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Zur Geschichte des Krimis für Erwachsene und für Kinder und Jugendliche
Der Krimi ist ein Produkt der Aufklärung und der Veränderung der Strafprozessordnung im Gerichtswesen seit dem 18. Jahrhundert. Nach Abschaffung der Folter gewannen die Indizien in Strafprozessen ein immer größeres Gewicht; sie wurden im 19. Jahrhundert häufig sogar über Geständnis und Zeugenaussage gestellt. Mit diesen Veränderungen in der Strafprozessordnung einher ging das Entstehen von privaten und staatlichen Institutionen zur Bekämpfung der Verbrechen und zu ihrer Aufklärung. Ein öffentliches Interesse an Strafprozessen begünstigte das Entstehen des Krimis als Gattung. Nusser sieht daneben aber auch in der Geistesgeschichte wichtige Ursachen, ebenso in der Entwicklung des Buchhandels, des Kolportagewesens, des Zeitungs- und Zeitschriftenwesens sowie in der Erweiterung der Lesefähigkeit eines breiteren Publikums.
Der 'Pitaval" , die Schauerromane und Abenteuerromane des ausgehenden 18. Jahrhunderts gelten als Vorläufer des Krimis. In Schillers 'Der Verbrecher aus verlorener Ehre" , E.T. A. Hoffmanns 'Fräulein von Scudery" , aber auch in James F. Coopers 'Der Letzte der Mohikaner" , 'Der Pfadfinder" oder den Romanen der Franzosen Eugene F. Vidocq, Honore de Balzac, Eugene Sue, Alexandre Dumas und des Engländers Charles Dickens sehen zahlreiche Literaturwissenschaftler literarische Texte, in denen das Verbrechen und seine Aufklärung eine besondere Rolle spielen und die daher durchaus schon zu den Krimis gerechnet werden können. Die eigentliche Entstehung dieser Gattung wird aber in der 1841 veröffentlichten Detektiverzählung 'Die Morde in der Rue Morgue" von Edgar Allan Poe gesehen: Zwei Morde, in einem geschlossenen Raum verübt, werden allein durch die intellektuellen Fähigkeiten Dupins geklärt. Kunst und Leidenschaft der Analyse und Deduktion - so meint Poe - können letztlich jeden Fall lösen. In die Nachfolge Poes gehören dann die berühmten Krimi-Autoren wie Wilkie Collins, Emile Gaboriau, Arthur Conan Doyle, Gilbert Keith Chesterton, Agatha Christie bis hin zu den bekannten Gegenwartsautoren.
Die Reihe der Krimis für Kinder und Jugendliche lässt Hasubek mit Dickens Roman 'Oliver Twist" beginnen, dessen Rätselcharakter über Geburt und Herkunft Olivers eine der Detektivgeschichte vergleichbare Rätselstruktur besitze; zudem sei das kriminelle Element in dem Roman 'in zahlreichen Spielarten" ausgeprägt. Er setzt diese Reihe fort mit Mark Twains 'Tom Sawyers Abenteuer" und 'Die Abenteuer des Huckleberry Finn" , in denen in die abenteuerliche Struktur kriminalistische Elemente eingebettet seien.
'Die Schatzinsel" von Robert Louis Stevenson, die eher ein Abenteuerroman und keine Detektivgeschichte ist, zählt Hasubek wegen der in ihr verwendeten kriminellen Elemente und der abenteuerlich-spannenden Schatzsuche ebenfalls zu den 'Vorläufern und Wegbereitern" des Krimis wie Karl Mays Erzählung 'Das Buschgespenst". 'Mit dem 1928 erschienenen Jugendroman von Erich Kästner 'Emil und die Detektive' erreicht das Genre der Detektivgeschichte innerhalb der hier aufgezeigten Linie einen ersten Höhepunkt und ein vorläufiges Ziel." . Dieses Buch ist von ausschlaggebender Bedeutung für die Entwicklung der Detektivgeschichte für Kinder- und Jugendliche. Wenn auch nicht das klassische Muster eine Detektivgeschichte vorliegt, da der Täter von Anfang an bekannt ist und es in erster Linie um seine Verfolgung und Überführung geht, zeigen sich folgende grundlegende Merkmale der Gattung: Kinder bzw. Jugendliche als Detektive, und zwar als Gruppe, die spannungssteigernden Mittel der Verfolgung und Überführung der Täters sowie ein starker Realitätsbezug durch das Großstadtmilieu der 20er Jahre. Unentwickelt dagegen bleibt das detektorische Moment.
Fortsetzen lässt sich diese Reihe der klassischen Krimis für Kinder und Jugendliche mit Wolf Durians 'Kai aus der Kiste" , Wilhelm Matthiessens 'Das rote U" , Alfred Weidenmanns 'Gepäckschein 666" , Astrid Lindgrens Detektivgeschichten 'Meisterdetektiv Blomquist" , 'Kalle Blomquist lebt gefährlich" und 'Kalle Blomquist, Eva-Lotte und Rasmus" bis hin zu den Krimi-Serien von Enid Blyton 'Fünf Freunde" und ihre 'Geheimnis-" und 'Abenteuer"-Serien, Hitchcocks 'Die drei ???", Jo Pestums 'Der Kater" und 'Detektiv Luc Lucas", Marjorie Weinman Sharmats/Detlef Kerstens 'Nick Nase", Henry Winterfelds im antiken Rom spielenden 'Caius"-Krimis, Thomas Bre-zinas 'Knickerbocker-Serie" und 'Du und das Tiger-Team", Wolfgang Eckes 'Meisterdetektiv Balduin Pfiff" und 'Perry Clifton" und Hans Joachim Alpers' 'Die Ökobande", eine Serie, von der inzwischen 13 Bände vorliegen.
Zahlreiche Krimis für Erwachsene sind außerdem für Kinder und Jugendliche als Adressaten neu verlegt worden; dazu zählen vor allem die 'Miss Marple"-Krimis von Agatha Christie und die 'Sherlock Holmes"-Geschichten von Arthur Conan Doyle und Krimis von Edgar Wallace.
Im deutschsprachigen Raum haben sich seit den 70er Jahren renommierte Autoren des Erwachsenen-Krimis auch dem kinder- und jugendliterarischen Genre zugewandt und dieses im Sinne des neuen deutschen Krimis intensiv beeinflusst. Dazu zählen u. a. Hansjörg Martin, -ky, Felix Huby, Michael Molsner und Irene Rodrian.
Zu den bekannten Kinder- und Jugendbuchautoren, die sich in diesem Genre versucht haben, gehören Max von der Grün mit seinen 'Vorstadtkrokodilen" , Christine Nöstlinger mit 'Der Denker greift ein" , 'Spürnase Jakob-Nachbarkind" und 'Mini erlebt einen Krimi" , Jurij Koch mit 'Golo und Logo" , Margret Steefatt, Josef Grund, Othmar Fritz Lang, Ingrid Kötter, Knister, Jan de Zanger u.a.
Der gegenwärtige Krimi-Markt für Kinder und Jugendliche ist außerordentlich umfangreich und sehr vielfältig. Neben anspruchsvollen gesellschafts- und sozialkritischen Krimis und einer Fülle an spannenden Unterhaltungskrimis gibt es zahlreiche triviale, aber erfolgreiche Serienprodukte.
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