschheitsdämmerung)
[...] Die Jünglinge dieser Generation fanden sich in einer Zeit, aus der jedes Ethos geschwunden war. Es galt, in jeder Situation Haltung zu bewahren; möglichst umfangreich und mannigfaltig mußte die Menge des genießerisch Rezipierten sein; Kunst wurde ganz nach ästhetischem, Leben ganz nach statis
BERTOLT BRECHT - Die Expressionismusdebatte
[...] Da gingen einige Jahrgänge von Künstlern durch eine expressionistische Periode. Diese Kunstrichtung war etwas Widerspruchsvolles, Ungleichmäßiges, Verworrenes (sie machte derlei sogar zum Prinzip), und sie war voll von Protest (hauptsächlich dem der Ohnmacht). Der Protest richtete sich gegen
BERTOLT BRECHT - Ãœber den formalistischen Charakter der Realismustheorie
Die Erinnerung an den Expressionismus ist für viele eine Erinnerung an freiheitliche Stimmungen. Ich selbst war auch damals gegen das 'sich ausdrücken" als Beruf. (Siehe meine Anweisungen an Schauspieler in den 'Versuchen".) Ich stand skeptisch vor diesen peinlichen, beunruhigenden Unfällen, wo eine
WERNER MITTENZWEI - Der Expressionismus. Aufbruch und Zusammenbruch einer Illusion
[•••] Die Wesensbestimmung des Expressionismus kann weder aus einem bestimmten, fest fixierten weltanschaulichen und literarischen Programm noch aus einer einheitlichen Kunstform erklärt werden. Das Wesen des Expressionismus muß man vielmehr aus den eigenartigen gesellschaftlichen Bedingungen
ERICH WEINERT - Politische Satire — Politisches Kabarett
Wo die Dichtung sich in den Dienst des politischen Kampfes stellt, bedient sie sich entweder der pathetischen oder der satirischen Ausdrucksform. Das Pathos greift an der gefährlichen, die Satire an der lächerlichen Seite des Feindes an. Die Satire ist ihrem Ursprung nach Volksdichtung. Die anonymen
FRIEDRICH WOLF - Kunst ist Waffe!
[â– â– â– ] Ein Dichter, der heute noch l'art pour l'art, die 'Kunst" um des ästhetischen Spieles willen, vollführt, dieser Verse- und Szenenbastler, er ist in unserer Zeit der Arbeitslosenheere, der Mütterselbstmorde und Abtreibungsparagraphen, der Wohnungsnot, Grubenunfälle und Eisenbetongerüste
ENTWURF EINES AKTIONSPROGRAMMS (BPRS)
Die Literatur als wichtiger Bestandteil des ideologischen Ãœberbaus der Gesellschaft tritt in der Epoche der proletarischen Revolution in ein neues Stadium. Nicht allein, daß die bürgerliche Literatur von diesem Kampf beeinflußt wird, auch innerhalb des Proletariats beginnt eine neue Literatur. So s
ANDOR ÄBOR - Ãœber proletarisch-revolutionäre Literatur
Man fragt uns oft: 'Was soll denn eure proletarisch-revolutionäre Literatur sein? Ist sie Kunst wie die andere landläufige Literatur? Oder wollt ihr darunter eure tendenziösen Traktätchen verstehen, mit denen ihr Agitation und Propaganda treibt?" Wir antworten: Unsere Literatur ist Kunst, wenigstens
JOHANNES R. BECHER - Unser Bund
Wenn unser Bund das wird, was er sein kann und wozu unserer Ansicht nach die Kräfte vorhanden sind, dann wird dieser Augenblick, wo wir hier versammelt sind, nicht nur eine Bedeutung haben für die gesamte proletarisch-revolutionäre Literatur, sondern er wird ein Ereignis sein in der Geschichte der A
JOHANNES R. BECHER - Das große Bündnis
[•••] Wenn ich nun von unserer realistischen, von unserer revolutionären Literatur spreche, so gilt der heißeste Gruß, der Ausdruck der engsten brüderlichen Solidarität unseren Freunden in Deutschland selbst, die es unter den Bedingungen der schlimmsten Verfolgung und der täglichen Bedrohung
