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Mittelalterliche Texte



Mit der von Zahl und Qualität der Ãoberlieferungsträger bestimmten Ãoberlieferungslage eines Textes verändern sich auch die Aufgaben und Probleme des Textkritikers und Editors. Vergleichbar mit der Situation des Klassischen Philologen ist die des Herausgebers von mittelalterlichen Texten, die nur in ganz wenigen Ausnahmefällen im Original überliefert sind. Neuere Erkenntnisse über die Ãoberlieferungsbedingungen derTexte sowie die Erweiterung des Gegenstandsbereichs der Mediävistik durch die Einbeziehung nicht-literarischer Textformen schränken den Anwendungsbereich des Lachmannschen Editionsverfahrens hier jedoch ein. Da in vielen Fällen mit einer offenen, von mehreren unterschiedlichen >Originalen< ausgehenden und zudem von Kontamination gekennzeichneten Ãoberlieferung zu rechnen ist, wird die Möglichkeit der Rekonstruktion eines allen überlieferten Textzeugen überlegenen Archtetypus heute allgemein eher zurückhaltend beurteilt. So tritt hier neben den Rekonstruktionsversuch des Archetypus der diplomatische Abdruck einer bestimmten historischen Abschrift und häufig das Prinzip der Leitbandschrift, bei dem der Editor eine bestimmte als qualitativ gut erkannte Abschrift zur Textgrundlage wählt, die nur in Fällen ganz offensichtlicher Fehler von ihm verbessert wird .
      Im Zusammenhang mit der Edition sogenannter >unfester Textes für deren Ãoberlieferung etwa im Zusammenhang mit unterschiedlichen Zweckbestimmungen zahlreiche Textmutationen und mehrfache Redaktionen charakteristisch sind, kommt eine Archetypus-Rekonstruktion grundsätzlich nicht in Frage. Das Bemühen um ein >Origi-nal< verliert hier seine Berechtigung; an seine Stelle tritt als Editionsziel der in den Handschriften überlieferte, nachweislich gelesene und wirkungsmächtige Text bzw. das Ensemble seiner verschiedenen Fassungen. Sinnvoll ist in solchen Fällen eine die rezeptionsgeschichtliche Textvarianz erschließende überlieferungsgeschichtliche Edition, die entweder den gebräuchlichsten Text in der authentischen Gestalt einer individuellen historischen Handschrift zugrundelegt, oder als Mehrtext-Ausgabe mit editorischer Vergegenwärtigung der Textrelationen realisiert wird -etwa in Gestalt einer synoptischen Wiedergabe von Handschriften.

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