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Das Literarische Publikum



Die Aufklärung brachte eine Verhaltensweise hervor, die es in dieser Art zuvor nicht gegeben hatte: die Menschen begannen zu lesen. Deutlich wird die Entstehung des Lesepublikums, wenn man die Zahl der in Deutschland veröffentlichten Bücher betrachtet. Die Leipziger Meßkataloge verzeichnenvon 1740 bis 1770 ein außerordentliches Anwachsen von schöngeistigem Schrifttum. Die deutsche Produktion von Dramen, Romanen und Gedichten vervierfachte sich in diesem Zeitraum. Waren 1740 insgesamt nur 30 Titel dieser Art erschienen, so waren es 1770 gut viermal so viele: 122. Man darf daraus schließen, daß nicht nur mehr Bücher geschrieben und gedruckt, sondern auch verkauft und gelesen wurden. Der Kreis der Leser weitete sich mächtig aus: Neben die Wissenschaftler, die seit dem Humanismus bis weit ins 18. Jahrhundert hinein nahezu die einzigen Sammler und Leser von Büchern waren, treten nun der Bürger und, vor allem, die Frauen: das 'Frauenzimmer", wie man damals freundlich sagte, tut seine ersten zaghaften Schritte auf dem Wege zur F.manzipation. Hatten Bürger und - wohl seltener - Bauern bisher intensiv gelesen, so weitete sich nun ihre Lektüre aus. Es war allgemein üblich gewesen, wenige Bücher immer wieder zu lesen: die Bibel und womöglich einige religiöse F'rbauungsschrif-ten. Von dem preußischen König Friedrich IL wird berichtet, daß er wiederholt Bücher gelesen habe, die ihm schon bekannt waren, vor allem lateinische Klassiker und französische Zeitgenossen, Voltaires Candide allein viermal im Jahre 1759. Und noch Napoleon las Cioethes Werther siebenmal. Das änderte sich nun: man las sehr viel extensiver. Statt ein und dasselbe Buch des öfteren zu lesen, ging man dazu über, neue Bücher und Zeitschriften zu lesen. Das schöngeistige Schrifttum und die unterrichtende Aufklärungsliteratur verdrängten die Bibel und die religiösen F.rbauungs-schriften. Das persönliche und gesellschaftliche Leben wurde zunehmend von Büchern beeinflußt und von einer besonderen Literaturgattung: den Moralischen Wochenschriften.


      Das waren Zeitschriften eines Typs, der in F.ngland um 1710 entstanden war. Richard Steele und Joseph Addison hatten 1709-1711 The Tatler und 1711-1712 The Spectator herausgegeben. In ihrem Gefolge entstanden in Europa und auch in Nordamerika zahlreiche ähnliche Publikationsorgane. Man hat allein in Deutschland etwa 110 von ihnen gezählt. Sie stellten die Theorien und Ãoberzeugungen der Aufklärung dar und wandten sie auf Fragen der Lebensführung an; sie forderten dazu auf, sich in der Welt einzurichten und auch Unglücksfälle 'vernünftig" zu ertragen, um ihnen einen moralischen Sinn abzugewinnen. Sie lehrten Selbstbeschränkung und Bescheidenheit, Frömmigkeit und Wahrheitsliebe, Toleranz und Gerechtigkeit, Fleiß und Uneigennützigkeit. Sie priesen Einsicht, Klugheit und 'gesunde" Vernunft. Sie bekämpften Heuchelei, Bigotterie und Aberglauben, den Glauben an Teufel und Hexen. Wie nötig das war, zeigt die Hinrichtung der 'letzten Hexe Europas" Anna Göldi, die noch 1782 in Glarus geköpft wurde. Die meisten Wochenschriften erschienen nur ein oder zwei Jahre lang; ihre Blütezeit waren die Jahrzehnte zwischen 1740 und 1760.
     

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