HEINRICH MANN - An den Kongreß der Sowjetschriftsteller
Die 'antifaschistischen" Schriftsteller sind solche, die ihre Sache auf die Leistung gestellt haben, anstatt auf die Begünstigung durch das faschistische Regime. Sie werden in der Mehrzahl sozialistisch denken; die Hauptsache bleibt, daß sie überhaupt denken wollen. Die antifaschistische Literatur i
EGON ERWIN KISCH - Reportage als Kunstform und Kampfform
Die doppelte Tätigkeit, die dem sozial bewußten Schriftsteller gestellt ist, die des Kampfes und die der Kunst, würde in ihrer Einheit aufgehoben, sie würde in beiden Teilen wirkungslos und wertlos werden, wenn er in seiner Kunst oder in seinem Kampf zurückwiche. Nicht um formaler Wirkung wegen habe
LION FEUCHTWANGER - Vom Sinn und Unsinn des historischen Romans
Damit wären wir bei der Beantwortung der ersten der beiden Fragen, die an den Autor historischer Romane immer wieder gestellt werden. Die erste Frage lautet: wenn Sie zeitgenössische Inhalte geben wollen, warum dann wählen Sie nicht zeitgenössische Stoffe statt der Vergangenheit? Erlauben Sie mir,
BERTOLT BRECHT - Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit
Wer heute die Lüge und Unwissenheit bekämpfen und die Wahrheit schreiben will, hat zumindest fünf Schwierigkeiten zu überwinden. Er muß den Mut haben, die Wahrheit zu schreiben, obwohl sie allenthalben unterdrückt wird; die Klugheit, sie
BERTOLT BRECHT - Der Geist der Versuche
Auf der Umschau nach Vorbildern für die junge proletarische Literatur hat eine große Gruppe innerhalb der marxistischen Literaturtheorie in letzter Zeit die Parole Zurück zum frübbürgerli-chen Roman! aufgestellt und zugleich den entschiedenen Kampf mit gewissen technischen Elementen aufgenommen, die
BERTOLT BRECHT - Ergebnisse der Realismusdebatte in der Literatur
Die große Realismusdebatte in der Literatur, die, ausgehend von der Sowjetunion, eine internationale Bewegung ausgelöst hat, scheint mir zumindest folgende Punkte herausgearbeitet zu haben: 1) Die Romanschriftsteller, welche die Beschreibung des Menschen durch eine Beschreibung seiner seelischen R
BERTOLT BRECHT - Volkstümlichkeit und Realismus
Wenn man Parolen für die zeitgenössische deutsche Literatur aufstellen will, muß man berücksichtigen, daß, was Anspruch erheben will, Literatur genannt zu werden, ausschließlich im Ausland gedruckt und fast ausschließlich nur im Ausland gelesen werden kann. Die Parole Volkstümlichkeit für die Litera
BERTOLT BRECHT - Volkstümliche Literatur
Ob ein literarisches Werk volkstümlich ist oder nicht, das ist keine formale Frage. Es ist keineswegs so, als ob man, um vom Volk verstanden zu werden, ungewohnte Ausdrucksweise vermeiden, nur gewohnte Standpunkte einnehmen müßte. Es ist nicht im Interesse des Volkes, seinen Gewohnheiten (hier Leseg
BERTOLT BRECHT - Kleine Liste der beliebtesten, landläufigsten und banalsten Irrtümer * über das epische Theater
1 Es ist eine ausgeklügelte, abstrakte, intellektualistische Theorie, die nichts mit dem wirklichen Leben zu tun hat. In Wirklichkeit ist sie entstanden in und verbunden mit langjähriger Praxis. Die Stücke, auf denen sie beruht, sind in vielen deutschen, eines, 'Die Dreigroschenoper", ist in fast a
BERTOLT BRECHT - Dreigespräch über das Tragische
