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Die Genieästhetik


Man kann, sucht man nach einer handlichen Formel, die literarische Revolution der 1770er Jahre als den Schritt von der normativen Poetik zur Ästhetik beschreiben. Sammlungen von Regeln und praktischen Hinweisen zur Verfertigung von Dichtungen, feste, vorgeblich überzeitliche Malsstäbe zur Beurteilung literarischer Werke: das ist noch der Inhalt vo


n Gottscheds Versuch einer britischen Dichtkunst (1730, 4. Aufl. 1751). Die Ästhetik fragt indes nach dem Genie des Dichters, nach den geschichtlichen Bedingungen seines Schaffens, nach den persönlichen Besonderheiten seiner Werke oder den Wirkungen auf die Leser. Sah die normative Poetik den Rang und die Wahrheit der Dichtung durch Autoritäten begründet und durch die Übereinstimmung mit Religion, Philosophie und Gesellschaft verwirklicht, so sieht die Ästhetik des Sturm und Drang sie in der Subjektivität des Dichters. Wie sich dieser Wandel vollzog, zeigt die Entdeckung Shakespeares am deutlichsten. 1716-1718 war die erste deutsche Übersetzung in Halle erschienen; um 1740 setzte eine lebhafte Diskussion seiner Werke ein, die vor allem in Leipzig von (iottsched und seiner Frau sowie in Zürich von Bodmer geführt wurde. Diese Debatte wurde durch die Übersetzung des Julius Caesar von Caspar Wilhelm von Borck verstärkt, v. Borck war 1726-1728 und 1733 preußischer Gesandter in London und übertrug das Drama in deutsche Alexandriner; (iottsched kritisierte heftig Shakespeares Verstöße gegen die Regclpoetik des Aristoteles, wie er sie verstand; Johann Hlias Schlegel hielt dem entgegen, das Theater müsse den Sitten und dem Charakter einer Nation entsprechen, wenn es F.rfolg haben solle, und Lessing griff diesen Gedanken 1750 in den Heyträgen zur Historie und Aufnahme des Theaters auf. Zehn Jahre später kam er in der berühmten grundsätzlichen Auseinandersetzung mit (iottsched im 17. Literaturbrief vom 16. Februar 1759 auf das Argument zurück und führte es derart aus, daß seine Polemik gegen (iottsched fast als literarisches Programm des Sturm und Drang gelesen werden könnte: "Fr hätte aus unsern alten dramatischen Stücken, welche er vertrieb, hinlänglich abmerken können, daß wir mehr in den Geschmack der F,ng-länder, als der Franzosen einschlagen; daß wir in unsern Trauerspielen mehr sehen und denken wollen, als uns das furchtsame französische Trauerspiel zu sehen und zu denken gibt; daß das Große, das Schreckliche, das Melancholische, besser auf uns wirkt als das Artige, das Zärtliche, das Verliebte; daß uns die zu große Einfalt mehr ermüde, als die zu große Verwicklung etc. Er hätte also auf dieser Spur bleiben sollen, und sie würde ihn geraden Weges auf das englische Theater geführet haben." (Lessing, Bd. IV, S. 500)


Das Vorbild des Genies Johann Gottfried Herder: Shakespeare
Analyse Von Herders Shakespeare-Aufsatz, den er 1773 in dem Bändelten Von deutscher Art und Kunst zusammen mit dem Auszug aus einem Briefwechsel über Ossian veröffentlichte, gibt es zwei frühere Fassungen: einen ersten Entwurf vom Juni 1771, der als Antwort auf Gerstenbergs Versuch über Shakespeare [ ... ]
Johann Wolfgang Goethe: Von deutscher Baukunst
Analyse Zu den Neubewertungen, die in Kunsttheorie und Sprachgebrauch der 1770er Jahre die Bedeutung vieler Worte veränderten, gehört auch der Bedeutungswandel, den das Wort gotisch erfuhr: Goethe verband zunächst Vorstellungen von 'unbestimmtem, ungeordnetem, unnatürlichem, zusammengestoppeltem, a [ ... ]



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