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Literarische Titel dienen der Identifikation
Der Titel einer Dichtung ist das Erste, was uns von ihr begegnet. Mit den Sternen am Himmel ist es genau umgekehrt: Erst zeigen sie sich, und dann erst bekommen sie einen Namen. Und wie ist es mit den Menschen? Wie begegnen sie uns? Wann erfahren wir, wie unsere Eltern heißen? Zunächst begegnen uns Gesichter, dann erst kommen die Namen. Zumindest sieht die ursprüngliche Erschließung der Umwelt so aus: das Zunächst und Zumeist des Kennenlernens.
Später dann kehrt sich dieser Sachverhalt um: Wir haben >viel von jemandem gehörtheißt< der Text so wie sein Titel. Ein wirklicher Eigenname aber wird aus einem Reservoir von Eigennamen gewonnen, der literarische Titel hingegen aus dem Reservoir der Dichtung, die er benennt. Er benennt etwas, das mit dem, was in der Dichtung vorkommt, zu tun hat, das sie in einer ihrer Eigenheiten kennzeichnet - und das so, dass uns etwas verheißen wird. Wir können uns allenfalls etwas denken, wenn wir einen sprechenden Eigennamen hören , aber solche Bedeutung gehört dem Namen, nicht dem Namensträger. Sie könnte dem Namensträger gehören, gehört ihm aber nicht. Der literarische Titel hingegen steht zu dem, was er >benenntName< eines literarischen Textes aufgefasst, die innerfiktionale Wirklichkeit, gehören in solcher Funktion nicht zu der vom Text dargestellten Welt, sind also regelrecht doppelt da, >hinter Glas< und >auf dem Glas |