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Der Epochenbegriff



Es ist üblich, die Epoche Sturm und Drang von den späten sechziger bis zu den frühen achtziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts zu datieren. Man nennt dies Jahrhundert in der politischen Geschichtsschreibung die Zeit des Absolutismus; in der Geschichte der Volkswirtschaft spricht man vom Merkantilismus, in der Geistesgeschichte von der Aufklärung, und, bezogen auf die Jahre etwa ab 1760, der Empfindsamkeit. Ein neuer Begriff ist die Bezeichnung Sattelzeit für die Jahrzehnte um 1770. Literaturhistoriker benutzen neben der Epochenbezeichnung Sturm und Drang bisweilen auch den Begriff Geniezeit. )

Solche Epochenbezeichnungen sind heuristische Begriffe. Das heißt: sie sagen nicht, "wie ein Gegenstand beschaffen ist, sondern wie wir, unter der Leitung desselben, die Beschaffenheit und Verknüpfung der Gegenstände der Erfahrung überhaupt suchen sollen" . Diese Definition, die Kant in der zweiten Auflage der (Iritik der reinen Vernunft 1787 formulierte, beschreibt, was wir heute eine Arbeitshypothese, eine Vermutung, ein Gedankenexperiment oder ein Modell nennen. Epochenbegriffe sind, so verstanden, Ordnungsprinzipien. Wer sie benutzt, sagt, unter welchem Gesichtspunkt er die Personen, Ereignisse, Texte und Kunstwerke eines bestimmten Zeitraumes sieht. Damit räumt er die Möglichkeiten der Nachfrage, des Zweifels und des Widerspruchs ein.
      Daraus ergeben sich zwei Konsequenzen: zunächst gibt es die Aufklärung, den Sturm und Drang, die Geniezeit nicht in dem Sinne, wie es z. B. die Freie Reichsstadt Frankfurt am Main in diesen Jahren gab; wenn man einen der Autoren jener Jahre einen Aufklärer, einen Stürmer und Dränger oder ein Genie nennt, so läßt sich eine solche Klassifizierung in Frage stellen. Und bei genauerer Betrachtung der Lebensläufe jener Theoretiker, Publizisten und Dichter, die in diesen Jahren ihre Werke schrieben, wird man kaum einen finden, der einem vorgefaßten heuristischen Begriff des Stürmers und Drängers völlig und genau entspräche; vielmehr wird man in fast jedem Text der Epoche Züge finden, die den vorausgesetzten F2po-chenbegriff falsifizieren. Aber solche Falsifikation kann insofern für die Erkenntnis der Sache fruchtbar sein, als sie zu genaueren Unterscheidungen und damit zur Erweiterung unseres Wissens führt.

     

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