KARL: Wenn ich dich reden höre über eure Art, Theater zu machen, dann kommt es mir vor, als hättet ihr einfach aus der Komödie soundso viele Elemente genommen und sie in das ernste Stück gesteckt. Solche Verfremdungseffekte, wie du sie benützt, findet man im niedersten Schwank. Ich erinnere mich, wi
BERTOLT BRECHT - Ãœber das Zerpflücken von Gedichten
Der Laie hat für gewöhnlich, sofern er ein Liebhaber von Gedichten ist, einen lebhaften Widerwillen gegen das, was man das Zerpflük-ken von Gedichten nennt, ein Heranführen kalter Logik, Herausreißen von Wörtern und Bildern aus diesen zarten blütenhaften Gebilden. Demgegenüber muß gesagt werden, daß
BERTOLT BRECHT - Zu Wordsworths: 'She was a phantom of delight
[...] Lyrik ist niemals bloßer Ausdruck. Die,lyrische Rezeption ist eine Operation so gut wie etwa das Sehen oder Hören,d. h. viel mehr aktiv. Das Dichten muß als menschliche Tätigkeit angesehen werden, als gesellschaftliche Praxis mit aller Widersprüchlichkeit, Veränderlichkeit, als geschichtsbedin
ANNA SEGHERS - Die Tendenz in der reinen Kunst
Wenn man auf dieses Thema zu sprechen kommt, wird der Streit viel heftiger als irgendein anderer Streit in Kunstfragen. Warum? Weil er in jedem einen entscheidenden Punkt berührt. Auf der einen Seite erklären die Anhänger der 'Tendenzkunst", daß ein Kunstwerk nur Berechtigung habe, wenn es in den Ka
ANNA SEGHERS - Der wichtigste 'Ismus
Der sozialistische Realismus wird bejahend oder polemisch von Menschen erwähnt, die in Verlegenheit kommen, wenn man sie genau fragt, was das ist. Die Sowjetschriftsteller handhaben auch diesen Begriff nicht wie ein Meßinstrument. Der Realismus eines Rabelais war anders als der eines Balzac. Fadej
JOHANNES R. BECHER - Verteidigung der Poesie
Für manchen Leser mag es eine Enttäuschung sein, daß in dem vorliegenden Buch, das den Titel trägt 'Verteidigung der Poesie -Vom Neuen in der Literatur", kaum die Rede ist von der Technik des Gedichts und den verschiedenen Arten der Dichtung. Darin kommt unser besonderer Standpunkt dem Prinzip der P
JOHANNES R. BECHER - Meine poetische Konzeption
Meine Bemerkungen sind Bemühungen. In der 'Verteidigung der Poesie", in der 'Poetischen Konfession", in 'Macht der Poesie" und in dem abschließenden Band 'Das poetische Prinzip" bin ich bemüht, unsere allgemeine ästhetische Theorie von der künstlerischen Gesetzmäßigkeit dadurch zu ergänzen und zu v
JOHANNES R. BECHER - Der prägnante Punkt
'Wenn man zu jung ist, urteilt man nicht richtig; ist man zu alt, desgleichen. Wenn man nicht genug an eine Sache denkt, wenn man zuviel an sie denkt, versteift man sich darauf und vernarrt sich in sie. Wenn man sein Werk, unmittelbar nachdem man es fertiggestellt hat, betrachtet, ist man noch ganz
BERTOLT BRECHT - Nicht nur Spiegel der Wahrheit
Denken wir immer daran, die Entpersönlichung ist ein Zeichen der Kraft. Wir müssen den Gegenstand in uns aufnehmen, er muß in uns kreisen und wieder aus uns herausgehen, ohne daß man diese wunderbare Verwandlung hegreifen kann. Unser Herz darf nur die Herzen der anderen fühlen. Wir müssen Spiegel se
BERTOLT BRECHT - Ãœber sozialistischen Realismus
Was 'sozialistischer Realismus" ist, sollte nicht einfach vorhandenen Werken oder Darstellungsweisen abgelesen werden. Das Kriterium sollte nicht sein, ob ein Werk oder eine Darstellung andern Werken oder Darstellungen gleicht, die dem sozialistischen Realismus zugezählt werden, sondern ob es sozial
BERTOLT BRECHT - Was ist Formalismus?
