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Ausblick
Die Bereitstellung des Textes als zentrale Aufgabe von Textkritik und Textedition kann also je nach der - von Entstehungs- und Überlieferungsbedingungen abhängigen - Existenzweise eines Textes sehr unterschiedliche Ziele verfolgen und dementsprechend verschiedene Verfahren implizieren. Dem traditionellen Ziel der Wiederherstellung des Originals oder der Rekonstruktion des Textes in seiner idealen - schon vollendeten und noch nicht verwitterten - Gestalt am Kreuzungspunkt von Entstehungsund Überlieferungsgeschichte stehen Vorstellungen gegenüber, die den Text als Prozeß in den Mittelpunkt rücken. Solche dynamischen, >offenen< Textkonzeptionen sind dabei nicht auf die Berücksichtigung der Entstehungsgeschichte eines Textes zu begrenzen: einbezogen werden können auch die Überlieferungs- und -> Rezeptionsgeschichte eines Textes , die von seiner Genese nicht immer eindeutig zu trennen sind; in Fällen nicht autorfixierter >unfester< Texte fallen Entstehungsund Rezeptionsgeschichte zusammen.
Mit der Entwicklung eines dynamische und statische Textkonzepte umgreifenden Komplexen Textbegriffs< wurde der Versuch gemacht, beide Aspekte wieder miteinander zu vermitteln, um so dem gerade in der Dialektik von Gestalt und Prozeß liegenden Kunstcharakter des literarischen Textes gerecht zu werden; als editorische Realisationsversuche solcher Vermittlung können Ausgaben angesehen werden, die den genetischen Prozeß und einen geschlossenen Text präsentieren . Aktuelle Entwicklungen und Diskussionen werden dokumentiert in den Zeitschriften »Stu-dies in Bibliography«, »Text«, »editio« und »Genesis« .
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