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Traugott Teutsch - Das dramatische Werk
Das dramatische Werk von Traugott Teutsch umfaßt zwei historische Stücke: Sachs von Harteneck und Johannes Honterus . Teutsch hat auch ein Lustspiel, Hannibal Heimchen, geschrieben1, das er aber später vernichtete2; es soll zum Teil Dichtung, zum Teil Wahrheit enthalten haben 3. Bei den geschichtlichen Dramen hat offenbar das Dichten die Wahrheit verdrängt. Denn beide Stücke bleiben zu sehr im Privaten und lassen die geschichtliche Bedeutung der Hauptgestalten in zu geringem Maß hervortreten.
Sachs von Harteneck ist eine in der siebenbür-gischen Geschichte umstrittene Gestalt. Er hat auf Dichter verschiedener Epochen eine große Anziehungskraft ausgeübt, wovon die zahlreichen literarischen Bearbeitungen des Stoffes zeugen. Traugott Teutsch verwendete als Quelle u.a. einen Roman von Daniel Roth. *
Das Drama gliedert sich in zwei parallele Handlungsstränge: die erste Handlung verfolgt das Schicksal des Haupthelden, die zweite umreißt die Ereignisse, die den im Hause Hartenecks erfolgten Mord des Dieners Adam herbeiführen. Schon in der Disposition erweist sich das Stück als mangelhaft, weil es die beiden Handlungen nicht recht verbindet. Teutsch hätte im Verlauf des Stückes mehrere Möglichkeiten gehabt, dieses zu tun. Er hätte beispielsweise Hartenecks Mitschuld am Mordanschlag, den Adam im Auftrag von Hartenecks Gattin auf Acton, den Adjutanten des kommandierenden Generals, verübt hatte, ins Geschehen bringen können. Die Handlung, deren Zentralgestalt Adam ist, nimmt im Stück den größten Raum ein, ihre Funktion ist bedeutender als das eigentliche Geschehen. Da der Autor die dramatische Kraft nicht konzentriert, verliert das Stück an Einheitlichkeit. Die Helden sind außerdem nicht genug typisiert. Sie streben keinem konkreten Ziel zu, und ihre Charaktere sind unzulänglich motiviert. Harteneck soll ein durchaus positiver Held sein, er wirkt unermüdlich für das Wohl seines Volkes und ist sich seiner Pflichten als Königsrichter vollauf bewußt, aber in dem Augenblick, in dem er in seinem eigenen Haus ein Verbrechen vermutet und seine Frau für schuldig hält, zögert er. Damit ist Teutsch an dem Punkt des
Dramas angekommen, wo der von ihm gestaltete Held an sich selbst scheitert, wo er indirekt dem Verbrechen Vorschub leistet. Harteneck wird durch jeden Schritt, den er tut, dem Fall unweigerlich nähergebracht. Sein Untergang ist in Drama jedoch nicht genügend gerechtfertigt. Teutsch erkennt die politischen Implikationen des dargestellten Vorgangs nicht und hat so den Widerspruch im Schicksal des Kornes nicht lösen können. Das Stück nimmt Harteneck zudem die Möglichkeit, Kämpfer zu bleiben, da es ihm keinen ebenbürtigen Gegner entgegenstellt. Teutsch verzichtet auf eine direkte Konfrontation Harteneck—Bethlen und somit auf die Gestaltung der geschichtlichen Grundlage des Konfliktes. Michael Albert weist auf diesen Mangel hin: 'Wie gerne hätten wir ihn, etwa in einer Landtagsszene, Bethlen gegenüber gesehen." 5 Die Zeitkritik erkannte diese und andere Mängel des Dramas. Adolf Schullerus vermerkte über die Unzulänglichkeit der Hauptgestalt: 'Von den Plänen Hartenecks, von seiner politischen Gegnerschaft, von seinem Kampf gegen die moralische Zerrüttung seines Volkes, hören wir zwar ihn und andere sprechen, aber alles bleibt nur im Hintergrund." A. Schullerus beurteilt die Inkonsequenz des Helden richtig. Hierüber schreibt auch Lutz Korodi, man gewinne den Eindruck, daß Teutschs Menschen 'einseitige Übertreibungen seien" 7.
