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Zu einigen Werken verdienstvoller Zipser im I9. Jahrhundert, klassifiziert nach Samuel Weber



Wir sind, um es mit den Worten Dr. Guhrs zu sagen, in unserem Beitrag darum bemüht, 'den Inhalt vergangener Jahre, das Wissenswerte der Gegenwart" zu vermitteln und den 'Einblick in die Zukunft" zu eröffnen und zu ermöglichen.
      Greifen wir zu diesem Zweck auf den von Samuel Weber verfaßten Sammelband Ehrenhalle verdienstvoller Zipser des XIX. Jahrhunderts zurück. Darin werden zahlreiche Prosaautoren, Lyriker und Verfasser wissenschaftlicher Werke angeführt. Insgesamt sind 141 Vertreter des Zipser geistigen Lebens mit biographischen Daten und reichem Quellenmaterial erfaßt.

      Aus dem Bereich der Lyrik will ich drei Namen erwähnen: Carl Kalchbrenner aus Wallendorf mit Eisenbahn und Ehestand. Auf humorvolle Art wird darin die Ehe mit einer Bahnfahrt, mit ihren Gefahren und Schönheiten gleichgesetzt. Als zweiten Emerich von Fest mit An die Zips, ein Hohelied der Heimatverbundenheit, und als dritten Johan Carl Unger und seine Bände Gedichte und Feierstunden. Wiens Bewohnern gewidmet .
      Die von Samuel Weber aufgelisteten Prosawerke umfassen: A) geographische Aufzeichnungen; B) sprachwissenschaftliche Arbeiten; C) Komitats- und Reisebeschreibungen; D) klimatologische Erörterungen; E) religiöseTraktate; F) historische Rückblicke; G) landwirtschaftliche Ratschläge; H) ärztliche Fachreferate; I) botanische Beobachtungen; J) kunsthistorisehe Abhandlungen und literarische Werke.

     
   Aufarbeitung des literarischen Erbes aus gegenwärtiger Sicht
Das Wissenswerte der Gegenwart liegt in den Händen zeitgenössischer Literaturforscher. Das begriff die Germanistikabsolventin Simone Piatkowska aus Bratislawa, die sich in ihrer Diplomarbeit mit dem Werk des 1918 dort geborenen Alfred Marnau auseinandersetzt. Und in der Literaturzeitung 'Literärne noviny", Noviny Nr. 5 veröffentlichte Peter Valsek einen Bericht über Marnau. Er betont dessen literarische Vermittlerrolle in den Londoner Exil jahren ab 1939. Marnau publizierte in der 'Revue literarischer Kunst und Literatur" englische Ãobersetzungen tschechischer und slowakischer Poesie, verfaßte selbst Gedichtbände unter denTiteln Vogelfrei . Die Wunden der Apostel und Räuberrequiem sowie die Romantrilogie Die Mitwirkenden. Er übersetzte Ady, Webster und Marlowe. Die Diplomandin hat ein weites Wirkungsfeld, sie weiß noch nicht mit Bestimmtheit, ob sie eine sprachliche oder eine literarische Analyse durchführen wird.
      Ich selbst habe vor, mich des poetischen Nachlasses des vor etwa 20 Jahren heimge-gangenen Professors Robert Weiszer anzunehmen. Die Materialien zu diesem Forschungsvorhaben liegen bereits vor.
      Den Germanisten in unserem Staat wurde aufgetragen, bisher unveröffentlichtes deutschsprachiges Schrifttum der Vergessenheit zu entreißen. Die Sprachwissenschaftler bekamen grünes Licht. Sie konnten mit amtlicher Genehmigung in Archiven stöbern und dank guter Sprachkenntnisse, die zur Sinnerschließung jahrhunderteal-terTexte notwendig sind, ihre Arbeit zügig vorantreiben.
      Ein etwas schwierigerer Bergaufstieg erwartete die Literaturwissenschaftler. Einzelne Werke bedeutender Persönlichkeiten wurden bereits publiziert. Nachlässe wurden in Kisten verpackt und in Bodenräumen untergebracht. Obwohl als überlebt und uninteressant abgetan, wurden sie dennoch aufbewahrt. Bei Umzügen kamen verborgene Schätze ans Tageslicht, gerieten aber entweder ins Altpapiermaterial oder wurden verschenkt. Besondere Erwähnung verdienen die Werke von zwei literarisch tätigen Frauen: Cäcilie Jacobs Szamovolsky-Mohr und Paula Uhlig-Csehy-Palcso. Keine von ihnen beabsichtigte, an die Ã-ffentlichkeit zu treten, weil diese mit ihrem repräsentativen Hausfrauenstand nicht zu vereinbaren gewesen wäre. Im Kreise der Familie lasen sie allerdings aus ihren Werken vor, die als Familiengut von einer Generation zur nächsten weitergereicht wurden.
      Mein erster Fund waren die Werke der begabten Dichterin Cäcilie Jacobs. Ihn verdanke ich guten Beziehungen zu den Nachkommen von Frau Jacobs und einer weitverzweigten Korrespondenz. Durch schriftliche Kontaktaufnahme wurden Herr Gustav Urban und Frau Dr. Lilla Liska aus Budapest, Pastor RudolfWilhelm Jacobs aus Unna, die Dänische Akademie derWissenschaften in Kopenhagen und Familienangehörige in vierter Generation eingeschaltet. Eine von mir verfaßte Monographie der Dichterin erschien 1973.

     
   Der zweite Fund ist einer langjährigen Freundschaft mit Frau Veronika Palcsö aus Presov zu verdanken. Die sechs nachgelassenen Romane der Paula Uhlig spiegeln die finanziellen und moralischen Probleme der gutbürgerlichen Welt in den letzten Dezennien des 19. Jahrhunderts wieder. Persönlichkeit und Werk der Autorin werden von mir in einer Studie gewürdigt, die 1991 erscheinen soll.
      Was fesselte mich an diesen Hinterlassenschaften, und welche Züge verbinden die beiden schreibenden Frauen des 19. Jahrhunderts, die Dichterin Cäcilie Jacobs und die Romanautorin Paula Uhlig? Es sind dies ihre thematisch-geographische Einschränkung auf das Lebensumfeld der k. u. k. Monarchie, die stark empfundene Heimatverbundenheit, die Liebe zur Natur als sensible Untermalung der Handlung, ihr ausgeprägter Familiensinn, die Hochachtung der biblischen Gebote sowie des adeligen bzw. patrizisch-bürgerlichen Ehrenkodex, der vorbildliche Lebenswandel. Beiden gebührt ein bescheidener Platz in der Heimatliteratur im Rahmen des poetischen Realismus.
      Mit der Erschließung des deutschsprachigen literarischen Erbes befaßt sich neuerdings der als Lenauforscher bekanntgewordene Professor Dr. sc. Elemer Terray. Er beabsichtigt, aus zeitgenössischer Perspektive alle deutschsprachigen Werke ehemaliger Pädagogen, Ã"rzte und Pfarrer zu befragen und zu bewerten. Sein Spezialgebiet ist seine Zipser Heimat und sein Wirkungs- und Betätigungsfeld die Hauptstadt der Slowakei.
     

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