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Kluge, Alexander - Chronik der Gefühle



Um die heimliche Macht und den Eigensinn der Gefühle zu erkunden, sucht Kluge in seinen Geschichten und Materialien der Chronik der Gefühle nach den Elementen, die nicht nur Lebensläufe, sondern auch ganze historische Entwicklungen beeinflussen. Kluge weist dabei den Gefühlen im Zusammenhang mit Erfolg und Scheitern, Politik und Macht, Glück und Unglück eine Schlüsselrolle zu. Inhalt: Der erste Band enthält - abgesehen von Schlachtbeschreibung - sechs Kapitel, die nach 1989 entstanden sind: Der Eigentümer und seine Zeit verfolgt, wie Menschen mit ihrem Eigensinn und ihrer Lebenszeit umgehen, in Verfallserscheinungen der Macht beschreibt Kluge Reaktionen, die den Zusammenbruch großer Reiche begleiten, Basisgeschichten schildert Anekdoten des Beziehungslebens und Heidegger auf der Krim untersucht in einem fiktiven Besuch von Martin -> Heidegger auf dem Kriegsschauplatz des Zweiten Weltkriegs das Verhältnis von Denken und Lebenspraxis.
      Mit den Titeln der beiden abschließenden Kapitel des ersten Bandes, Verwilderte Selbstbehauptung und Wie kann ich mich schützen? Was hältfreiwillige Taten zusammen?, verweist Kluge auf ein zentrales Motiv seines Werks, die Frage nach der Selbstorganisation und Kooperationsfähigkeit des Einzelnen. Der zweite Band enthält die überarbeiteten Texte der 1960er und 70er JahTe, ergänzt um ein Schlusskapitel Der lange Marsch des Urvertrauens. In ihm werden Entstehung und »Langzeitwirkung« von Gefühlen beschrieben, die über Generationen und Zeitalter hinweg Leben und Gesellschaft bestimmen, so wie jenes »Urvertrauen«, das Kluge als eine seit Vorzeiten durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch vorhandene Macht ansieht, ohne die ein Überleben nicht möglich wäre: Das »Urvertrauen« ist jenes Gefühl, das der Mensch den Zumutungen der Welt entgegensetzt.
      Aufbau: Weder die zwölf Kapitel noch deren einzelne Geschichten und Materialien sind chronologisch geordnet. DieChronikderGefühle ist antisystematisch und fragmentarisch. Neben Erzählungen und Anekdoten finden sich Gespräche, Bilder, Statistiken und andere Materia-lien. Die Formen und Schattierungen, in denen Gefühle im individuellen und kollektiven Leben ihre Rolle spielen, sind allenfalls um eine Art motivisches Zentrum gruppiert, das die Kapitelüberschrift jeweils andeutet. So steht z.B. das Bruchstück einer Liebesgeschichte aus dem Jahr 2000 neben einer Szene aus dem Machtzentrum des Deutschen Reichs kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs und auf eine Hochrechnung auf das Jahr 2007 fo]qtemeEpsode der römischen Geschichte.
      Wirkung: Die deutsche Kritik feierte die Chronik der Gefühle als eine der wichtigsten Veröffentlichungen zu Beginn des neuen Jahrtausends. Für eine jüngere Generation von Autoren wurde Kluge dadurch zu einem wesentlichen intellektuellen Bezugspunkt.

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Kluge,  Alexander  -  Chronik  der  Gefühle    

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