Die bürgerliche Freiheit ist für die Proletarier ein Formalismus, etwas 'auf dem Papier", eine leere Phrase, etwas zum Augenauswi-schen; denn*sie sind nur 'der Form nach" frei. Der pompöse Satz der Weimarer Verfassung 'Jeder kann ein Grundstück erwerben" ist nur ein formaler Fortschritt gegenüber Ze
BERTOLT BRECHT - Das Typische
1 Historisch bedeutsam (typisch) sind Menschen und Geschehnisse, die nicht die durchschnittlich häufigsten oder am meisten in die Augen fallenden sein mögen, die aber für die Entwicklungsprozesse der Gesellschaft entscheidend sind. Die Auswahl des Typischen muß nach dem für uns Positiven (Wünschbare
BERTOLT BRECHT - Wie man Gedichte lesen muß
Liebe Pioniere, ihr beschäftigt euch mit meinen Gedichten. Da ich nun ab und zu über Gedichte ausgefragt werde und da ich aus meiner Jugend weiß, wie wenig Spaß uns Kindern die meisten Gedichte in unseren Lesebüchern machten, will ich ein paar Zeilen darüber schreiben, wie man nach meiner Ansicht G
BERTOLT BRECHT - Kleines Organon für das Theater
1 Theater besteht darin, daß lebende Abbildungen von überlieferten oder erdachten Geschehnissen zwischen Menschen hergestellt werden, und zwar zur Unterhaltung. Dies ist jedenfalls, was wir im folgenden meine, wenn wir von Theater sprechen, sei es von altem oder neuem. 2 Um noch mehr unterzubringen
HORST REDEKER - Die Produktivität im Kunstgenuß
'Was nutzt die glühende Natur An deinen Augen dir, Was nutzt dir das Gebildete Der Kunst rings um dich her, Wenn liebevolle Schöpfungskraft Nicht deine Seele füllt Und in den Fingerspitzen dir Nicht wieder bildend wird?" Goethe Die Rezeption des Kunstwerks ist dessen gesellschaftliche
MANFRED NAUMANN - Gesellschaft — Literatur - Lesen. Literaturrezeption in theoretischer Sicht
[•••] Man kann sich die Beziehungen zwischen literarischer Produktion und Rezeption, zwischen den Autoren, den Werken und den Lesern so vorstellen: Die Autoren schaffen Werke, diese durchlaufen in der Gestalt des Buches eine Sphäre der Zirkulation und des Austauschs, um dann in der Rezeption
ROBERT WEIMANN - Tradition als literargeschichtliche Kategorie
Tradition lebt aus der Einheit und dem Widerspruch von vergangener geschichtlicher Wirklichkeit und gegenwärtigem geschichtlichem Bewußtsein. Der Inhalt der Tradition, das überlieferte tradi-tum oder tradendum, stellt zwischen der geschichtlichen Schöpfung und ihrem gegenwärtigen Vollzug und Weiterw
ERWIN PRACHT - Sozialistischer Realismus als künstlerische Methode
Wie Marx nachwies, scheidet die Bourgeoisie mit der massenhaften Durchsetzung von Industriekapital und Lohnarbeit im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts als kulturzeugende und kulturtragende Klasse aus der Geschichte aus, wobei dies als historischer Prozeß aufzufassen ist. An einer Kunst, die p
TAMARA MOTYLJOWA - Betrachtung des Neuen im sozialistischen Realismus
Die Diskussion zu Problemen des sozialistischen Realismus in der gegenwärtigen Etappe ist von 'Woprossy literatury" zum richtigen Zeitpunkt eröffnet worden. In jedem Land der sozialistischen Welt geht die Entwicklung der Literatur ihre eigenen nationalen Wege, deren Vielfalt — wie auch die Kompliz



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