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Oskar Loerke (I884-I94I): Brief-Wilhelm Lehmann (I882-I968): Auf sommerlichem Friedhof (I944)



Zwei Gränchen Staub im Wind

Oskar Loerke, Träger des Kleist-Preises von 1913, war als Cheflektor des S. Fischer Verlags eine der Schaltstellen des literarischen Lebens in den zwanziger Jahren. In seinen Dichtungen bleiben Landschaftserlebnisse einer Kindheit im Osten prägend. Seine Naturlyrik streift in der magischen Beschwörung eines »grünen Gottes« das Mythische. Durch die nationalsozialistische Kulturpolitik aus dem Amt des Sektionssekretärs der Preußischen Akademie der Künste getrieben, zog er sich mehr und mehr von der Öffentlichkeit zurück. — Aus einer Situation der Abgeschiedenheit spricht das Ich des Gedichts Brief.

      Brief
Ich liege einsam hier im dunklen Haus,

Und fern löschst du die müde Lampe aus,
Und Abend ist es, Abend. Unser Ohr,

So sehr es lauscht, ist für den andern taub,
Nicht ragt ein Ziegel deines Dachs hervor:

Du und Dein Haus bist nur ein Körnchen Staub.
      Und wenn das Haus auf Deinem Kopf zerbricht,

Und wenn du stürbest, sieh, ich weiß es nicht.
      Und ich kann sterben, und du weißt es nicht.
      ... Zwei Gränchen Staub im Wind: mehr sind wir nicht.
      Schon der Titel kündigt verminderte Kommunikation an. Ein Brief kann das Getrenntsein der Partner nur notdürftig überbrücken. Und dieser Brief handelt zudem von der Vergeblichkeit und Unmöglichkeit der wechselseitigen Wahrnehmung. Ein Liebesbrief, der aller Hoffnung bar ist! Sind die Partner füreinander taub geworden, weil die Empfindungen erkalteten? Oder ist die lebendige Ich-Du-Beziehung das Opfer von Zwängen, von äußerer Gewalt geworden? Das Gedicht verrät es nicht.
      Wie abgestorben sind die Partner füreinander. So hat der Gedanke an Vergänglichkeit und Tod nichts Abruptes. Das Bibelwort »Es ist alles aus Staub geworden, und wird wieder zu Staub« scheint als Echo nachzuhallen im »Körnchen Staub«. Aber nicht dem Tod selbst gilt die Klage, sondern dem Unerbittlichsten dieser Trennung: dass nicht einmal die Nachricht vom Tod des einen den anderen erreichen wird. So voneinander weggerissen, sind beide nur noch »zwei Gränchen Staub im Wind«.
      Die Ich-Du-Beziehung ist in den Zustand ihrer Verneinung geraten, und die Negation bemächtigt sich auch der lyrischen Form. Loerke hielt grundsätzlich an metrischen und strophischen Ordnungen fest; so hat hier die Abweichung von gewohnter Reimkunst besonderes Gewicht. Alle drei Schlussverse enden mit demselben Wort. Dieses dreifache »nicht« wird zum Basso ostinato im lyrischen Ausdruck abgründiger Resignation.
      Als seinen Lehrer rühmte Loerke den zwei Jahre älteren Wilhelm Lehmann im Nachwort seiner Sammlung Der Silberdistelwald . Lehmann seinerseits übernahm einen Loerkeschen Begriff in seinem Versbuch von 1941, Der grüne Gott. Auch Lehmann stand politisch im Abseits, das Schriftstellerverzeichnis der »Reichsschrifttumskammer« von 1942 enthält seinen Namen nicht. Wechselseitige Verehrung begründet die Freundschaft Loerkes und Lehmanns. So traf der Tod Loerkes in Berlin-Friedenau, im Februar 1941, den Freund in Eckernförde tief. Der Besuch an Loerkes Grab ist der Anlass zu Lehmanns lyrischem Requiem.

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