Teutschs zweites Drama, Johannes Honterus, fand mehr Anklang. Es habe 'Höhepunkte aufzuweisen, bei denen der Zuschauer von der Gewalt der Handlung hingerissen wird"8. Diese von Teutsch in seiner Selbstbiographie zitierte Aussage erfaßt eine Seite des Dramas zutreffend: die Kraft zu beeindrucken. Mehrere Szenen sind von echtem Pathos durchdrungen. Die gute Aufnahme des Stücks durch Kritik und Publikum ist aber zum Teil auch dadurch zu erklären, daß es anläßlich der 400-Jahrfeier von Honterus' Geburt geschrieben und aufgeführt wurde.
Im Vorwort erklärt Teutsch sein Vorhaben und deutet die Probleme an, die sich bei der Stoffwahl ergeben haben. Um der Grundbedingung des Schauspiels 'Kampf und Gegenkampf ist das Wesen aller dramatischen Dichtung" 9 zu entsprechen, stellt Teutsch dem Reformator den Dechanten des Hermannstädter Kapitels, Thonhäuser, entgegen. Dadurch glaubt der Verfasser 'den Gesichtskreis über das Weichbild von Kronstadt hinaus" erweitert und zugleich, dem Fingerzeig Gustav Freytags folgend, 'die historische Idee in die dramatische" 11 umgewandelt zu haben. Teutsch vermeint außerdem, seinen Helden in eine 'einheitliche Handlung" gestellt zu haben, 'wobei alle bewegende, treibende Kraft vom
Helden ausgeht und alle Bewegung sich wieder auf ihn zurückbezieht".
Diese vom Autor erhobenen Forderungen scheinen — zumindest für die Ansprüche der Literaturkritik jener Zeit — erfüllt worden zu sein. A. Schullerus schreibt nach der Aufführung des Dramas: 'Die farbenreichen Bilder der Aufführung stehen noch vor unser Aller Seele." In einer längeren Studie über Johannes Hon-terus bemerkte Oskar Netoliczka: 'Es ist das erste, große, wirklich nationale Drama, das seit M. Alberts Flandrern und Harteneck uns vom Verfasser des ersten Harteneck geschenkt wird." 14 Teutsch habe sich bei diesem Schauspiel 'nicht auf das Aufzählen von Bildern aus dem Leben des Helden beschränkt, sondern für ein nach den Regeln der Technik des höhern Dramas aufgebautes Stück entschieden, das von der Expositions- bis zur Schlußszene in organischer Gliederung fortschreitet". Der Konflikt des Dramas ist jedoch ungenügend motiviert, worunter das ganze Stück leidet: die 'zwei Höhepunkte, die Dispute mit Thonhäuser und die Vorladung an den Hof" bleiben unbefriedigend. Wie auch im Harteneck fehlt der Hauptgestalt die Einheitlichkeit. Teutsch selbst erkennt die Mängel des Dramas. Er schreibt beispielsweise: 'Vor allem fehlt der Handlung eine große Hauptscene politischen Inhalts, in welcher sie gipfeln müßte — der Held selbst bleibt zu sehr in seiner Familiengeschichte stecken. Diese Scene war ursprünglich im Entwurf angelegt, aus gewissen Hinsichten und Rücksichten unterdrückte ich sie nachgerade wieder."
Teutsch war kein geborener Dramatiker, das Hauptgewicht seines Werks liegt auf dem Gebiet der Prosa. Darum sind auch seine szenischen Versuche keine Meisterwerke der Gattung. Das sollte einen aber nicht veranlassen, seine dramatischen Werke in der einheimischen Literaturgeschichte zu übergehen. Zumindest als Zwischenetappe verdienen sie Beachtung.
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