Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Sonstige

Index
» Sonstige
» Komödie: Arabella

Komödie: Arabella



Mit der Analyse, die der Tragödie Elektra galt, haben sich, über das bis dahin bekannte lyrische Drama hinaus, Einblicke in Aufbau und Struktur des Dramas ergeben, die nun am Beispiel einer Komödie zu vervollständigen sind. Wenn statt des weitaus berühmteren Schwierigen - der nicht unbedingt für unsere Zwecke zu schwierig', wohl aber viel zu lang ist -Arabella gewählt wird, liegt der Grund hierfür vor allem darin, dass diese Komödie einen didaktisch vielversprechenden Ãobergang zum Kapitel ,Erzählung' ermöglicht. Auch ihr ist, wie ihrer berühmteren Schwester, psychologische Subtilität nicht fremd, doch erreicht diese, im Vergleich zum Schwierigen, nur einen minderen Grad, was das Stück nicht abwertet, für die Bedürfnisse unserer Analyse aber geeigneter macht. Daraus mag der Leser entnehmen, dass aus der Sicht der Autorin der nicht behandelte Schwierige im Reigen der Hof-mannsthalschen Werke, die hier zur Sprache kommen, durchaus eine Lücke hinterlässt. Man wird sehen, ob die Analyse der Arabella uns dafür zumindest teilweise entschädigen kann.

      Arabella ist das letzte Werk Hofmannsthals; Aufführung und Drucklegung erlebte er nicht mehr. Als Libretto für eine Oper konzipiert, die wiederum in Zusammenarbeit mit Richard Strauss entstehen sollte, trägt das Werk den Untertitel 'lyrische Komödie". Damit ist nicht, wie analog im lyrischen Drama', gemeint, dass Anlage und Stil der Lyrik entsprechen; vielmehr handelt es sich um eine Bezugnahme auf frz. ,drame Iyrique', was ,Oper' bedeutet. Von Strauss in Musik gesetzt, erlebte Arabella ihre Uraufführung 1933 an der Dresdner Semper-Oper - wie schon zuvor die Opernfassung der Elektra. Trotzdem ist der Text, was nicht für alle Opernlibretti gilt, auch als literarisches Werk bedeutsam und ohne Verlust als rein sprachliche Komödie lesbar - was im Folgenden unter Beweis gestellt werden soll.
      Anders als beim Tod des Tizian und im Unterschied zu Elektra bietet Arabella den leichtesten Zugang, wenn man ihrem Verlauf folgt, so wie er sich auch bei der Aufführung vollzieht. Dabei ist es nicht angezeigt, allzu feine Abstufungen anzustreben, da das Stück zwar eine Akteinteilung, aber keine Szeneneinteilungen enthält. Die Entwicklung des Dramas ist durch den Zugewinn an Komplexität und Tiefe gekennzeichnet, der sich durch das getreue Anhaften am Text am besten erschließt.
      Wie schon der Anfang, die Exposition, belegt, handelt es sich bei Arabella um eine Komödie des Geldes - genauer: um die Komödie jener Armut, in die Rittmeister a.D. Waldner seine Familie durch seine Spielleidenschaft gebracht hat; komisch lässt sich das zunächst nicht an. Seine Frau Adelaide lässt sich in der Eingangsszene die Karten legen . Sie hofft, damit günstige Auskunft über eine in Aussicht gestellte Erbschaft - wobei naturgemäß die 'Tante in Goerz" erst einmal sterben muss ... - und die baldige Vermählung der Tochter Arabella zu erhalten. Die Kennzeichnung der Arabella als Komödie des Geldes betrifft nicht nur eine inhaltliche Ausrichtung, sondern bedeutet auch, dass damit eine weit reichende Versachlichung eintritt: Arabella ist, unvermählt, für die Familie zu teuer und soll durch die Heirat mit einem gutsituierten Mann die Vermögensverhältnisse ausgleichen. Um Gefühle geht es dabei nicht, sondern nur um den ,Geldwert' der notwendigen Vermählung. Der Gesichtspunkt der Versachlichung wird für die Analyse des Textes von großer Bedeutung sein.
      Während Adelaide gespannt den Einlassungen der Kartenlegerin zuhört, in denen der Verlauf der Komödie schon zutage tritt, wird ein Brief hereingebracht - erneut eine Rechnung, die Zdenka, die zweite, in Männerkleidung auftretende Tochter, zu den übrigen Rechnungen legt. Adelaides Bemerkung 'Unser Credit ist sehr im Wanken" - weswegen Arabella unbedingt schnell unter die Haube müsse - ist eher eine Beschönigung der finanziellen Lage als deren objektive Beschreibung.
      Was die Karten 'wie in einem Spiegel" zeigen, ist, verkürzt, die Handlung des Stückes selbst, die sich in dieser Expositionsszene schon in den Grundzügen abzeichnet. Dabei,sieht' die Kartenlegerin auch etwas, wovon nur die Familie weiß: Arabella hat eine Schwester, die, entsprechend verkleidet, als junger Mann ausgegeben wird, weil die Familie aus finanziellen Gründen nicht in der Lage ist, 'zwei Mädchen standeswürdig auszuführen". In diesem vorgegebenen Geschlechtertausch deutet sich eine existentielle Problematik an, die Identität der jungen Frau betreffend. Herauszufinden, wie die Komödie sie auflösen und zum Guten führen wird, stellt sich als eine zentrale Aufgabe bei der Analyse von Arabella. Obwohl die Karten, wie die Kartenlegerin gegen über der betroffenen Adelaide betont, nichl lügen und ,ui

 Tags:
Komödie:  Arabella    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com