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Ausgang - Ohne Jammern - Theodor Fontane (I8I9-I898)



Ausgang
Immer enger, leise, leise Ziehen sich die Lebenskreise, Schwindet hin, was prahlt und prunkt, Schwindet Hoffnung, Hassen, Lieben, Und ist nichts in Sicht geblieben Als der letzte dunkle Punkt.
     
Dieser Sechszeiler zählt zu den Gedichten, die man nicht unbedingt kommentieren muss. Form und Inhalt der Verse bereiten dem unmittelbaren Verständnis keine Schwierigkeiten. Je weiter sich der altgewordene Dichter aus dem Wirbel des lebendigen Daseins entfernt, desto entschiedener richtet sich der Blick auf das Ende. Aber es ist eine Festigkeit in der Resignation, die kein Jammern zulässt.
      So hat die Abwendung von allem Prahlenden und Prunkenden wenig gemeinsam mit der Absage an die »Eitelkeit« der Welt, die mit leidenschaftlicher und rhetorischer Beharrlichkeit so manches Barockgedicht durchtönt. Nicht die Hinfälligkeit und Vergänglichkeit des Lebens wird beklagt, keine Weltabkehr gepredigt. Es ist der natürliche Lauf des Lebensprozesses, der erkannt und hingenommen wird.
      Geradezu verführerisch ist der Gedanke, diesen Sechszeiler als ein Rollengedicht zu lesen, es dem alten, seinem Ende entgegensehenden Dubslav von Stech-lin in den Mund zu legen. Da wäre freilich das Zeugnis skeptisch-tapferer Altersresignation der Romanfigur dann auch nur eine Rollenrede des alten Fontane selbst.
     

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Ausgang  -  Ohne  Jammern  -  Theodor  Fontane  (I8I9-I898)    


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