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Traumfabrik Hollywood



Die Filmwerbung ist, wenn es um Filme für Erwachsene geht, durchgängig und weltweit darauf aus, wo immer es möglich ist zu betonen, es handle sich um eine Geschichte, die tatsächlich passiert sei, eine wahre Geschichte, eine Angelegenheit, die dann und dann die Gerichte beschäftigt habe. Mit einem Wort: Ernst zu nehmen ist nur das, was wirklich geschehen ist, sei es in der Vergangenheit oder in der Gegenwart. Nun mag das Interesse am Faktischen ja ein durchaus legitimes Interesse sein. Und es gibt gewiss auch solche Filmkunstwerke, die dieses Interesse befriedigen: so etwa Die Früchte des Zorns von John Ford .


      Es gibt aber auch noch ganz andere Filmkunstwerke, die insgeheim eine Poetik praktizieren, die sie öffentlich leugnen. Diese Hollywood-Filme fesseln den Zuschauer, weil sie, ohne es zu >plakatierentrainiert< ist, wird gar nicht bemerken, welches Spiel da mit ihm getrieben wird. Der Zuschauer tritt nämlich mit dem Tagträumer, dessen Situation in der objektiven Realität nach allen Regeln der Kunst deutlich gemacht wird, voller Hoffnung und auch voller Angst in dessen Welt des eigenen Tagtraums ein, als wäre sie Realität. Und die Regie setzt alles daran, dieses Als-ob nicht bloßzulegen. Was allerdings verspürt wird, das ist die Vertrautheit mit den dargestellten Sachverhalten. Denn: Was kann uns näher sein als die Tagträume der Menschheit? Wir haben immer alles längst geahnt.
      Nach diesem poetologischen Prinzip sind beispielsweise die folgenden Hollywood-Filme >gebauteingespurt< worden sind, werden wir plötzlich gezwungen, auf den Boden unserer empirischen Wirklichkeit zurückzuspringen. Die Wirklichkeit der Kunst widerruft sich hier: alles nur geträumt.
      In vorläufiger Zusammenfassung ist festzustellen: Im Grundmuster Walter Mitty gehört das erkennbare Nebeneinander von objektiver und subjektiver Wirklichkeit zur dargestellten Wirklichkeit. Die erste Variante dieses Musters zieht uns jedoch allmählich aus der objektiven Wirklichkeit heraus und lässt die Wirklichkeit des Tagtraums zur Herrschaft kommen: als in sich geschlossene Welt, die auch mit der realistischen Exposition ihres Beginns in der objektiven Wirklichkeit >homolog< ist. Die innerfiktionale Auflösung des Tagtraums gehört nicht mit zur Poetik der ersten Variante. Die Wirklichkeit des Tagtraums ist hier eine autonome Wirklichkeit. Nur wir, die Zuschauer , erkennen das Strukturprinzip und sind überhaupt in der Lage, nach der Nahtstelle zwischen objektiver und subjektiver Wirklichkeit zu suchen. Das poetologische Muster Schneesturm setzt aber, um in poetologischer Rekonstruktion adäquat verstanden zu werden, voraus, dass die wirklichkeitsschaffende Funk-tion des Tagträumers, der hier das Sagen hat, durchschaut wird. Denn nur dann wird erfasst, dass der Autor, indem er ein träumendes Ich bei der Arbeit vorführt, eigens das zum Ausdruck bringt, was sich verrät, ohne dass das träumende Ich dies sagen wollte. Es kann nicht genug betont werden: Das Intentum des Autors ist das, was sich am Tagtraum >verrät

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